Kinder wollen lernen

Kinder wollen lernenGörlitz, 26. Januar 2022. Von Tina Beier. Wenn Kinder lernen wollen, warum steigt dann die Zahl der Schulverweigerer und der schulmüden Kinder und Jugendlichen immer weiter? Hier sind die Eltern aufgefordert, genau auf ihre Kinder zu schauen und rechtzeitig einzugreifen. Ein enger Kontakt zwischen Schule und Elternhaus ist unabdingbar, um Kindern und Jugendlichen einen möglichst unbeschwerten Weg durch die Schulzeit zu ermöglichen.

Abb.: So sollte es sein, ein Lernen mit Freude und Neugierde

Symbolfoto: svklimkin, Pixabay License

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Warum Kinder den Schulbesuch verweigern

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Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ursachen für die Schulverweigerung können Mobbing, häufige Schulwechsel oder eine Überlastung der Lehrerschaft sein, die auf den Lehrermangel zurückzuführen ist. Natürlich sind die Gründe für eine Leistungsverweigerung oft auch im privaten Umfeld zu finden. Immer häufiger leiden Kinder und Jugendliche unter depressiven Verstimmungen oder unter Depressionen und Essstörungen.

Aber eine Schulverweigerung muss nicht zugleich eine Leistungsverweigerung sein. In vielen Fällen sind es die Eltern, die nicht das unbedingte Interesse an einem Schulbesuch ihrer Kinder haben. Sie möchten ihre Kinder gerne selbst unterrichten oder Jugendliche müssen zu Hause bleiben, um auf die kleineren Geschwister zu achten.

Vermeintlich fehlende Zukunftsperspektiven sind ein weiterer Grund für den Lernverzicht der Jugendlichen. Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist gerade unter jenen hoch, die nicht so sehr gebildet sind, und die Antwort auf die Frage: "Was möchtest du einmal beruflich machen?" folgt nicht selten die Antwort: "Gar nichts, ich kassiere Hartz IV genau wie meine Eltern, das reicht mir." Diese Antwort ist schockierend. Fördern Eltern ihre Kinder nicht genug? Auch hier antworten Eltern dann manchmal: "Was für mich gut genug ist und in der eigenen Schulzeit war, ist auch für meine Kinder gut genug". Tatsächlich fehlen einem bei diesen Aussagen fast die Worte. Überforderung oder Unterforderung durch die Wahl der Schule kann ein weiterer Grund für eine Leistungsverweigerung sein.

Tipp:
Wer sich genauer über Schulverweigerung informieren möchte kann dies in einem Arbeitspapier auf der Seite des Deutsches Jugendinstituts (DJI) tun.

Leistungsverweigerung – so weit muss es nicht kommen

"Aus Spaß wurde Ernst, Ernst ist nun drei Jahre alt" – das kann ja passieren, aber Elternschaft bedeutet eine immense Verantwortung. Sie bedeutet, dem Kind einen Rahmen zu schaffen, in dem es sich sicher und geborgen fühlt und das ist keine Frage des Geldes. Die Probleme der Eltern sollten weitestgehendst von den Kindern ferngehalten und nicht auf die Kinder übertragen werden. Außerdem sollten Eltern in der Lage sein, Stärken und Risikofaktoren des Kindes zu erkennen, um dementsprechend – gegebenenfalls unter Inanspruchnahme professioneller Hilfe – zu handeln.

Trägt unser Schulsystem eine Mitschuld?

Optimal ist unser Schulsystem sicherlich nicht, zu große Klassen, oftmals noch immer schlecht ausgestattete Schulen und der Lehrermangel tragen zu den Missständen bei, ebenso die Verwaltungsbürokratie mit ihrer langsamen Maschinerie. Aber es muss eine Lanze für die Lehrerschaft gebrochen werden: In der Regel sind die Lehrerinnen und Lehrer äußerst engagiert und machen unter Umständen auch Hausbesuche, um sich einmal im Umfeld der Kinder umzuschauen. Vergessen sollte man nicht, dass Lehrer durch die permanente Überlastung ihre Berufslaufbahn oft mit einem Burnout beenden.

Wie unterstützt der Bund in Coronazeiten Kinder und Familien?

Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat das Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche" ins Leben gerufen und für die Jahre 2021 und 2022 die Freigabe von etlichen Millionen Euro beschlossen. Über eine Änderung des Finanzausgleichsgesetzes für Sozialarbeit und Freiwilligendienste stellt der Bund eine Summe von 220 Millionen Euro zur Verfügung, um Kinder und Familien zu unterstützen.

Das hört sich zunächst einmal sehr viel an. Eine schnelle und vereinfachte Lernförderung soll den Zugang für die Betroffenen leichter machen. Ob es reichen wird, kann man wohl erst im Nachhinein sagen. Eine Vereinfachung der Antragstellungen auf Zuschüsse von Lernförderung ist auf jeden Fall positiv zu bewerten, sofern sich dies auch in der Praxis bewahrheitet.

Auch Bürgerstiftungen werden aktiv

Ein Beispiel ist, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete, die Bürgerstiftung Dresden, die Laptops – ausgemustert von einer dort ansässigen Forschungseinrichtung und aufbereitet – an Vereine übergeben hat, die mit ihrer Nachhilfe Kindern und Jugendlichen beim Nachholen versäumten oder nicht nicht verinnerlichten Lernstoffs und beim Online Lernen unterstützen. Weshalb das zu vermittelnde Wissen beim Kind noch nicht angekommen ist, etwa wegen Schulausfalls oder sozialer Kalamitäten, spielt dabei keine Rolle.

Dieses Beispiel einer regionalen Initiative sollte durchaus Schule machen, auch wenn staatliche Programme wie das Bildungspaket bereitstehen. Zugleich brauchen manche Eltern Hilfe, wenn sie sich über Fördermöglichkeiten informieren oder einen Antrag stellen wollen.

Tipp:
Grundsicherungs-, Sozialhilfe-, Wohngeld- oder Kinderzuschlagempfänger können gegebenenfalls einen Antrag auf Lernförderung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Bildungspaket des Bundes zu stellen. Auch wer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bezieht oder Eltern, die keine Sozialleistungen beziehen, aber die individuellen Bildungs- und Teilhabebedarfe des Kindes nicht decken können, kommen gegebenenfalls für die Lernförderung in Betracht.

Gebotene Hilfen nutzen

Besonders für einkommensschwache Familien mit vielleicht drei schulpflichtigen Kindern und nur einem Computer gestaltet sich der Lernalltag für Hausaufgaben und nachzuholenden Unterrichtsstoff anstrengend und kaum durchführbar. Deshalb sind Eltern gut beraten, sich nach gebotenen Hilfen oder Ansprechpartnern umzuschauen. Vielerorts engagieren sich Vereine, die Erfahrungen nicht nur als Lernhelfer haben, sondern eben auch mit Anträgen bei Behörden.

Kontinuierliche Lernhilfen für Kinder inklusive Bereitstellung eines Laptops oder eines Tablets bieten mittlerweile zudem immer mehr Unternehmen an, die Anbieter für Online Nachhilfe beim Lernen sind. Auch hier können eventuell die Kosten innerhalb bestimmter Grenzen übernommen werden – und das unabhängig von einer Versetzungsgefährdung. Neben der Lernförderung werden etwa auch das gemeinschaftliche Mittagessen, die Schülerbeförderung und die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben finanziell bezuschusst.

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  • Quelle: Tina Beier: Foto: klimkin / svklimkin, Pixabay License
  • Erstellt am 26.01.2022 - 09:14Uhr | Zuletzt geändert am 26.01.2022 - 13:08Uhr
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