Tacheles Oberlausitz

Tacheles OberlausitzZittau, 18. Mai 2021. Neben weiteren Projektpartnern ist das Zittauer Soziokulturelle Zentrum Hillersche Villa aus Zittau an der Gemeinschaftsaktion "Tacheles Oberlausitz – Initiative für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus" am bundesweiten Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" beteiligt.

Abb.: Aus der Ausstellung "Jüdische Spurensuche" des Schwarzenberger Künstlers Jörg Beier (1946-2021).

Foto: © Görlitzer Anzeiger / Thomas Beier

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Initiative "Tacheles Oberlausitz" will jüdisches Festjahr zwischen Zittau, Ostritz und Görlitz bereichern

Initiative "Tacheles Oberlausitz" will jüdisches Festjahr zwischen Zittau, Ostritz und Görlitz bereichern

Der umfangreiche Sammlung von Dokumenten und Zeugnissen jüdischen Wirkens und der Judenverfolgung während des Nationalsozialismus, die Jörg Beier über viele Jahre zusammengetragen hat, soll katalogisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Foto: © Görlitzer Anzeiger / Thomas Beier

Thema: Jüdisch

Jüdisch

Juden hatten und haben einen großartigen Anteil an der Entwicklung Deutschlands in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Leben ist undenkbar ohne die Erinnerung an die Zeit, als es in Deutschland ausreichte, Jude zu sein, um verhaftet, deportiert und umgebracht zu werden, wenn man nicht rechtzeitig geflohen war.

Tacheles Oberlausitz ist der Versuch einer Annäherung aus großem Abstand: Die Juden, die in der Oberlausitz lebten, erlebten Zeiten von Akzeptanz und Toleranz, aber auch von Anfeindung, Vertreibung und Mord. Wer in der Nazizeit als Jude Deutschland nicht rechtzeitig verlassen oder fliehen konnte, wurde deportiert und – besonders nach der 1941 beschlossenen "Endlösung der Judenfrage", einer Umschreibung des systematischen Massenmords – umgebracht. Die Zahl von sechs Millionen Juden, die von den Nazis und ihren Helfern ermordet wurden, ist wissenschaftlich gut belegt.

Tacheles Oberlausitz will – wie Tacheles, eine Verballhornung von Tachles, suggeriert – nun Klartext reden. Geredet werden soll darüber, wie Juden die Oberlausitz prägten, ob nach der Schoah (הַשּׁוֹאָה, engl. Shoa) überhaupt noch Juden hier leben, woher der Antisemitismus kommt. Zu diesem Zweck soll es ein Veranstaltungsprogramm geben mit einem Kurzfilmabend, Vorträgen und Diskussionen, Konzerten, Theater, Gesprächen, einem jüdischen Fest und einer Wanderausstellung.

Start ist im Juli mit einem Podcast über Geschichten und Orte der Juden in der Oberlausitz. "In der ersten Folge geht es um die Frage, was die Nachfahren von im Nationalsozialismus geflüchteten Juden und Jüdinnen eigentlich noch mit ihren Herkunftsorten in der Oberlausitz verbindet, und was diese Verbindungen für die im Ausland lebenden Familien, aber auch die Menschen vor Ort bedeuten können", erläutert Anne Kleinbauer von der Hillerschen Villa, die das Hörformat produziert.

Im Jahr 2020 neu gegründeten "Bündnis gegen Antisemitismus Dresden und Ostsachsen" arbeiten 25 Organisationen aus der jüdischen Community und der sächsischen Zivilgesellschaft zusammen gegen Antisemitismus. "Wir freuen uns sehr über die Beiträge aus Ostritz, Görlitz und Zittau", würdigt Andrei Kovacs, leitender Geschäftsführer des Kölner Vereins "321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.", der im Auftrag des Bundesministeriums des Innern das Festjahr koordiniert, das Projekt "Tacheles Oberlausitz" als eine Bereicherung des Festjahres.

Hintergrund des Festjahres ist, dass der römische Kaiser Konstantin am 11. Dezember 321 ein Edikt erließ das besagte, dass Juden städtische Ämter in den Kurien – den römischen Stadträten – bekleiden dürfen und sollen. Das Edikt Konstantins, das in einer Abschrift in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt wird, ist das früheste schriftliche Zeugnis über jüdisches Leben in Mittel- und Nordeuropa. Es belegt, dass jüdische Gemeinden bereits seit der Spätantike zur europäischen Kultur gehören und somit die Neuzeit mit geprägt haben.

Das Museum Bautzen und die Stadtbibliothek Bautzen hatten im Jahr 2008 an die Juden in Bautzen und in der Oberlausitz erinnert. Einen Abriss aus der Geschichte der Juden in Zittau hat die Hillersche Villa veröffentlicht, Klaus-Dieter Alicke aus Winsen (Aller) zudem über die Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Zittau, über die Juden in Löbau hat Gabriel Wandt im Jahr 2013 in der Sächsischen Zeitung geschrieben, frei zugänglich auf sächsische.de.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 18.05.2021 - 07:18Uhr | Zuletzt geändert am 18.05.2021 - 14:10Uhr
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