Die Jugend ist besser als manch Älterer denkt

Die Jugend ist besser als manch Älterer denktGörlitz, 25. Februar 2022. Von Thomas Beier. Verbreitet und sicherlich von Lebenserfahrung gespeist ist der Spruch "Jung und Alt unter einem Dach – das gibt Krach". Doch ist der Konflikt zwischen Jugend und sagen wir mal der 60plus-Generation unvermeidbar?

Abb.: Jugend heute: häufiger denn je pragmatisch und selbstbewusst

Symbolfoto: svklimkin, Pixabay License

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Warum Ältere mit Beurteilungen Jugendlicher und Heranwachsender zurückhaltend sein sollten

Zweifelsohne ist es das Privileg der Jugend, die Welt für sich zu entdecken und das Handeln der früheren Generationen zu hinterfragen, so, wie es die 68er taten. Hinzu kommt heute ein nie gekannter Zugang zu Wissen. Da ist es nur logisch, dass junge Leute heutzutage oft sehr pragmatische Anschauungen vertreten, was etwa die Toleranz anderer Kulturen, den Klimaschutz, die Ressourcenschonung, das Rentensystem und die Nachhaltigkeit insgesamt betrifft.

Die Älteren hingegen können oft mit persönlicher Reife punkten und berufen sich gern auf ihre Erfahrungen. Das allerdings ist mit Vorsicht zu genießen, handelt es sich doch regelmäßig um Erfahrungen aus einer anderen Zeit. Es macht halt beispielsweise einen Unterschied, ob man mit den Russen negative oder positive – auch das gab es – Erfahrungen als Kriegsgefangener gemacht hat, ob man als später Geborener in der “DDR” seine Erfahrungen mit den sarkastisch-anerkennend sogenannten “Freunden” gemacht hat oder heute den Angriff Russlands auf die Ukraine erlebt.

Andere Herausforderungen und Prioritäten

Jedenfalls steht die heutige Jugend in ihrer Lebensplanung und Lebensgestaltung teils vor ganz anderen Herausforderungen als die vorhergehenden Generationen. Im Grunde verbietet es sich, von “der Jugend” zu sprechen, weil die Herausforderungen und die Reaktionen darauf so vielfältig sind. Entsprechend haben sich längst unterschiedliche Lebenswelten herausgeprägt und es wäre fatal zu glauben, man könne alle über einen Kamm scheren.

So benennt die Sinus-Jugendstudie 2020 ab Seite 202 klare Unterschiede in der Lebenswelt Jugendlicher, hier in Bezug auf Freizeitaktivitäten (stark verkürzte und bearbeitete Darstellung):


    • Traditionell-bürgerliche Jugendliche:
      Schule, Pflichtbewusstsein, Ehrenamt, gemeinsame Freizeit, auch mit der Familie

    • Prekäre Jugendliche:
      wegen Ausgrenzungserfahrungen eher zurückgezogen beim Computerspiel oder in der Natur

    • Konsum-materialistische Jugendliche:
      stark im Freundeskreis verankert und auf Spaß fixiert, Fitness wegen klassischer Schönheitsideale, Erfolge im Sport als Ersatz für Erfolge in der Schule

    • Adaptiv-pragmatische Jugendliche:
      gehen Hobbys nach, geben aber der Schule Priorität, Zeit mit der Familie sehr wichtig

    • Expeditive Jugendliche:
      feierfreudig, lifestyleorientiert, etwa Mode, Musik und Clubbing, Lernen ist grundsätzlich wichtig und wird mit Selbstvertrauen bewältigt, oft ehrgeizige Sportler

    • Postmaterielle Jugendliche:
      intellektuelle, künstlerische, kulturelle oder kreative Aktivitäten wie lesen oder Musik machen oder Festivals und Ausstellungen besuchen,gesellschaftlich interessiert, schulisch interessiert

    • Experimentalistische Jugendliche:
      Freizeit in auch subkulturellen Jugendszenen, Unkonventionelles wirkt anziehend, kreative Selbstverwirklichung wichtig

Schon diese jurze Übersicht zeigt, dass man Jugendliche und Heranwachsende – gemeint ist damit die Altersgruppe bis etwa 25 Jahre – keinesfalls in einen Topf werfen kann.

In der Pubertät ist’s halt anders

Aus der Sicht der Älteren fällt im Alltag zuweilen noch etwas auf: Einesteils wird eine gewissen Desinteressiertheit gegenüber bestimmten Erwartungen, die an Jugendliche gerichtet werden, festgestellt, von manchen auch als Kaltherzigkeit bezeichnet und mit den Worten beschrieben: “Die denken doch nur an sich selbst!” Andererseits treten an anderer Stelle riesige Emotionen zutage. Bei näherer Betrachtung ist das ein Phänomen Pubertierender, die einerseits keine Erfahrungen in bestimmten Situationen oder Erwartungshaltungen betreffen haben können, andererseits von ihren Emotionen geplagt werden. Da kann es schon geschehen, dass Handlungsfolgen nicht gesehen werden, wenn etwa eine Flasche an eine Wand geworfen wird und sich infolgedessen ein Hund die Pfote zerschneidet, andererseits Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt werden, wenn eine Katze auf einen Baum geklettert ist und dort nun lauthals mauzt.

Junge Leute leben von ihrer Tierliebe

Natürlich ist Tierliebe nichts Schlechtes und spielt bei vielen lebenslang eine Rolle, ob man sich nun ein Haustier anschafft, im Tierheim oder im ZOO hilft oder bei der Winterfütterung im Wald. Benjamin und Julian haben aus ihrer Tierliebe unter der Marke Printm sogar ein Geschäft gemacht, das seine Wurzeln bereits in der Schulzeit – in einem Kunst-Leistungskurs – hat. Heute portraitiert Printm Haustiere und gibt die Bilder auf Leinwand, auf Kuscheldecken, Handtüchern oder Tassen wieder. Grundlage sind Fotos, die von den Kunden hochgeladen werden. Offenbar kommt das gut an, so jedenfalls die Kundenstimmen, die künstlerisch gestaltete Erinnerungen an ihre Fellnasen schätzen. Weshalb? Erst die künstlerische Umsetzung eines Fotos hebt den Charakter eines Tieres hervor und gibt dem Bild einen Wert.

Beispielhaftes Geschäftsmodell für den Strukturwandel und die Digitalisierung in ländlichen Räumen

Insgesamt ist Printm zudem wieder ein Beispiel für ein Geschäftsmodell, bei dem die Kunden digital erreicht werden und online ein individuelles Produkt bestellen. Das sind Geschäftsmodelle, wie sie auch dem Strukturwandel in ländlichen Räumen guttun.

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  • Quelle: red | Foto: klinkin / svklimkin, Pixabay License
  • Erstellt am 25.02.2022 - 12:57Uhr | Zuletzt geändert am 25.02.2022 - 16:27Uhr
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