Die Fünfziger – die Besten?

Die Fünfziger – die Besten?Görlitz, 19. Mai 2022. Von Thomas Beier. Beim Blättern im Bildarchiv des Görlitzer Anzeigers kommen die Erinnerungen, etwa an das legendäre Rockabilly-Konzert mit The Jancee Pornick Casino, einer Band, die regelmäßig selbsternannte Feministinnen auf den Plan ruft und doch die Mädchenherzen höher schlagen lässt. Wohl nicht ohne Grund nennt sich die amerikanisch-russische Band aus Köln auch "The Rasputins of Rock".

Abb.: The Jancee Pornick Casino beim Atelierfest in Schwarzenberg

Foto: © haltepunkt-erzgebirge.de

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Wofür die Fünfziger stehen: Rockabilly, Plissee und stürmische Gegenden

Wofür die Fünfziger stehen: Rockabilly, Plissee und stürmische Gegenden

Rockabilly-Girls vor der Lomonossow-Universität

Foto: Vic_B, Pixabay License

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" – das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Musik bestimmt das Lebensgefühl

Kürzer, als die Kölner Eckkneipe E.D.P. die Band beschreibt, geht’s wohl nicht. Jedenfalls fand das Konzert im Juli 2016 beim Beier im Atelier Ottenstein im erzgebirgischen Schwarzenberg statt. Wer dabei war, erlebte, was nur Musik bewirken kann: Auf Zeitreise zu gehen. Klar gibt es Stadt- und Eisenbahnfeste, auf denen Leute in historische Klamotten schlüpfen, aber das damalige Lebensgefühl, das erweckt nur die Musik.

Bei Jancee Warnick, dem in den USA geborenen Namensgeber, Gitarrero und Sänger der Band, der sich 1999 mit zwei russischen Wirtschaftsflüchtlingen zusammentat, ist es ein knallhart gespielter schneller Rockabilly-Sound, der das Publikum in den 1950er Jahren abholt und bis in die Gegenwart peitscht – und das ganz ohne gepunktete Kleider oder Röcke und Gingham Bikinis – Gingham werden die Vichy Karos genannt – oder Jeans, T-Shirt, Lederjacke und Haartolle, wie sie die Rockabilly-Mode geprägt haben..

Die Mode ist zurück

In den Fünfzigerjahren waren übrigens auch Plisseeröcke modern – und seit den 1990er Jahren sind sie es wieder. Wer jetzt überlegt, was das eigentlich ist, dem ist mit dem Stichwort Faltenrock geholfen, so wie ihn einst auch ältere Damen und Schulmädchen trugen. Entsprechend wirken die Röcke auch heute noch mädchenhaft, weiblich oder – Hallo Rockabilly! – eben rockig.

Doch der Stoff mit den dauerhaften Falten hat längst weitere Anwendungsgebiete erobert: Am Fenster dient Plissee nicht nur als leicht verstellbarer Sichtschutz, sondern sorgt bei entsprechender Ausführung für ein weiches, strahlendes Licht im Raum. Aber auch für die Verdunkelung des Raumes oder den Wärmeschutz werden Plisseestoffe eingesetzt. Unterschieden wird nach Sichtschutz, Lichtdämpfung und Farbe oder Muster der Oberfläche. Wird am Fenster Plissee nach Maß verwendet, kann auf Gardinen verzichtet werden, wodurch Räume größer wirken.

Aber abgesehen von Musik, Mode und Stoff stehen "die Fünfziger" auch stellvertretend für ganz andere Bedeutungen, wobei der "falsche Fünfziger" erst gar nicht erwähnt werden soll.

Männer in den Fünfziger Jahren

Eine Volksweisheit besagt, dass Männer mit zunehmendem Alter immer interessanter werden, selbst ein zunehmender Bauch und eine sich ausbreitende Glatze schaden dieser Auffassung nicht. Das gibt den Herren der Schöpfung natürlich immer wieder neue Kraft und Lebensmut, wenn da nicht die knallharte Frage wäre: "Wie alt bist du eigentlich?" Tipp: Der gewiefte Mann hält es in dieser Situation mit Astrid Lindgrens "Karlsson vom Dach", der zu sagen pflegte: "Ich bin ein Mann in seinen besten Jahren!" – und das gilt schließlich immer.

Ist die Midlife Crisis des Mannes erst einmal überwunden und er mental in seinen Fünfzigern angekommen, wird oft genug noch einmal durchgestartet: Neues Motorrad, neue Frau, neuer Job, noch einmal so richtig Rock’n’Roll. Das sind wertfreie Beispiele aus dem realen Leben und alles kann, nichts muss.

Segeln in den Fünfzigern

Schon mal was von den "Furious Fifties", den wütenden Fünfzigern, gehört? Mit den Jahren hat das rein gar nichts zu tun, denn so nennen Segler die Region zwischen 50 und 60 Grad südlicher Breite. Wie in den "Roaring Forties", den brüllenden Vierzigern zwischen 40 und 50 Grad südlicher Breite gibt es hier oft Regenstürme und Orkane mit riesigen Wellen.

Besonderheit bei den Furious Fifties ist, dass der hier übliche Westwind die Wellen ohne auf Land zu treffen einmal ganz um die Erde treiben kann. Weiter nördlich übrigens wird es ruhiger und man spricht von den "Whispering Thirties", den flüsternden Dreißigern.

Rock'n'Roll flüstert nicht

Von Flüstern kann bei The Jancee Pornick Casino allerdings keine Rede sein: Der Saal bebt, Jancee Warnick hastet mit seiner E-Klampfe und nacktem Oberkörper durchs tanzende Publikum und platziert die zuckenden Damen zwischen sich und sein Instrument, während von der Bühne herab sibirische Bärenstimmen uralte Instinkte auslösen: Wo andere "Yeah!" schreien, kommt hier schon mal ein tiefes "Uaaah!"

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto Innenraum: © haltepunkt-erzgebirge.de | Foto im Freien: Vic_B, Pixabay License
  • Erstellt am 19.05.2022 - 16:30Uhr | Zuletzt geändert am 19.05.2022 - 18:21Uhr
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