Tomaten mögen keine Fernbeziehung

Tomaten mögen keine FernbeziehungMünster | Görlitz, 28. August 2018. Von Tina Giesenkämper. Im Frühjahr hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, Tomaten zu ziehen. Was an sich schon eine verrückte Idee ist, da wir – als eine echte Sehr-Fern-Beziehung – ständig zwischen Ost (Oberlausitz) und West (Münsterland) pendeln müssen. Die entsprechenden Sorten wurden ausgiebig diskutiert und im Landhandel gekauft, dazu eine Aussaatschale nebst Töpfchen. Liebevoll ausgesät, tagtäglich begutachtet – und dann, jaaaa! – sie entwickelten sich. Doch sie bekamen, als Wohnungsbewohner, zu wenig Licht und frische Luft. "Großer Mist!", dachte ich, und wurde zum ersten Mal sauer.
Abbildung oben: In kräftigem Rot leuchtende Tomaten sind wohl der Traum jedes Hobbygärtners

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Spätes Erröten vielgereister Pflanzen und Früchte

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Grün, grün, grün, sind alle meine Kleider... Doch wie weiter mit den grünen Tomaten? Ein Chutney wäre die letzte Lösung, oder?

Thema: What's up?

What's up?

Tina Giesenkämper pendelt zwischen den Welten: West und Ost, öffentlicher Dienst und freie Künstlerin, Großklappe und stille Beobachterin. In Ihrer Kolumne berichtet sie aus ihrem Alltag.

Aber der Urlaub nahte und ich besprach die Pflänzchen: "Haltet durch!" Der Wagen wurde vollgepackt, Katze, Tomaten, portables Büro und und und... Auf der Autobahn ein Stauende – und – bäm! – Vollbremsung. Shit on earth: Die Pflänzchen kippten um, Schweinerei im Kofferraum.

Zu Hause in der Oberlausitz angekommen haben wir sie sofort wieder eingepflanzt und hofften das Beste. Die Tomaten erholten sich und nach zehn Tagen ging es wieder zurück ins Münsterland, die Tomaten natürlich mit. Also wieder "the same procedure as ev'ry time": Katze, Pflanzen, Computer und Wäsche ins Auto gepackt.

Nun nur noch fünf Wochen bis zum Jahresurlaub in der Oberlausitz. Die Tomaten waren unser tägliches Gesprächsthema: "Geht es ihnen gut, wachsen sie?" Wir hatten einen Verlust von zehn Prozent zu verzeichnen. Immerhin 15 Pflanzen hatten überlebt.

Dann kam unser großer Tag, bei mir begannen vier Wochen arbeitsfreie Zeit. Tomaten wieder rein ins Auto, ab in die Oberlausitz und endlich kamen sie ins Freie. Gedüngt, täglich gegossen – aber in diesem Jahr werden sie einfach nicht rot! Da half es auch nicht, ihnen zu sagen, dass der Urlaub bald vorbei ist.

Ich erinnerte mich, dass meine Mutter die noch grünen Tomaten immer eine Schublade zum Nachreifen gelegt hat. Heute – an einem Abend im August – werden sie gepflückt und in eine Schachtel gelegt. Morgen geht es wieder los, 634 Kilometer bis ins Münsterland. Ich werde die reifen Tomaten mit der Post verschicken.

P.S.: Heute, in den letzten Augusttagen, die Erfolgsmeldung: Die im Dunkel gelagerten Tomaten erröten! Wann wird man je versteh'n?

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  • Quelle: red | Foto rote Tomaten: esiul, Foro grüne Tomaten: ulleo / U. Leone, beide Pixabay und Lizenz CC0 Public Domain
  • Erstellt am 27.08.2018 - 20:39Uhr | Zuletzt geändert am 27.08.2018 - 21:25Uhr
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