Flutung auch wirtschaftlich nützlich

Leipzig | Senftenberg / Zły Komorow. Eine neue Studie hat den ökonomischen Wert der Bergbaufolgeseen bestimmt, die durch die Flutung der Tagebau-Restlöcher in der Lausitz entstehen. Die Ergebnisse zeigen, dass der künftige Nutzen aus der neuen Seenlandschaft für die Region erheblich ist und etwa zwischen zehn und 16 Millionen Euro pro Jahr liegt, schreiben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Water Resources Management.

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Sanierungsschiffe gegen saures Wasser

Für die Studie wurden Fragebögen unter Besuchern des Seenlands und Bewohnern in der Region verteilt. Die Befragten wurden gebeten anzugeben, wie viel sie bereit sind für die Entstehung von neun nutzbaren Seen im Kerngebiet des Lausitzer Seenlandes und für Erholungsinfrastruktur wie Strände oder Wanderwege zu bezahlen. Ökonomen benutzen diese Zahlungsbereitschaftsmethode, um Präferenzen zu messen. Der Durchschnittswert der Antworten wurde anschließend mit der Anzahl der Haushalte in einem Radius von 100 Kilometern um die Seen multipliziert. In Großbritannien und den USA wird die Methode häufig angewendet, um staatliche Entscheidungen im Bereich Umwelt zu erleichtern. 93 Prozent der knapp 700 Antworten befürworteten 2005 die Schaffung eines Seengebietes zwischen dem brandenburgischen Senftenberg und dem sächsischen Hoyerswerda / Wojerecy. Knapp die Hälfte wünschte sich eine gute Wasserqualität und nur ein Prozent sagte, dass ihnen die Versauerung in einem der Seen egal wäre.

Mit Niederschlagsmengen um 600 Millimeter pro Jahr zählt die Lausitz zu den trockensten Regionen Deutschlands. Zu DDR-Zeiten war das Gebiet zwischen Senftenberg und Hoyerswerda eines der Zentren der Stromerzeugung aus Braunkohle. In den ehemaligen Tagebauen soll bis 2018 eine Seenlandschaft entstehen. In der aktuellen Wasserzuweisungsstrategie für das Einzugsgebiet der Elbe hat das Auffüllen von ehemaligen Tagebauen mit Flusswasser aufgrund der vielen anderen Wassernutzer allerdings eine niedrige Priorität. Das ist besonders problematisch, weil ein konstantes und schnelles Füllen der Restlöcher mit Flusswasser notwendig ist, um eine Versauerung durch ansteigendes Grundwasser zu vermeiden und so eine gute Wasserqualität für Erholungszwecke zu sichern. In der Vergangenheit haben diese Bewirtschaftungsregeln dazu geführt, dass in Trockenperioden kein Wasser zur Verfügung stand und dadurch das Versauerungsrisiko stieg.

Mit der Stilllegung der Tagebaue in den 90er Jahren endete auch das Abpumpen von Grundwasser, das jahrzehntelang in die lokalen Flüsse, insbesondere die Spree, geleitet wurde. Durch das fehlende Sümpfungswasser und den Klimawandel stehen die Lausitz und viele Anrainer der Spree sowie wie der Spreewald vor einem ernsten Wassermangelproblem. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundforschungsprojektes GLOWA-Elbe hat eine Studie nun den ökonomischen Nutzen von guter Wasserqualität im neuen Seengebiet bestimmt, um die Verteilung des Wassers unter den Wassernutzern im Elbeeinzugsgebiet neu zu überdenken.

Anstatt potenzielle zukünftige Profite und Arbeitsplätze im Lausitzer Seenland zu berechnen, liegt der Fokus dieser Studie auf der Quantifizierung von Nutzen, die nicht über den Markt erfasst werden, wie zum Beispiel der persönliche Nutzen, der durch Baden oder Radfahren am See entsteht. Obwohl diese Nutzen auf individuellen Präferenzen beruhen und nur über Befragungen zu ermitteln sind, machen sie einen großen Teil des ökonomischen Wertes eines Erholungssees aus. „Unserer Studie zufolge gibt es eine starke Unterstützung für das Schaffen eines Seengebietes. Der künftige Nutzen für ein Gebiet mit neun sauberen Seen wird auf zehn bis 16 Millionen Euro pro Jahr beziffert“, erklärt die Umweltökonomin Dr. Nele Lienhoop vom UFZ. Durch die Bewertung des ökonomischen Nutzens als Erholungsgebiet sei es möglich, diese künftige Nutzungsvariante mit klassischen Nutzungen zu vergleichen und so eine bessere Wasserzuweisungsstrategie zu erstellen.

Zurzeit erprobt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) eine neue Technologie zur Verbesserung der Wasserqualität. Ab dem 20. März 2009 erfolgt im Auftrag der LMBV der Beginn der „Inlake-Neutralisation mit mobilen Wasserbehandlungsanlagen im Speicherbecken Burghammer". Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten soll auch der Einsatz von Sanierungsschiffen erfolgen. Dazu werden zwei Behandlungsschiffe auf LKW antransportiert und zu Wasser gelassen. Nach einer erfolgreichen Tests am Haselbacher See in Thüringen und einem Probelauf in der Lausitz beginnt damit eine Gütebehandlungs-Offensive der noch zum Teil saueren Bergbaufolgeseen in der Lausitz.

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  • Quelle: /red | Foto: /LMBV, Peter Radtke
  • Erstellt am 22.03.2009 - 22:57Uhr | Zuletzt geändert am 22.03.2009 - 23:08Uhr
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