Ungefährlich-unangenehme Tierchen im Berzdorfer See

Ungefährlich-unangenehme Tierchen im Berzdorfer SeeGörlitz, 20. Juni 2018. Das Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz hat gestern darüber informiert, dass im Berzdorfer See Zerkarien vorkommen. Die auch Egelschnecken, im speziellen Fall auch Entenfloh genannten Tierchen (Trichobilharzia ocellata oder Schistosoma mansoni) sind Larven der Saugwürmer und können in die menschliche Haut eindringen.
Zerkarie des Austrobilharzia variglandis cercaria (ca. 1 mm lang), Bildquelle: Division of Parasitic Diseases and Malaria team (Centers for Disease Control and Prevention, eine Einrichtung der United States Department of Health and Human Services), Lizenz Public Domain, via wikimedia commons

Wenn's nach dem Baden juckt

Wenn's nach dem Baden juckt

Thema: Berzdorfer See

Berzdorfer See

Der Berzdorfer See – eine geflutete frühere Braunkohlegrube im Süden der Stadt Görlitz und zweitgrößter See Sachsens – entwickelt sich zu einem Naherholungsgebiet. Weitere Anrainergemeinden sind Markersdorf und Schönau-Berzdorf.

In Nordostsachsen: Badedermatitis am Unterschenkel und Knöchel einer bereits sensibilisierten Person, vier Tage nach dem (Fehl-)Befall. Die blutunterlaufenen, juckenden Quaddeln bzw. Ausschläge von zirka fünf Millimetern Durchmesser wurden von parasitierenden Larven (Zerkarien) bestimmter Saugwurmarten (Trichobilharzia sp.) in einem Weiher hervorgerufen. Eigentlich hatten sie eine Ente als Wirt nutzen wollen. Der Juckreiz war in diesem Fall etwa am fünften Tag verflogen; die roten Flecken wurden von da an sukzessive blasser und waren am zehnten Tag kaum mehr sichtbar (ohne Therapie). Foto: Christian Fischer, Lizenz: gemeinfrei, via wikimedia commons

So kommt es zu den Hautreaktionen

Flache Uferbereiche, in denen sich das Waser bei langanhaltenden Schönwetterperioden über 20 Grad Celsius aufheizt, können sich zu Ballungsgebieten der Zerkarien entwicklen. Wer dort badet, kann sich leicht eine Badedermatitis (Schistosomendermatitis) holen. Die entsteht, wenn die Zerkarien in die Haut eingedrungen und dort abgestorben sind – einleuchtend, dass die Haut allergisch reagiert. Das ist an der Quaddel- oder Bläschenbildung verbunden, die einen heftigen Juckreiz mit sich bringt.

Die Symptome bleiben einige Tage bestehen und sollten nach etwa zehn Tagen abgeklungen sein. Tröstlich: Wer mit Zerkarien verseuchtes Wasser verschluckt, dem passiert nichts, auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Das Gesundheitsamt schätzt ein, dass die Wasserqualität des Badegewässers durch das vermehrte Zerkarienaufkommen nicht beeinträchtigt ist.

Den Menschen befallen Zerkarien irrtümlich

Nun haben Zerkarien zwar ein Nervensystem, ob man ihnen mangels Gehirn jedoch einen Irrtum unterstellen kann? In der Tat haben sie es eigentlich auf Wasservögel abgesehen, doch wenn ihnen der badende Mensch in die Quere kommt, muss halt er herhalten. Aber der Reihe nach: Sie entwickeln sich nur dort, wo es genügend Wasserschnecken als Zwischenwirte gibt. Die Schnecken werden von den Zerkarien verlassen, indem sie deren Haut durchbohren. Dann werfen sie ihren Ruderschwanz ab und kapseln sich als Metazerkarien in beispielsweise eben Wasservögeln als Endwirte ein. Hier entwickeln die sich zu erwachsenen Tieren, die Eier produzieren.

Klingt kompliziert, ist kompliziert: Genau deshalb aber kann das vermehrte Auftreten von Zerkarien weder vorhergesagt oder gemessen werden. Bemerkt werden die Zerkarien in Gewässern erst durch die Badedermatitis.

Aufs Baden verzichten?

Muss man nicht, die Zerkarien sind ungefährlich und man kann vorbeugen.

So beugen Badefreunde dem Zekarienangriff vor:

  • nicht in Flachwasserbereichen, vor allem solchen mit Pflanzenbewuchs, baden
  • nach dem Badenkräftig abduschen und abfrottieren
  • Badebekleidung nach dem Baden ablegen
  • Enten und andere Wasservögel nicht durch Füttern in Ufernähe locken

Und wenn man sich die Zekarien trotzdem aufliest?
Treten nach dem Baden in der Naturn mückenstichähnliche Hautreaktionen auf, kann man entzündungs- und juckreizhemmende Mittel wie zuum Beispiel Lotionen und Salben auftragen. Wer sich unsicher über den Ausschlag ist, sollte ein Arzt aufgesuchen.

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  • Quelle: red | Bildquelle Austrobilharzia variglandis cercaria: Division of Parasitic Diseases and Malaria team (Centers for Disease Control and Prevention, eine Einrichtung der United States Department of Health and Human Services), Lizenz Public Domain, via wiki
  • Zuletzt geändert am 20.06.2018 - 08:49 Uhr
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