Volkskrankheit Reizdarm

Volkskrankheit ReizdarmGörlitz, 10. August 2022. Von Tina Beier. Ähnlich wie bei Inkontinenz oder Blasenschwäche ist das Thema Reizdarm für die Betroffenen oftmals mit viel Scham verbunden. Deshalb wird das Thema gerne unter den Teppich gekehrt, was wiederum den Druck erhöht. Das kann Stress auslösen und bei denen, die nicht unter Verstopfung, sondern unter starken Durchfällen leiden, weiteren Durchfall auslösen – ein Teufelskreislauf. Wichtig ist eine ärztliche Diagnose, denn die Symptome können unterschiedliche Ursachen haben.

Abb.: Fermentiertes Sauerkraut aus Weißkohl herzustellen, das ist schnell gemacht und lecker und gesund dazu

Foto: マサコ アーント (Masako Arndt), Pixabay License

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Wann spricht man von einem Reizdarmsyndrom?

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Das Reizdarmsyndrom ist eine Magen-Darm-Erkrankung sowie eine Störung des vegetativen Nervensystems und der Darmmuskulatur. Um die Ursachen erkennen und behandeln zu können, muss ein Arzt aufgesucht werden, da zuerst andere Krankheiten wie etwa eine Fibromyalgie erkannt oder ausgeschlossen werden müssen. In diesem Zusammenhang wird unter anderem der Stuhl nach Parasiten untersucht, es wird ein Blutbild erstellt und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes durchgeführt. Erst wenn sich kein organischer Befund ergibt und die Beschwerden zwischen drei und zwölf Monate andauern, spricht man von einem Reizdarmsyndrom.

Ursachen des Reizdarms

Genau da liegt die Krux: Ein Reizdarm kann viele Ursachen haben. Entsprechend gibt es Untergruppen, denn die Auslöser können von ganz unterschiedlicher Natur sein. So kann ein Reizdarmsyndrom etwa nach einer Magen-Darm-Infektion entstehen, nach der Einnahme von Antibiotika oder durch Nahrungsmittelallergien. Auch parasitäre Infektionen können Reizdarm-Symptome hervorrufen, wenn etwa die Darmflora geschädigt wird.

Darmflora ist lebenswichtig

Darmbakterien unterstützen die Verdauung und neutralisieren Giftstoffe. Kurzkettige Fettsäuren wie Buttersäure, Essigsäure und Propionsäure sind die maßgebliche Nahrungsquelle der Darmbakterien, auch im Enddarm. Extrem wichtig ist die Darmflora für die Immunabwehr, denn die “guten” Darmbakterien verhindern krankmachende Keime und dadurch Darminfektionen. Die Darmflora befindet sich überwiegend im Dickdarm, weniger im Enddarm. Mit Probiotika, die unter anderem Milchsäurebakterien und Hefen enthalten, kann man seine Darmflora unterstützen.

Reizdarmsymptome durch Parasiten

Giardiasis ist eine Entzündung des Dünndarms, hervorgerufen von einzelligen Parasiten, den Giardien. Der Körper entwickelt bei Befall die Symptome eines Reizdarmsyndroms, was nicht selten – wenn nicht ärztlich abgeklärt – zunächst zu Fehldiagnosen führt. Übertragen werden kann dieser Infekt durch bereits infizierte Personen, durch verschmutztes Wasser in Seen und Flüssen und durch Wild- wie auch Haustiere. Nachweisbar ist der Befall durch eine Untersuchung des Stuhls.

Haustiere als Infektionsquellen

Katzen und Hunde unterliegen einer recht hohen Infektionsgefahr mit Giardien, sie können diese Parasiten leicht an den Menschen weitergeben. Darum sollte man die Katzentoilette nur mit Handschuhen reinigen und sich nach dem Spiel mit dem Hund unbedingt die Hände waschen. Der Hund nimmt die Parasiten über den Kot anderer Tiere auf, oftmals auf öffentlichen Freilaufflächen. Generell sollte man seinen Hund beim Gassigehen beobachten und ihn regelmäßig beim Tierarzt auf diese Parasiten lassen; alternativ kann man zu Hause einen “Giradientest Hund” anwenden. Wichtig: Das “normale” Wurmmittel für die Tiere tötet die Giardien leider nicht ab.

