Probiotika – sinnvoll oder nicht?

Probiotika – sinnvoll oder nicht? Görlitz, 29. August 2018. Nahrungsergänzungsmittel polarisieren: Manche halten sie für unnütz, andere wiederum schwören darauf und sehen für sich konkreten Nutzen. Auch bei Görlitzer Discountern und in Super- wie auch Drogeriemärkten und Apotheken stehen die Regale voll davon und jede einzelne Packung will uns signalisieren, dass wir noch gesünder, fitter und schöner sein könnten. Sind wir also nur eine Kapsel von vollendeter Gesundheit entfernt? Auch Probiotika sollen helfen, das Wohlbefinden zu steigern und etwas für die Gesundheit zu tun. Der Görlitzer Anzeiger hat sich das angeschaut und gefragt: Was sind Probiotika eigentlich und sollte jeder sie einnehmen?
Abbildung oben: Kapseln erleichtern es, den richtigen Bakterienstamm in ausreichend hoher Dosierung in den Darm zu bringen. Ausgewählte Probiotika sind in Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE) aufgenommen worden. Das abgebildete "Kapsel-Menü" ist freilich nur ein Spaß, auf die Freude am Essen braucht niemand zu verzichten

Was man über Probiotika wissen sollte

Was man über Probiotika wissen sollte

Probiotika sind in vielen Lebensmitteln enthalten, so in Joghurt und Kefir, aber zum Beispiel auch in sauren Gurken (Milchsäuregärung) und Sauerkraut. Allerdings: "Joghurt löffeln bringt nichts", sagt das Portal www.apotheken-umschau.de zum Thema Reizdarm

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Bewusste Ernährung ist auf dem Vormarsch, immer mehr wird darauf geachtet, was man isst und wie sich das auf den Körper auswirkt. Damit einher geht die verbreitete Meinung, wer gesund ist, sich hochwertig und ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel wie Probiotika. Gut beraten ist jedoch in jedem Fall, wer sich seine Meinung nicht nur nach einem Bauchgefühl, sondern auf der Grundlage von Wissen bildet. Zu diesem Zweck beantwortet der Görlitzer Anzeiger drei grundlegende Fragen:

Probiotika – was ist das genau?

Wenn von Probiotika die Rede ist, meint man damit lebende Mikroorganismen. Probiotika sind vor allem aus der Werbung für probiotische Lebensmittel bekannt. Es handelt sich dabei um Lebensmittel, die mit speziellen Hefen und Bakterien angereichert werden. Diesen Hefen und Bakterien wird ein gesundheitsfördernder Effekt zugeschrieben.

Vor allem Milchprodukte wie Joghurtdrinks und Joghurts werden mit lebenden Bakterien versetzt. Früher durften diese auch noch in der Werbung als besonders gesundheitsfördernd bezeichnet werden. Mittlerweile sind die Vorschriften etwas strenger und die Lebensmittelindustrie hält sich mit entsprechenden Aussagen zurück. Neben Lebensmitteln, in denen Probiotika vorkommen, gibt es auch medizinische Produkte, die lebende Hefe- und Bakterienkulturen enthalten. Kapseln oder Tabletten mit Bakterienkulturen sind beispielsweise in der Apotheke erhältlich.

Probiotische Lebensmittel – essen oder lieber nicht?

Der Darm spielt für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen eine wichtige Rolle. Wer gerade unter Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfen oder Durchfall leidet, fühlt sich sehr wahrscheinlich nicht besonders wohl. Eine gestörte Darmflora – der Darm ist mit vielen Bakterien besiedelt, die unsere Verdauung und unser Immunsystem unterstützen – kann dazu führen, dass wir uns häufig müde und wenig leistungsfähig fühlen.

Die Darmflora kann ein ungesunder Lebensstil ins Ungleichgewicht bringen: Zu viel Zucker, zu wenig Frisches und damit zu wenig Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe können sich nicht nur auf der Waage niederschlagen, auch das allgemeine Befinden kann beeinträchtigt werden. Zu wenig Bewegung verschlimmert das Problem noch. Da klingt es doch verführerisch, dass ein mit Probiotika angereicherter Joghurt das alles wieder richten kann – einfach regelmäßig zum Joghurt greifen und schon sind alle Ernährungssünden vergessen! Leider ist es nicht ganz so einfach.

