Messiaens „Quartett auf das Ende der Zeit“ in der Görlitzer Synagoge

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Görlitz, 19. Januar 2026. Am Donnerstagabend erklang im Kulturforum Görlitzer Synagoge das „Quatuor pour la fin du Temps“ von Olivier Messiaen. Das Werk wurde am 15. Januar, dem Jahrestag seiner Uraufführung, präsentiert und rückte erneut seine Entstehung im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A sowie seine bis heute gültige Aussagekraft in den Mittelpunkt.

Bildquelle: Meetingpoint Memory Messiaen e.V.

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Ein Werk aus dem Kriegsgefangenenlager

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Bildquelle: Meetingpoint Memory Messiaen e.V.

Messiaen komponierte das Quartett 1941 während seiner Gefangenschaft im deutschen Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A bei Görlitz. Die ungewöhnliche Besetzung für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier entstand aus den damals verfügbaren Instrumenten. Rhythmische Verschiebungen, extreme Dynamik und spirituell geprägte Klangbilder prägen das Werk. Es thematisiert Zeit, Leid und Hoffnung und steht bis heute für Verantwortung und Mitgefühl.


„Das Konzert ist für uns stets eine besondere Erfahrung“, erklärte Klaudyna Michalska-Tomyślak, Leiterin der Messiaen-Tage. „In diesem Jahr erklang das Quartett wie gewohnt am Tag seiner Uraufführung, jedoch nicht am ursprünglichen Aufführungsort. Das Europäische Zentrum Erinnerung, Bildung, Kultur wird derzeit renoviert. Dennoch konnte das Werk in der Synagoge seine musikalische Tiefe und den historischen Zusammenhang eindrucksvoll vermitteln.“


Interpretation und historische Einordnung


Das Ensemble Baltic Neopolis Virtuosi gestaltete die Aufführung mit klarer Struktur und großer Sensibilität. Die Musikerinnen und Musiker legten den Fokus auf die existenzielle Spannung des Werkes und machten dessen emotionale Dimension unmittelbar hörbar.


Bereits vor dem Konzert führte Alexandra Grochowski, Geschäftsleiterin des Meetingpoint Memory Messiaen e.V., die Besucher:innen über das Außengelände des ehemaligen Stalag VIII A. Sie vermittelte Einblicke in die Lebensbedingungen der Kriegsgefangenen sowie in die Entstehungsgeschichte des Quartetts.


Messiaen-Tage werden im Mai fortgesetzt


Die Messiaen-Tage setzen ihre Arbeit vom 1. bis 3. Mai 2026 fort. Geplant ist ein Programm aus Konzerten, Gesprächen und Vermittlungsformaten. Ziel bleibt es, das künstlerische Erbe Messiaens zu vermitteln, die Geschichte des Stalag VIII A weiter aufzuarbeiten und den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Polen zu fördern.


Weitere Informationen sowie das vollständige Programm sind im Programmheft und online abrufbar unter
www.messiaen-tage.eu
www.tickettune.com/mmm

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  • Quelle: red / PM Meetingpoint Memory Messiaen e.V.
  • Erstellt am 19.01.2026 - 00:07Uhr | Zuletzt geändert am 19.01.2026 - 00:10Uhr
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