Schlesisches Nachtlesen 2022 mit drei Buchpremieren

Schlesisches Nachtlesen 2022 mit drei BuchpremierenGörlitz, 28. Februar 2022. Am 9. April 2022, einem Sonnabend, findet das nächste Literaturfest "Schlesisches Nachtlesen" in der Europastadt beiderseits der Lausitzer Neiße statt. An gewohnten sowie erstmalig belegten Orten in Görlitz wollen mehr oder weniger bekannte Leute binnen je 15 bis 20 Minuten Texte vortragen, die eine Verbindung zu Schlesien haben.

Symbolfoto: © BeierMedia.de

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Anregender Abend versprochen

Die Ankündigung von Agnieszka Bormann, Kulturreferentin für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz, liest sich beeindruckend vielversprechend: "Die Kombination von Ort, Text und Persönlichkeit des oder der Vorlesenden bietet immer wieder Gelegenheit, in einen inspirierenden Kosmos versteckter Assoziationen und literarischer Verbindungen zwischen gestern, heute und morgen einzutauchen." Jedenfalls wird denen, die zuhören, ein anregender Abend versprochen.

Nachdem das Schlesischen Nachtlesen in den Jahres 2020 und 2021 notgedrungen schweigen musste, bringt das Jahr 2022 neue Leseorte und neue Leser, selbstverständlich innen.

Die Worte erklingen nun in der Heine Kinobar, im Art Goreliz Café und Buchhandlung, im Benigna und im CASUS, im Grantino, im Kochwerk und in der Optiker Brillenlounge. Laut lesen wollen unter anderem die neue Direktorin des Schlesischen Museums Dr. Agnieszka
Gąsior und der neue Theaterintendant Dr. Daniel Morgenroth. Eher altvertraut in Görlitz sind hingegen Dr. Michael Wieler, Stefan Bley oder Axel Krüger. Mit dem Landtagsabgeordneten und Landratskandidaten Dr. Stephan Meyer sowie Arielle Kohlschmidt dürfen sogar Nicht-Görlitzer auftreten.

Die Band "Semper Mirandus" will wieder musikalisch begleitete Görlitzer Sagen aufführen.

An die Senioren gedacht

Die Route des Schlesischen Nachtlesens verläuft 2022 zwischen der Villa Marie Curie in der Joliot-Curie-Straße und dem Zentralhospital in der Krölstraße, also von einem Görlitzer Seniorenheim zu einem anderen. Corona-Inzidenz hin oder her: Hier sind zum Schlesischen Nachtlesen auch Besucher willkommen. Bormann in einer Mitteilung: "Nach zwei Jahren deutlicher Entbehrungen im kulturellen Bereich möchten wir gerade den Menschen, die von der Pandemie besonders schwer getroffen wurden, ein kulturelles Angebot am Ort ihres Lebens anbieten. Hier ist das Programm besonders abwechslungsreich. Im Gegensatz zu allen anderen Leseorten, wo jede halbe Stunde derselbe Text dargeboten wird, ist in beiden Seniorenheimen jeweils ein anderer Text zu hören."

Bücher feiern Premiere als Wiederauflage, deutsche Erstausgabe oder zweiter Teil

Nach nahezu gundert Jahren wurden die Tagebücher der Fürstin Daisy von Pless – Titel: Tanz auf dem Vulkan – wieder verlegt und werden durch die Initiatorin der neuen Ausgabe Ina Kwiatkowski vorgelesen. Daisy von Pless (1873-1943), geboren als Mary Theresa Olivia Cornwallis-West in Wales, ist eine der schillerndsten und bedeutendsten Figuren der schlesischen Geschichte. Durch die Heirat mit Hans Heinrich XV. Fürst von Pless, Graf von Hochberg, wurde sie zur Schlossherrin auf Fürstenstein (heute Zamek Książ) bei Waldenburg (polnisch Wałbrzych). Bis heute wird die Waliserin ihr soziales Engagement – etwa im schlesischen Sozial- und Gesundheitswesen als Rotkreuzschwester im Ersten Weltkrieg – verehrt. Ihr Ende ist schnell erzählt (Quelle: Eintrag auf Wikipedia): Scheidung 1922, Entwertung der Vermögensabfindung durch die Inflation, Enteignung 1939 Ausbau des Schlosses zum Führerhauptquartier, demonstrative Besuche des Konzentraioslagers groß Rosen, verarmt in Waldenburg gestorben.

Ein Zitat aus dem "Tanz auf dem Vulkan", das Wikipedia verwendet, sei nicht erspart: "Aber Deutschland war damals primitiv. Als ich England verließ, mit seinem schönen und behaglichen Leben (jetzt hat es Deutschland bis zu einem gewissen Grade nachgeahmt), dachte ich: Muß ich wirklich in diesem unzivilisierten Lande leben? Soll dies meine Heimat sein? Aber ich gewöhnte mich daran, alles von der scherzhaften Seite zu nehmen."

Erstmalig wird dem deutschen Publikum das Buch "Jenseits" (Zaświaty) von Krzysztof Fedorowicz vorgestellt – in Polen eines der fünf besten Bücher im Finale des NIKE 2021, des wichtigsten polnischen Literaturpreises. Die deutsche Übersetzung von Hans Gregor Njemz erscheint im Frühjahr 2022 im Görlitzer Senfkorn Verlag. Der Autor ist Schriftsteller und Winzer und kommt aus aus Grünberg (Zielona Góra). Die ehemals östlichste deutsche Obst- und Weinstadt feiert dieses Jahr ihr 800jähriges Jubiläum.

Bei der dritten Premiere handelt es sich um den zweiten Teil der deutsch-polnischen Anthologie "Wanderer im Riesengebirge". Die vom Schlesischen Museum zu Görlitz und dem polnischen Verlag Wielka Izera, zu Deutsch etwa "Großes Isergebirge", verlegten Reiseberichte führen in teils verschwundene Welten des Iser- und des Riesengebirges.

Darüber gehören zum Programm des Schlesischen Nachtlesens alte und neuere Texte von deutschen und polnischen Autoren, die nur auf Deutsch oder auf Deutsch und Polnisch vorgelesen werden.
vorgelesen werden

Mehr:
Das Programm und weitere Informationen zum Schlesisches Nachtlesen 2022 sind online bereitgestellt, immer schön herunterscrollen.

Kulturzuschlag:
Scrollfinger! Goldzug! (OMG Shirley!)

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 28.02.2022 - 05:28Uhr | Zuletzt geändert am 28.02.2022 - 06:54Uhr
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