Lausitz wird erstes Net Zero Valley Europas
Görlitz, 21. Dezember 2025. In Cottbus/Chóśebuz haben die Wirtschaftsminister Sachsens und Brandenburgs, Dirk Panter und Daniel Keller, den Beschluss zur Ausweisung der Lausitz als europaweit erstes Net Zero Valley unterzeichnet. Den Beschluss übergaben sie stellvertretend für die mitwirkenden Akteure an den Oberbürgermeister der Cottbus/Chóśebuz, Tobias Schick, sowie an den Landrat des Landkreis Görlitz, Stephan Meyer.
Foto: © Landratsamt Görlitz, Susanne Lehmann
Europaweit erstes Net Zero Valley
Foto: © Landratsamt Görlitz, Susanne Lehmann
Rund eineinhalb Jahre nach dem Inkrafttreten des Net Zero Industry Acts verfügt Europa über sein erstes Net Zero Valley. Es liegt in der Lausitz. Vorausgegangen ist ein bottom-up geführter Beteiligungsprozess. Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft entwickelten gemeinsam die Idee einer Modellregion für Netto-Null-Technologien. Im Fokus stehen vier Technologiefelder: Batterie- und Speichertechnologien, Wasserstoff- und Stromnetztechnologien sowie Technologien zur Energieeffizienz und Sektorenkopplung. Die Beteiligten setzen dabei auf Standortvorteile wie bestehende Kooperationen zwischen Wissenschaft, Forschung und Unternehmen, verfügbare Industrieflächen, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur sowie Qualifizierungsangebote für Fachkräfte.
Aussagen der Landespolitik
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter erklärte:
„Die Region hat sich das Net Zero Valley mit großer Kraftanstrengung selbst erarbeitet. Wir als Staatsregierung haben diesen Weg von Anfang an aktiv unterstützt. Mit der heutigen Ausweisung geben wir den Startschuss für die nächsten Schritte: gezielte Flächenentwicklung, Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Industrieansiedlungen und neue Wertschöpfung in Zukunftstechnologien. So entsteht ein starker Impuls für wirtschaftliche Entwicklung und industrielle Erneuerung in der Lausitz.“
Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller sagte:
„Das Net Zero Valley Lausitz ist ein weiterer wichtiger Baustein zur erfolgreichen Gestaltung des Strukturwandels in der Lausitz und für die Schaffung nachhaltiger industrieller Cluster, die zusätzliche Arbeitsplätze und Wertschöpfung in die Region bringen. Sie ist zudem ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Länder Brandenburg und Sachsen gemeinsam die Herausforderungen des Kohleausstiegs bewältigen.“
Kommunen und Landkreise im Fokus
Landrat Dr. Stephan Meyer betonte:
„Die Ausweisung der Lausitz als erstes Net Zero Valley Europas ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Region. Dieser Erfolg wäre ohne das enorme Engagement vieler Akteurinnen und Akteure aus Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft nicht möglich gewesen, ihnen allen gilt mein herzlicher Dank.“
Zugleich verwies Meyer auf die nächsten Aufgaben. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten deutlich beschleunigt werden. Investitionen in Zukunftstechnologien gelte es attraktiver zu machen. Ziel seien neue, sichere Arbeitsplätze. Das Net Zero Valley solle im Alltag von Unternehmen und Bevölkerung spürbar werden. Daran wollten die Landkreise Bautzen und Görlitz aktiv mitarbeiten.
Der Oberbürgermeister von Cottbus/Chóśebuz, Tobias Schick, hob den gemeinsamen Prozess hervor. Nachdem die Lausitzrunde das Thema im vergangenen Jahr angestoßen habe, hätten sich vor allem die kommunale Familie sowie Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern aus Cottbus und Dresden eingebracht. „Nur durch den Zusammenschluss aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft konnte dieser Prozess derart schnell und unkompliziert aufgesetzt werden“, so Schick. Der Beschluss sei zugleich Einladung und Verpflichtung. Die Menschen erwarteten sicht- und greifbare Ergebnisse.
Hintergrund
Die Europäische Kommission brachte im Juni 2024 das Netto-Null-Industrie-Gesetz auf den Weg. Ziel ist es, die Herstellung von Netto-Null-Technologien in der EU zu steigern, um bis 2030 mindestens 40 Prozent des jährlichen Bedarfs der EU an diesen strategischen Technologien zu decken. Erreicht werden soll dies unter anderem durch schnellere Genehmigungsverfahren, gezielte Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie besseren Marktzugang für Technologien „Made-in-Europe“. In sogenannten Net-Zero-Valleys sollen dafür besonders günstige strukturelle Voraussetzungen entstehen.
Die Lausitz reichte ihren Antrag am 16. März 2025 bei den zuständigen Ländern ein. Für elf festgelegte Fokusflächen führten Sachsen und Brandenburg eine strategische Umweltprüfung durch und schlossen diese ab. Am Vormittag des heutigen Tages erteilten die Kabinette beider Länder die Zustimmung zur Ausweisung des Net Zero Valleys Lausitz.
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- Quelle: red / PM Landktreis Görlitz
- Erstellt am 21.12.2025 - 13:52Uhr | Zuletzt geändert am 21.12.2025 - 13:57Uhr
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