Gestiegene Baupreise und Erwerbsnebenkosten machen Immobilien noch teurer

Gestiegene Baupreise und Erwerbsnebenkosten machen Immobilien noch teurerGörlitz, 30. Dezember 2021. Die Immobilienpreise sind in den letzten zehn Jahren deutschlandweit kräftig gestiegen. Die Kaufpreise für bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser im Raum Görlitz sind allein in den vergangenen zwölf Monaten über alle Lagen hinweg im Durchschnitt um 19,7 Prozent gestiegen. Unter anderem bei erfahrungenscout.de finden sich Reviews zu Maklern und Angeboten, die weiter ausgebaut werden sollen.

Foto: annca, Pixabay License

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Immobilienpreise in Görlitz noch relativ günstig

Bei Neubauwohnungen betrug der Anstieg im selben Zeitraum durchschnittlich 8,9 Prozent. Ein Einfamilien- oder Doppelhaus mit normaler Ausstattung kostet zurzeit im Schnitt 1.238 Euro pro Quadratmeter, Neubauwohnungen werden im Schnitt über alle Lagen hinweg für 926 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Der enorme Preisanstieg ist nur zum Teil auf die Nachfrage – in der Region Görlitz besonders durch Rückkehrer, die nach Jahren der Arbeit woanders in Deutschland ihren Ruhestand in der Heimat verbringen möchten – beziehungsweise auf das Angebot an Immobilien zurückzuführen. Preistreiber waren in den letzten Monaten vor allem die drastisch gestiegenen Material- und damit auch Baupreise.

Zu allem Ärger für Immobilienerwerber kommt auch noch der gleichzeitige Anstieg der Erwerbsnebenkosten hinzu, die in der Regel prozentual an die gestiegenen Erwerbspreise angebunden sind. Meist sind für die Baufinanzierung Zinsen ausschlaggebend – und die steigen ebenfalls. Schon jetzt machen die Erwerbsnebenkosten, wie Maklergebühren, Grunderwerbsteuern, Notar-, Grundbuch und Finanzierungskosten um die 15 Prozent des Erwerbspreises aus.

Materialmangel und Inflation als Ursachen

In Deutschland herrscht bis heute infolge der Coronakrise, aufgrund des weltweiten Anziehens der Konjunktur und der gestiegenen Nachfrage sowie einiger außerordentlicher Ereignisse in vielen Bereichen ein ausgeprägter Materialmangel. In der Baubranche betrifft dies vor allem Holz, Dämmstoffe und verschiedene Vorprodukte für Baumaterialien. Die Folge sind um bis zu 30 Prozent höhere Preise bei Holz und bis zu 8 Prozent höhere Preise für Klempner- oder Betonarbeiten.

Der Materialmangel ist zurückzuführen auf eine besonders hohe Nachfrage in den USA und in China, auf die Unterbrechung der Lieferketten in der Coronakrise, auf einen großflächigen Ausfall der Raffinerien im Süden der USA nach dem letzten Wintersturm sowie auf die zwischenzeitlich ausgefallene Produktion im BASF-Werk in Ludwigshafen in Folge eines Brandes sowie in einem der weltweit größten Styrol- und Propylenoxid-Werke weltweit in den Niederlanden. Auch der im Suez-Kanal auf Grund gelaufene Tanker Evergreen, der einen riesigen Transportstau nach sich zog, ist zum Teil mitverantwortlich für extrem leere Lager, die zu den Engpässen geführt haben.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Materialpreise sind die weltweit gestiegenen Energiekosten, die nahezu sämtliche Waren und Güter teurer machen und somit die Inflation anheizen.

Im bundesweiten Vergleich ist die Region Görlitz immer noch erschwinglich

Wer sich in der Region Görlitz ein Eigenheim bauen beziehungsweise zulegen will, kann sich – was den bundesweiten Vergleich angeht – noch glücklich schätzen. Im Speckgürtel von Berlin liegen die Preise nicht selten dreimal höher als in der niederschlesischen Oberlausitzmetropole.

Ein Beispiel: Wer sich in Teltow, im Süden Berlins, eine Wohnung zulegen will, muss im Schnitt 3.673 Euro pro Quadratmeter berappen. Unter 3.000 Euro pro Quadratmeter ist fast im gesamten Berliner Umland kaum noch eine Immobilie zu haben, wobei es nahezu keinen Unterschied macht, ob es sich um eine neue oder eine gebrauchte Immobilie handelt.

Auch die Grunderwerbsteuer, die in Görlitz – wie in ganz Sachsen und auch in Bayern – 3,5 Prozent des Kaufpreises ausmacht, ist hier im Vergleich noch günstig. Brandenburg und Berlin schlagen hier mit 6,5 Prozent beziehungsweise 6 Prozent auf den Kaufpreis zu und erschweren privaten Immobilienerwerbern den Kauf einer Immobilie noch einmal zusätzlich.

Der Vergleich ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass auch Görlitzer immer tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie sich eine Immobilie zulegen wollen. Dabei muss auch mit berücksichtigt werden, dass die Görlitzer bundesweit mit 2.311 Euro brutto gegenüber den Beschäftigten in den meisten anderen Bundesländern deutlich weniger verdienen.

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  • Quelle: red | Foto: anncapictures / annca, Pixabay License
  • Erstellt am 30.12.2021 - 11:48Uhr | Zuletzt geändert am 30.12.2021 - 12:42Uhr
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