Ausflug ins westfälische Landleben

Ausflug ins westfälische LandlebenAltenberge, 2. Juli 2018. Von Thomas Beier. Es gibt sie noch, die versteckten Orte, an denen die schnellebige Zeit noch nicht eingezogen, sondern wo alles echt ist: Landwirtschaft, Gastwirtschaft, Herzlichkeit. Jetzt hat der Görlitzer Anzeiger einen weiteren entdeckt: die Geuker-Wiedemann Kornbrennerei und Likörmanufaktur in Altenberge/Westfalen im Münsterland.
Abbildung oben: Chefin Silvia Geuker-Wiedemann führt gemeinsam mit ihrem Mann Clemens den Hof. Im Bild steht die Wirtin aber neben "Börnie" (mit hartem ö) aus München, der aus Altenberge stammt und gern immer wieder mal vorbeischaut

Im Münsterland entdeckt: Bauernhof mit Ausschank

Im Münsterland entdeckt: Bauernhof mit Ausschank

Leben mit der Natur: Blick aus der Hofeinfahrt von Geuker-Wiedemann

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" - das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Um das Lebensgefühl im Münsterland vorzustellen, muss man ein wenig ausholen. Aus Görlitzer Perspektive kennt man die Landschaftsparks von Branitz bis Bad Muskau / Mužakow, von Kromlau / Kromola bis Wörlitz. Die Kulturlandschaft des Münsterlandes hingegen erscheint als ein einziger Landschaftspark. Das kommt von der eher kleinteiligen Landwirtschaft mit ihren verstreuten, für Westfalen so typischen Gehöften, den kleinen Wäldern, Wallhecken und Wasserburgen – summa summarum eine Paradieslandschaft für Radfahrer.

Ganz traditionell: Landwirtschaft mit Ausschank

Immitten dieser unaufgeregten, bodenständigen Welt liegt der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Geuker-Wiedemann. Für den Radfahrer ist hier freilich vor allem die Gastwirtschaft interessant, die eher das Gefühl vermittelt, zu Besuch zu sein. Dazu trägt der stets frisch gebackene Kuchen mit Obst der Saison von Silvia Geuker-Wiedemann bei, die gemeinsam mit ihrem Mann Klemens die Bauernkneipe betreibt. Hier bekommen Biker – ob nun mit Motor oder ohne – alles, was für eine erfrischende Pause gebraucht wird: Ein Pils oder ein Weizen (wer weiterfahren will: beides auch drehzahlfrei), einen Weißen oder einen Roten vom Weingut, alles, was ein moderner Kaffeeautomat hergibt, Torte, Kuchen aller Art, Eis mit Obst oder selbstgemachtem Kompott. Wer's herzhafter mag, langt zu Schnittchen mit Käse und Schinken, klar auch mit Spiegelei, wozu hat man denn die Hühner?

Prozentual gesehen

Doch der Tipp auf diese nicht zufällig gefundene ländliche Gastlichkeit kam aus anderem Anlass. "Der Klemens hat extra noch einmal angesetzt, damit wir eine Kiste Blattschuss mitnehmen können", wurde am Vortag in geselliger Runde von der Gaststätte geschwärmt – und in der Tat: Was heute in der seit 1860 bestehenden Brennerei an Spirituosen entsteht, zeugt von einem liebevollen Händchen bei der Zusammenstellung des Sortiments und der Art und Weise, wie es an den Mann oder die Frau gebracht wird: Kleine, große und supergroße Flaschen, mit und ohne Schleifchen, zum Mitnehmen und an Wiederverkäufer. Dabei reicht die lange Liste der Auswahl vom traditionellen "Alten Münsterländer Korn" über Fruchtliköre und den erwähnten, nicht nur unter Jägern legendären "Blattschuss" bis zum wiedererweckenden "Altenberger Feuer".

Während bei Schickimicki & Co. Gin als Modegetränk gefeiert wird, weiß man auf dem Lande, dass es sich um nichts anderes als den guten alten Wacholder handelt, der in Altenberge als einfacher und als Doppelwacholder entsteht. Das Besondere am Wacholder? Immerhin ist es der einzige Nadelbaum, der eine Gewürzbeere hervorbringt. Wer also im Münsterland meint, unbedingt einen Gin ordern zu müssen, sollte wenigstens einen westfälischen Gin bestellen, dann geht das schon in Ordnung. Beim "Beste-Freundinnen-Abend" (Freunde dürfen mit) stehen bei Geuker-Wiedemanns allerdings Mixgetränke und Cocktails hoch im Kurs: "Klemens' Apfelbäckchen", einem Schlehenlikör mit Apfelcidre, konnte noch keine widerstehen.

Mal ein bisschen die Zeit anhalten

Ob man nun im Freien unter den alten Linden sitzt, einfach so vor dem Bauenhof, oder im Schankraum samst Saal: Für gastromomische Modeerscheinungen hatte hier wohl noch nie jemand einen Sinn. So landet man unversehens in der Zeit, als nicht Bildschirme die Freizeit bestimmten, sondern die Menschen ihre Zeit noch füreinander hatten. Schön, das es das hier noch immer gibt.

Prädikat: Unbedingt hinradeln!
Klemens und Silvia Geuker-Wiedemann
Kornbrennerei und Likörmanufaktur
Kümper 7, 48341 Altenberge/Westfalen

Öffnungszeiten im Sommer:
- montags von 10.30 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr
- dienstags Ruhetag
- mittwochs und donnerstags von 10.30 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr
- freitags von 10.30 bis 12 Uhr und von 16 bis 21 Uhr
- sonnabends von 10.30 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr
- sonntags von 11 bis 20 Uhr

Wer auf Nummer sicher gehen will oder mal vor verschlossener Tür steht, ruft einfach an:
Telefon 02505 - 10 67 oder Handy 0175 - 2 42 75 97

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Westfalen

Von Randolph Braumann am 02.07.2018 - 11:08Uhr
Sie fechten gut, sie TRINKEN gut,
und wenn sie die Hand dir reichen
zum Freundschaftsbund,
dann weinen sie.
Sind sentimentale Eichen.

Heinrich Heine über die Westfalen

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 01.07.2018 - 17:48 Uhr
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