ViaThea und Christkindelmarkt Görlitz abgesagt

ViaThea und Christkindelmarkt Görlitz abgesagtGörlitz, 16. November 2021. Heute hat der ViaThea Förderverein das Straßentheaterfestival, das pandemiebedingt als Winter-ViaThea auf dem Görlitzer Kühlhausgelände stattfinden sollte abgesagt – und dann kam auch noch, für viele Beteiligte einer Hiobsbotschaft gleich, die Absage des Schlesischen Christkindelmarktes zu Görlitz durch die Görlitzer Kulturservicegesellschaft, die den Markt organisiert.

Abb.: Mit dem Schlesischen Christkindelmarkt hat die Görlitzer Kulturservicegesellschaft einen der schönsten Weihnachtsmärkte in Sachsen und darüber hinaus etabliert

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

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Schuld hat nicht die Politik

Schuld hat nicht die Politik

Das ViaThea-Straßentheaterfestival bringt die Leichtigkeit des Seins an die Neiße – und jedes mal bleibt ein Stückchen mehr davon zurück, wenn die Darsteller wieder abreisen

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

Die Gründe für die Absagen sind nachvollziehbar: Es ist die Wucht der vierten Corona-Pandemiewelle, die den Verantwortlichen keine andere Wahl lässt.

Nicht so eindeutig nachvollziehbar sind Vorwürfe an Politiker und insbesondere an Ministerpräsident Michael Kretschmer, der zunächst die Meinung vertreten hatte, die Weihnachtsmärkte in Sachsen könnten durchgeführt werden, dann aber die Notbremse ziehen musste. Man stelle sich das Geschrei vor, das es gegeben hätte, wenn Kretschmer dafür eingetreten wäre, die Weihnachtsmärkte von vornherein vorsorglich abzusagen! Die Durchführung der Märkte war von allen gewollt, von den Besuchern, von den Händlern schon aus wirtschaftlichem Interesse, und viele Politiker sind diesen Erwartungen gefolgt, so lange es nur irgend ging.

Unbegreiflich sind die Scheuklappenträger, die nun die Schuld für die Absagen der Politik geben wollen. Nein – dass Kulturveranstaltungen nun wieder abgesagt werden müssen, ist nicht Schuld "der Politik", sondern die Schuld jener, die von den Gefahren der Pandemie nichts wissen wollen und die Impfung verweigern. Das Argument, wonach auch viele Geimpfte auf den Intensivstationen liegen, zieht aus mehreren Gründen nicht: Ohne die Impfkampange gäbe es noch mehr schwere Verläufe, zudem lässt die Impfwirkung nach und viele haben noch keine Drittimpfung erhalten. Eine Rolle mag gespielt haben, dass sich Geimpfte sicher wähnten und deshalb beim Infektionsschutz unvorsichtiger wurden – aber das ist Spekulation.

Fakt hin gegen ist, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger im Sommer und im einsetzenden Herbst die Coronabedrohung noch immer nicht ernstgenommen haben, wie jedermann bei den Discountern beobachten konnte: Die Infektionsschutzmasken wurden zwar, als es wieder so weit war, aufgesetzt, die Nase aber blieb bei vielen frei, die bereitgestellten Desinfektionsmöglichkeiten wurden kaum oder viel zu wenig genutzt. Die Angst vor dem kleinen Risiko einer Impfung darf nun der Angst vor dem großen Risiko einer Infektion weichen.

Am Wochenende hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Herrn in einer Münchener Kneipe. Dort übrigens kontrolliert die Polizei, die in Bayern für eine gewisse Raubeinigkeit bekannt ist, knallhart die Kontrollpflichten der Wirte. Der Mann jedenfalls verwies auf die Impflicht für Kinder gegen die Masernviren, die hochansteckend sind; eine Infektion mit ihnen kann tödlich enden. Das erinnert an die Corona-Pandemie: Etwa einer von tausend an Masern erkrankten stirbt daran, rund 39 bekommen eine Lungenentzündung. Schwere Nebenwirkungen der Masernschutzimpfung gibt es bei zwei von tausend Geimpften, auch hier können Geimpfte erkranken – und dennoch wird kein aufgeklärter Mensch den Nutzen des Masernimpfstoffs, übrigens ein Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Viren, ernsthaft bestreiten.

