Petition gegen Tagebau Nochten II

Petition gegen Tagebau Nochten IILandkreis Görlitz, 29. Oktober 2013. Von Thomas E. Beier. "Ohne Braunkohle gehen in Deutschland die Lichter", behauptet die FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag, für die die Erschließung des Tagebaus Nochten II "eine richtig gute Nachricht für ganz Ostsachsen" ist. Andererseits belegt ein bereits im Jahr 2004 im Auftrag des Umweltbundesamtes erstelltes Kurzgutachten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt die besondere Klimaschädlichkeit der Braunkohle und deren enorme Subventionierung.

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Alternativlose sächsische Braunkohlenpolitik?

Alternativlose sächsische Braunkohlenpolitik?

Das Braunkohlenkraftwerk Boxberg/O.L. gehört laut Greenpeace zu den gesundheitsschädlichsten Kraftwerken Europas.
Archivbilder 2004 und 2007: www.BeierMedia.de

Wer die Braunkohlenverstromung durch die Erschließung eines neuen Tagebaus auf weitere Jahrzehnte zementieren will, muss enorme Folgekosten kalkulieren. Die sogenannten Grundlastkraftwerke werden zunehmend als Reserve laufen, also besonders klimaschädlichen Strom produzieren, der meist nicht gebraucht wird, aber vom Endkunden mitbezahlt werden muss. Schon 2004 waren die Aufwendungen für die Braunkohlensubventionierung enorm. "Addiert man diese Kosten der externen Effekte mit den direkten Subventionen, belaufen sich die Begünstigungen der Braunkohlewirtschaft auf insgesamt mindestens 4,5 Milliarden Euro jährlich", heißt es im Hintergrundpapier zum Gutachten "Braunkohle - ein subventionsfreier Energieträger?“ vom Oktober 2004 auf den Seiten 5 und 6.

Abgesehen von den Folgen für die Landschaft, das Klima und die Menschen - im Fall Nochten II besonders für die Sorben und deren Kultur - erscheint es höchst widersinnig, auf eine Technologie zu setzen, die endliche Ressourcen verbrennt und dabei das wichtigste Lebensmittel - die Luft - vergiftet.

Eine von Vattenfall kritisierte Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2013 schreibt dem Braunkohlenkraftwerk Boxberg/O.L. jährlich 164 Todesfälle zu und setzt es auf einer Liste der gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands auf Platz 6 (Platz 1 hat hat Vattenfall-Kraftwerk in Jänschwalde, wo ebenfalls eine Tagebauerweiterung ansteht: dem Tagebau Jänschwalde-Nord sollen drei Ortschaften geopfert werden).

Mit einer Online Petition soll jetzt das sächsische Innenministerium aufgefordert werden, die Fortschreibung des "Braunkohleplans Tagebau Nochten" - das ist der Neuaufschluss "Nochten II“ - nicht zu genehmigen. Das Bündnis "Strukturwandel jetzt - Kein Nochten II" will die Unterschriften am 6. November 2013 überreichen.

Link zur Online Petition:
http://www.avaaz.org/de/petition/Stoppt_den_neuen_Tagebau_Nochten_II/?fbdm

Auf der Seite der Petition ist ein ausführlicher Erklärungstext enthalten, mit dem begründet werden soll, warum diese Petition so wichtig ist. Bezug genommen wird u.a. auf die "Leitlinien der Staatsregierung zur künftigen Braunkohlenpolitik in Sachsen“ aus dem Jahr 1992, wonach Ortsverlagerungen "jedenfalls gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der betroffenen Bevölkerung" unterbleiben sollten. Auf der Petitionsseite ist jedoch zu lesen: "Beschlüsse der Kommunalvertretungenin Schleife und Rohne richten sich klar gegen eine Abbaggerung der Dörfer."

"Alternativen für die wirtschaftliche und energiepolitische Zukunft der Lausitz wurden nicht untersucht", teilte Prof. Dr. Joachim Schulze von der Hochschule Zittau/Görlitz auf facebook mit und: "Das Planungsverfahren war nicht offen, das von der Staatsregierung gewünschte Ergebnis wurde lediglich umgesetzt."

Kommentar:

Die Energiewende findet nicht allein bei der Erzeugung des elektrischen Stroms statt (die dezentral und damit verbrauchernah mit Blockheizkraftwerken und damit auch weit geringeren Übertragungsverlusten noch lange nicht ausgereizt ist) - sie muss begleitend stattfinden in der intelligenten Stromverwendung, die über die Anschaffung energiesparender Geräte hinaus geht.

Elektronische Steuerungen können längst ermöglichen, was noch nicht umgesetzt wird: Zuschaltung von Verbrauchern im Haushalt, wenn dank Wetter besonders viel Öko-Strom aus Wind und Sonne zur Verfügung steht bis hin zur "Stromverschwendung" des Überangebots als Heizungsunterstützung im Winter.

Das Stichwort sind intelligente Stromnetze vor Ort. Hier sind Stadtwerke und engagierte Bürger gleichermaßen gefragt, Großkonzerne eher nicht,

meint Ihr Thomas E. Beier


Erfahren Sie mehr im Görlitzer Anzeiger:
5. Oktober 2013: Die Sachsen-FDP und die Energiewende
20. Juni 2013: Tagebau frisst Gleise

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Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Lichter in Deutschland auch ohne Braunkohle

Von Kühn am 29.10.2013 - 22:13Uhr
Es ist wie mit der FDP: Ohne Braunkohle geht es weiter... und ohne FDP auch.

Viele, die ihre Heimat verloren haben und noch verlieren, werden dankbar sein, dass Energie aus Braunkohle der Vergangenheit angehört.

Wieviele Orte wurden wegen der Kohle schon platt gemacht? Hört endlich auf mit dem Unsinn!

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  • Quelle: Thomas E. Beier | Fotos: BeierMedia.de
  • Erstellt am 29.10.2013 - 12:45Uhr | Zuletzt geändert am 19.02.2014 - 18:09Uhr
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