Kinder und Immungeschwächte besonders gefährdet

Bei gesunden Erwachsenen ist bei konsequent hygienischem Verhalten das Übertragungsrisiko eher gering, gefährdet sind vielmehr Kinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Auch die VIER PFOTEN Tierschutzstiftung rät zur regelmäßigen Giardien-Vorsorge für Hunde und Katzen. Ist jedoch ein Tier – oder ein Mensch – infiziert und wird der Infekt nicht diagnostiziert, so kann die Infektion weitergegeben werden. Wird durch die Stuhluntersuchung ein Giardien-Befall festgestellt, so ist dieser behandel- und heilbar. Beim Reizdarmsyndrom ist eine Heilung allerdings nicht möglich – diese Erkrankung kann nur in ihren Symptomen gelindert werden.

Hausmittel und Ernährungsumstellung für den erkrankten Darm

Auch ernährungstechnisch kann man ohne großen Aufwand viel Gutes für seinen Darm tun.


    • Wie auch bei nicht erkrankten Menschen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch Wasser oder Tees ohne den Zusatz von Zucker wichtig. Ganz oben auf der Liste steht bei Reizdarmbeschwerden die Pfefferminze. Sie kann man als Tee oder als Öl einnehmen. Erfolge bei Betroffenen werden auch einer Kräuterteemischung aus grüner Minze, Koriander und Zitronenmelisse nachgesagt. Kurkuma und Kümmel hingegen helfen gegen Durchfall, Verstopfung und Blähungen. Dabei hebt sich das Gewürz Kurkuma hervor, da es antibakteriell, krampf- und entzündungshemmend wirkt.

    • Empfehlenswert unter den ballaststoffreichen Lebensmitteln ist neben dem Leinsamen der Flohsamen. Dieser Samen und seine Schalen haben eine sanft abführende Wirkung und können deshalb bei einer Verstopfung mit Flüssigkeit eingenommen werden. Andererseits wird Flohsamen, weil er viel Flüssigkeit binden kann, auch bei Durchfall eingesetzt. Seine Wirkung ist antioxidativ und trägt zu einer verbesserten Stuhlkonsistenz bei. Leinsamen sollten vorzugsweise geschrotet werden, so wirken sie schneller. Der geschrotete Samen hilft bei Bauchweh und Blähungen.

    • Neben den erwähnten ergänzenden Probiotika wie etwa Joghurt ist wegen der Bildung von Milchsäurebakterien das Fermentieren von Gemüse sehr zu empfehlen. Das ist leicht und schnell zu erledigen: Zum Fermentieren benötigt man außer geraspeltem oder gehobeltem Gemüse nur Salz und ein Einweckglas. Fermentiertes Gemüse sollte roh verzehrt werden, um den erwünschten Erfolg zu erzielen. Gekauftes Gemüse wie zum Beispiel Sauerkraut im Glas eignet sich übrigens nicht zum Fermentieren, weil es bereits erhitzt worden ist, um eine längere Haltbarkeit zu erzielen.

Um Beschwerden möglichst auf Dauer zu lindern oder zu vermeiden, ist meist ein Ernährungsumstellung erforderlich. Das muss keine nennenswerte Einschränkung bedeuten, denn im Internet findet man viele leckere Rezepte und jede Menge Anregungen für den neuen Lebensmittelgenuss.

Nicht auf eigene Faust

Bei aller Experimentierfreude: Bei Verdacht auf ein Reizdarmsyndrom sollte man auf jeden Fall zunächst einen Arzt aufsuchen. Dessen Diagnose wird erleichtert, wenn man zuvor ein Tagebuch über seine Ernährung und die aufgetretenen Symptome führt. Je schneller eine eindeutige Diagnose möglich ist, umso eher kann man auf Linderung hoffen.

Soziale Ausgrenzung vermeiden

Ein Reizdarm für schnell zu sozialer Ausgrenzung führen: Wo ist die Toilette für den Notfall, wenn man mit dem Bus, dem Flugzeug oder in Gruppen reist? Das ist dann oft der erste Gedanke. Starker Durchfall und keine Toilette in Sicht, das ist für jeden Betroffenen ein Alptraum und ein echter Stressfaktor. Die Ausgrenzung findet oftmals schleichend statt, indem Betroffene diese schambesetzten Situationen vorbeugend vermeiden, sich aber dadurch dem gesellschaftlichen Leben entziehen.

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  • Quelle: Tina Beier | Foto: auntmasako / マサコ アーント, Pixabay License
  • Erstellt am 10.08.2022 - 16:25Uhr | Zuletzt geändert am 10.08.2022 - 17:19Uhr
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