Motor Görlitz schlägt Sportstätten-Fonds vor

Motor Görlitz schlägt Sportstätten-Fonds vorGörlitz, 11. Dezember 2018. Wenn sich der sächsische Innenminister Roland Wöller höchstpersönlich auf den zumindest per Auto und Bahn beschwerlichen Weg nach Görlitz macht, dann nicht, um Unheil zu verkünden. Die frohlockenden Sportfreunde von der Industriesportgemeinschaft (ISG) Hagenwerder wurden entsprechend bestätigt: Sie dürfen ihren seit Oktober gesperrte Sportplatz wieder nutzen, teilte ihnen der Minister gestern bei einer Zusammenkunft mit.
Abbildung: Alles gut zwischen ISG und Stadt. Die Sportfreunde (links ISG-Vorstand Thomas Zimmermann) hatten aufmerksam beobachtet, dass sich die Stadt (rechts im Bild Oberbürgermeister Siegfried Deinege) unter dem aufgebauten öffentlichen Druck für den Erhalt des Sportplatzes engagiert hatte und sogar bereit war, Fördermittel zurückzuzahlen. Die nun gefundene Lösung ist wohl informellen CDU-Wegen zu verdanken. Das Ende der Diskussionen zwischen Sport und Stadt wurde mit der Übergabe eines Fanschales besiegelt.

Altmann: "So geht gute Politik!"

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Hintergrund des Geschehens ist eine sächsische Fördermittelposse, kurz gesagt: weil ein Stadion mit Zuschüssen saniert wurde, sollte der nach dem Hochwasser von 2010 als hochwassergefährdet geltende Sportplatz geschlossen werden. Als das im Oktober 2018 durchgesetzt wurde, war der Aufruhr nicht weit.

Zum weiteren Erhalt des Sportplatzes Hagenwerder sich das unabhängige kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz Gedanken gemacht. Warum, das erläutert dessen Sprecher Mike Altmann: "Die jetzige Lösung sieht vor, dass für den Sportplatz Hagenwerder in den nächsten 25 Jahren kein Fördergeld in Anspruch genommen werden kann. Es sollte deshalb bereits jetzt begonnen werden, Geld im städtischen Haushalt zurückzulegen für nötige Baumaßnahmen, die im nächsten Vierteljahrhundert mit Sicherheit nötig werden. Aufgrund der zurückgehenden Fördermittel wäre es ohnehin klug, generell über einen Fonds für Sportstätten nachzudenken, in den man regelmäßig Geld aus dem Haushalt einzahlt, um daraus Investitionen bestreiten zu können."

Mit dem Erhalt des Sportplatzes im südlichsten görlitzer Ortsteil sieht Altmann die Wirksamkeit des Motor Görlitz-Netzwerkes bestätigt: "Der Erhalt des Sportplatzes ist ein Erfolg des bürgerschaftlichen Engagements. Initiiert von den Sportfreunden der ISG Hagenwerder wurde eine Unterstützerwelle erzeugt, die weit über die Grenzen des Ortsteils hinausging. Mehr als 3.000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet." Außerdem habe es deutschlandweite Medienberichte und vielfältige Aktionen gegeben. "Das hielt Druck auf dem Kessel", freut sich Altmann über das Engagement der Sportler und vieler anderer. Immerhin hat der Stadtteil Hagenwerder nur rund 800 Einwohner. Altmann dazu: "So wurde die Landespolitik gezwungen, eine Lösung in die verfahrene Kiste zu bringen. Hier leistete der Görlitzer Landtagsabgeordnete Octavian Ursu einen wichtigen Beitrag. So geht gute Politik, wenn alle Räder ineinandergreifen und man sich nicht innerstädtisch beharkt und mit Fingern aufeinander zeigt. Das ist auch ein Verdienst der Akteure von der ISG Hagenwerder, die zwar bestimmt, aber immer sportlich fair für ihre Sache eingetreten sind."

Hintergründe erfahren im Görlitzer Anzeiger:

  • 25.10.2018: Petition für den Fußballplatz Hagenwerder kurz vor dem Ziel
  • 17.10.2018: Petition für den Sportplatz in Görlitz-Hagenwerder
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    Kommentare Lesermeinungen (3)
    Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

    Das brummt prima,

    Von Seensüchtiger am 12.12.2018 - 15:26Uhr
    lieber Herr Altmann: Ende der Diskussionen zwischen Sport und Stadt, die Landespolitik wurde gezwungen, eine Lösung in die verfahrene Kiste zu bringen, so geht gute Politik. "Und sicherlich hat er (O. Ursu) seine Parteikontakte genutzt…"

    So rum und so rum sind nun Fördermittel in die Tonne gekloppt. Nun schon mal ansparen und vor allem, keine weiteren Fragen. Ende der Diskussion. Da lasse ich keinen Motor an.

    Sportplatz Hagenwerder

    Von Jens am 12.12.2018 - 10:01Uhr
    Zwei Dinge lassen einen immer wieder erstaunen:

    1. Wie bei bevorstehenden Wahlen von der CDU geführte Regierungen eigentlich unlösbare (selbst erzeugte?) Probleme auf wundersame Art und Weise aus der Welt schaffen und

    2. wer sich dann selbst als Helden feiernd auf die Schultern klopft.

    Sportplatz Hagenwerder

    Von Fritzsche am 11.12.2018 - 22:39Uhr
    Ich habe von Beginn an dieses "Dilemma" verfolgt und mich wie alle, vor allem die Betroffenen, über die Handhabung des Ganzen sehr geärgert, ja empört!

    Die Sinnlosigkeit, etwas zu zerstören, was völlig in Takt ist und ein Stück Kultur für Hagenwerder darstellt, war widersinnig!

    Die Handhabung von Mitteln war nur ein Punkt!

    Ich bin froh, dass sich der gesunde Verstand durchgesetzt hat und man auch einen Weg einschlagen will,der künftig solche Sachen verhindern kann.

    Es sollte generell so sein, dass man Mittel für "Notfälle" ansparen kann! Danke allen, die sich hier stark gemacht haben und diesen "Kampf" im Sinne der Vernunft gewonnen haben!

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    • Quelle: red | Bildquelle: Motor Görlitz
    • Zuletzt geändert am 11.12.2018 - 18:14 Uhr
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