Bislang konnte wissenschaftlich lediglich belegt werden, dass Probiotika bei gesunden Menschen nur unter gewissen Umständen eine geringe gesundheitsfördernde Wirkung haben. Und dies gilt auch nur für bestimmte Bakterienstämme. Es gibt Studien, die auf eine lebensverlängernde Wirkung von Probiotika in Verbindung mit gewissen Kräutern hinweisen. In einer Studie mit Fruchtfliegen fanden Forscher heraus, dass diese deutlich länger leben, wenn ihre Ernährung Probiotika in Kombination mit einem ayurvedischen Nahrungsergänzungsmittel namens Triphala enthält. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Effekt auch auf den Menschen übertragbar ist, allerdings weniger ausgeprägt.

Probiotische Lebensmittel dürfen seit 2007 laut einer EU-Verordnung nicht mehr als gesundheitsfördernd angepriesen werden. Es gibt sie aber noch auf dem Markt. Oftmals weicht die Werbeindustrie dann auf die enthaltenen Vitamine aus und stellt diese in den Vordergrund. Das ist nach wie vor erlaubt.

Einen Nachteil haben viele mit Probiotika angereicherte Lebensmittel: Sie enthalten reichlich Zucker. Dadurch schmecken die Produkte zwar besser, aber sie haben natürlich auch mehr Kalorien. Besser man greift zu ungesüßten Milchprodukten wie ungesüßtem Joghurt oder Kefir. Auch ganz normaler Joghurt hat einen positiven Einfluss auf die Darmflora und kann beispielsweise bei Durchfallerkrankungen helfen. Probiotika aus der Apotheke sind eine gute Alternative.

Wann helfen Probiotika wirklich?

Gesunde Menschen, die mit ihrer Verdauung zufrieden sind, müssen nicht unbedingt zu Probiotika greifen. Tatsächlich gibt es jedoch einige Erkrankungen, die sich durch die Einnahme von Probiotika eventuell positiv beeinflussen lassen. Dazu gehören beispielsweise akute sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Darmentzündungen bei Kleinkindern und Reizdarm. Kommt es infolge der Einnahme von Antibiotika zu Durchfall, wird ebenfalls gern ein Präparat mit Probiotika empfohlen.

Wichtig ist, dass Probiotika so eingenommen werden, dass diese auch im Darm ankommen; die Bakterien sollten nicht schon vor Erreichen von Dünn- und Dickdarm absterben. Probiotische Lebensmittel enthalten nicht immer die richtigen Bakterienstämme und auch nicht immer in ausreichender Menge. Hinzukommt, dass Lebensmittel, die besondere Eigenschaften haben sollen, häufig zu einem hohen Preis angeboten werden. Die Verbraucherzentrale weist außerdem darauf hin, dass die Wirkung probiotischer Lebensmittel bislang nicht erwiesen ist. Wer Probiotika ohne unnötige Zusätze wie Zucker einnehmen möchte, greift zu diesen in konzentrierter Form. In der Apotheke gibt es Probiotika in Kapselform, Beratung durch den Apotheker inklusive.

Damit Probiotika richtig wirken können, sollten diese mehrere Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Mikroorganismen müssen – abgesehen vom medizinischen Verfahren der Stuhl-Transplantation – über den Mund eingenommen werden.
  • Damit die Mikroorganismen ihre Wirkung im Darm entfalten können, sollten diese die Passage durch den Magen in den Darm möglichst lebend überstehen. Entweder sind die Bakterien selbst resistent gegenüber den Säuren von Magen und Galle oder sie werden in eine entsprechende Hülle verpackt (zum Beispiel in Kapselform).
  • Die Mikroorganismen sollten nicht zu neuen Beschwerden oder gar Krankheiten führen, der Organismus darf keinen Schaden nehmen.

Wer unter Reizdarm, ständigen Verdauungsbeschwerden oder Durchfall nach der Einnahme von Antibiotika leidet, kann seine Beschwerden womöglich durch Probiotika-Kapseln lindern, die Studienlage ist allerdings noch nicht ganz eindeutig. Betroffene holen sich am besten Rat bei ihrem Arzt oder Apotheker.

Wichtiger Hinweis:
Insoweit in diesem Beitrag auf medizinische Sachverhalte abgestellt wird, sollen diese in für den Laien verständlicher und allgemeiner Form vermittelt werden; eine individuelle Diagnose, Beratung und Behandlung durch einen Arzt bzw. durch einen Apotheker kann dadurch nicht ersetzt werden. Auf Basis obenstehender Informationen dürfen ohne Konsultation eines Arztes oder Apothekers keine eigenständigen Diagnosen (Selbstdiagnosen) gestellt oder Behandlungen durchgeführt werden.

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  • Quelle: red | Foto mit Besteck: Bru-no / Bruno Glätsch, Foto Getränk: kaboompics / Karolina Grabowska, beidePixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 29.08.2018 - 10:36 Uhr
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