Leben in Zeitlupe

Leben in ZeitlupeSchwarzenberg, 27. Juli 2015. Von Thomas Beier. Ist das nicht paradox? Diese Panik vor dem sesshaft werden, diese Sehnsucht nach dem unterwegs sein? Und dann, an den wenigen Orten, die es wert sind, dass man genau da ist, möchte man am liebsten die Zeit anhalten. Einer dieser Orte ist das Künstlergässchen im erzgebirgischem Schwarzenberg.

Das Leben ist ein langsamer Nachmittag

Das Leben ist ein langsamer Nachmittag

Sitzen im Schwarzenberger Künstlergässchen - und das Leben kommt vorbei.

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" - das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Es begann damit, dass ein Herr im ostsächsischen Städtchen Niesky dem Fritz Stänker, seines Zeichens Chefkommentator des Görlitzer Anzeigers, vorschwärmte vom Schwarzenberger Porzellanglockenspiel, der malerischen Altstadt, den Stadtfesten (Tipp: Edelweißfest vom 14. bis 16. August 2015, mittendrin am 15. das Schwarzenberger Kneipenfest in der Altstadt). Der Stänker grinste wissend und redete mir den Betriebsausflug in die Bergstadt ein.

Der stadtbekannte Kunstkneiper Beier (immer diese Namensgleichheiten) hatte angesichts des Hochsommers seinen Drachenkeller kurzerhand auf das Künstlergässchen, wo gegenüber das Kaff sein Spiegelbild hat, verlagert und war, als die Journalle eintrudelte, gerade dabei, Touristen mit Schwarzenbergbegeisterung zu impfen. Ach ja, sitzen in der Sonne, den Wein über den Köpfen und im Glas, der Schlag der Ratskelleruhr - ein lazy afternoon, bereichert von Gästen, die nur mal hallo sagen oder hier darauf warten, dass irgendein Zufall ihnen wieder Beine macht.

Der Viertelstundenschlag der Uhrglocke erinnert: Die Zeit flieht! Und zugleich dehnt sie sich endlos in einem Wohlgefühl, wie es wohl nur aus der Harmonie der Menschen hier, der Art, wie das Licht die Fassaden streichelt, ehe es sich leuchtend in den Ranken des ach so wilden Weins verfängt, aus dem Charme der Traumwirtinnen, die um den Schmerz der Männerseele wissen und auch mal mit den Gästen eine rauchen und ein gutes Wort für sie haben, aus dem Gefühl einer glückseligen Insel inmitten der Stadt erwächst.

“Solche Nächte müsste es öfter geben”, murmelt der Fritz, als wir uns im Morgengrauen die Kirchstufen hinabtasten.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Zuletzt geändert am 27.07.2015 - 00:17 Uhr
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