Abenteuer Neiße beginnt

Abenteuer Neiße beginntGörlitz, 20. Mai 2020. "Abenteuer Neiße", damit sind nicht etwa abenteuerliche Schlauchbootfahrten gemeint oder das Festival der turisedischen Festspiele, das auch in diesem Jahr mit dem FOLKLORUM (4. bis 6. September 2020) in der Geheimen Welt von Turisede, dem großen deutsch-polnischen Urlaubs-, Freizeit- und Abenteuerpark, einhergeht – nein, zwei Görlitzer Museen zeigen Sonderausstellungen dazu.

Angeln an der Lausitzer Neiße im Herzen der Europastadt Görlitz-Zgorzelec

Archivbild: © BeierMedia.de

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Kulturgeschichtliche Ausstellung zum Neißefluss eröffnet

Kulturgeschichtliche Ausstellung zum Neißefluss eröffnet

Das Neißecafé in der Geheimen Welt von Turisede

Foto: © Görlitzer Anzeiger

Thema: Ausstellungen in Görlitz und Umgebung

Ausstellungen in Görlitz und Umgebung

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten, auch im Umland der Stadt.

Beim "Abenteuer Neiße" geht es um die Kulturgeschichte und die Ökologie der Lausitzer Neiße und ihrer Umgebung. Voraussichtlich ab Juni 2020 wird das "Leben am Fluss" im Senckenberg Museum für Naturkunde sichtbar, die Görlitzer Sammlungen haben bereits gestern ihre Ausstellung im Kaisertrutz eröffnet und erzählen "Geschichten am Fluss.

Die Lausitzer Neiße spielt für die Mehrheit der Lausitzer bedeutsame Rolle. Manch einer der Alten erinnert sich an die letzten Kriegstage, als die militärische Bedeutung des Flusses im Mittelpunkt stand und die Brücken gesprengt wurden, oder an die Vertreibung, als der Fluss die letzte Hürde war, um Übergriffen zu entkommen. In historisch kurzer Zeit hat sich die Bedeutung des Flusses gewandelt: Heute verbindet er die Menschen in Sachsen und Polen wie auch des deutschen und des polnischen Teils der Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Allerdings hat er noch immer eine politische Bedeutung über die Rolle Markierunmg politischer Einflusssphären hinaus, die sich erst unlängst in den Grenzsperrungen aus Anlass der Corona-Pandemie zeigte.

Flora und Fauna folgen dem Charakter des Flusses, ob nun im Neißetal zwischen Hirschfelde und Ostritz, zwischen Görlitz und Neißeaue, auf dem wilden Abschnitt zwischen Rothenburg/O.L. und Bad Muskau, oder weiter nördlich, wo er ruhig den Muskauer Park verlässt. Mühlen, Kraftwerke und Fabriken am Fluss zeigen ihn als Wirtschaftsfaktor, auch Touristen nutzen ihn für Bootsfahrten oder sitzen mitten im Fluss im Neißecafé.

Menschen am Fluss

Was die Lausitzer Neiße anscheinend nich nie war: Gegenstand einer eigenen literarischen Darstellung oder Thema einer musealen Ausstellung. Da macht sich das Kulturhistorische Museum Görlitz verdient, wennes den historischen Spuren der Menschen entlang der Lausietzer Neiße folgt und interessante Orte und Geschichten festhält, die vom Leben in der Flusslandschaft erzählen.

Der Mensch siedelt an der Neiße – mit einigen Unterbrechungen – seit der Steinzeit. Woher der Fluss seinen heutigen Namen hat, ist umstritten. Neuere Theorien sprechen von einer indogermanischen Etymologie, nach der sich Neiße von Neidsā mit der ungefähren Bedeutung "Gewässer mit Strömung" ableite. Andere Namenkundler sehen den Ursprung etwa im urslawischen Wortstamm niz für "unten" bzw. "niedrig gelegen", was sich sowohl auf die vergleichsweise niedrig im Isergebirge gelegene Quelle als auch auf die Auenlage beziehen könnte. Erstmals urkundlich tritt die Neiße als Namensgeberin für einen Landstrich "provinciam Nice" – nahe dem heutigen Forst (Lausitz) – im Jahr 1018 beim Chronisten Thietmar von Merseburg in Erscheinung.

Der Mensch verstand es stets – allen Gefahren zum Trotz – mit der Neiße zu leben und sie wirtschaftlich zu nutzen. Historische Bildwerke und Fotografien zeigen den Fluss und seine unmittelbare Umgebung oft überaus belebt: Fischerboote sind unterwegs, elegante Ausflügler flanieren auf den Uferterrassen, geschäftiges Treiben lässt die Fabrikschlote am Fluss rauchen. Eine scharfe Zäsur in der Geschichte der Neiße ließ diese Welt jedoch untergehen. Als Staatsgrenze und bewachte Barriere zwischen den sozialistischen Brudervölkern wurde dem Fluss nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Bevölkerungsaustausch östlich der Neiße eine Rolle zugedacht, die er zuvor in dieser Form nie hatte.

Undenkbar war mehr als 40 Jahre lang geworden, was bis dato im Zusammenspiel von Fluss und Mensch selbstverständlich war. Erst allmählich erobern sich beide seit der Friedlichen Revolution in der "DDR" und den politischen Umbrüchen in Osteuropa ihre einstige Partnerschaft zurück. Das Zusammenleben in der Dreiländerregion von Sachsen, Polen und Tschechien ist inzwischen gut vorangekommen – vieles liegt aber noch vor uns. Wohl auch deshalb sind wieder Fördermittel im Spiel: "Abenteuer Neiße" wird als Projekt mit Geld aus Kooperationsprogramms INTERREG Polen – Sachsen 2014-2020 bezuschusst. Teile der Sonderausstellung sind als Wanderausstellung konzipiert und werden im Anschluss im Kulturhaus (Dom Kultury) des polnischen Teils der Europstadt gezeigt, danach können sie ausgeliehen werden.

Prädikat: Hingehen!
Die Görlitzer Sammlungen laden kulturgeschichtlich interessierte Neiße-Abenteurer in spe zur Entdeckung der Sonderausstellung und zur Erkundung der Neiße-Region im Kaisertrutz und ab Juni im Senckenberg Museum für Naturkunde ein. Die Ausstellungen sind zweisprachig (deutsch und polnisch).

Tipp:
Die beiden Görlitzer Museen bieten Besuchern die Möglichkeit, mit der Eintrittskarte ihres Museums im jeweils anderen Museum eine Ermäßigung in Anspruch zu nehmen.

Auf einen Blick:

Kulturzuschlag:
Unten am (Neiße) Fluss

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  • Quelle: red | Foto Angler: © BeierMedia.de, Foto Neißecafé: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 20.05.2020 - 08:55Uhr | Zuletzt geändert am 20.05.2020 - 10:22Uhr
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