Kein Winter-ViaThea

Auf seiner Vorstandssitzung hatte der Vorstand des ViaThea-Fördervereins entschieden, das Winter-ViaThea, das am 20. November 2021 stattfinden sollte, abzusagen. Die Entscheidung fiel nach einer längeren Debatte und nach Rücksprache mit Kooperationspartnern. Man könne als Vorstand nicht verantworten, unter der sich zuspitzenden Pandemielage eine Veranstaltung mit 200 Besuchern, 70 Künstlern und vielen ehrenamtlichen Helfern durchzuführen.

"Wir bedauern die Entscheidung und sind sehr traurig, nicht nur weil wir uns sehr auf das Event gefreut haben und es seit Wochen vorbereiten, sondern auch weil uns bewusst ist, dass Künstlerinnen und Künstler sich sehr gefreut haben wieder vor Publikum zu spielen. Die Ausfälle bei Gagen oder die Einnahmen von Vertragspartnerinnen, welche nun nicht erzielt werden können, sind für die Betroffenen ein erneuter harter Schlag. Wir alle hatten gehofft, dass Impfungen und Schutzmaßnahmen eine Veranstaltung, unter Beachtung strenger Hygieneauflagen, möglich gemacht hätten. Wir sind vom Gegenteil überzeugt worden, leider", hieß es in einer Mitteilung vom Tage.

Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne zur Absage des Schlesischen Christkindelmarktes

Fraktionsvorsitzende Dr. Jana Krauß: "In der aktuellen Lage mit sich immer weiter füllenden Intensivstationen sind Massenveranstaltungen fahrlässig. Dem OB und dem Städtischen Kulturservice blieb keine andere Wahl als abzusagen."

Kritik übt sie an der Politik der Staatsregierung: "Der Ministerpräsident hat bis vor wenigen Tagen noch erklärt, dass Weihnachtsmärkte unabhängig vom Infektionsgeschehen durchgeführt werden können. Darauf haben sich Kommunen wie Görlitz verlassen. Viele Händler und Gastronomen sind mitten in den Vorbereitungen, Kosten bereits aufgelaufen. Dies hätte mit einer klaren Kommunikation verhindert werden können. Bereits seit Oktober ist absehbar, wohin sich die Zahlen entwickeln, speziell in Sachsen. Wir dürfen von der sächsischen Staatsregierung erwarten, dass sie vorausschauend agiert, klare Regeln aufstellt und nicht den Bürgermeistern und Kommunalpolitikern vor Ort den schwarzen Peter zuschiebt."


Kommentar:

Im Nebel weiß halt auch der Leithammel nicht, wo's langgeht. Was bleibt einem Ministerpräsidenten übrig, als in schwierigen Situationen Mut zu machen und Zuversicht zu spenden, so lange es verantwortbar ist? Zur Verantwortung gehört auch, notfalls die Reißleine zu ziehen, womit jetzt die von allen gewünschte Klarheit herrscht.

Ein wenig an die eigene Nase fassen müssen sich die Verantwortlichen in den Kommunen. Wenn wirklich seit Oktober absehbar war, wohin sich die Zahlen entwickeln, hätte man auch vor Ort die Weihnachtsmarkteuphorie bremsen können. Aber da geht es der Staatsregierung wie jeder Stadtverwaltung: Wer hätte den Gegenwind aushalten wollen?

Für jene, die sich noch nicht so viele Gedanken um die Demokratie gemacht haben: Weder Verantwortliche noch Parlamentarier und auch nicht die Staatsregierung sind Bestimmer wie in einem Kindergarten, sondern sind bei Strafe ihres Untergangs gezwungen darauf zu schauen, wie das Volk tickt und diese Stimmungen aufzugreifen. Das wurde lange vernachlässigt, aber ganz besonders in Bezug auf die Weihnachtsmärkte war doch allen klar, dass allseits ein großer Wunsch danach besteht – und niemand hat Spaß daran, zuletzt Politiker, Wünsche platzen zu lassen, meint Ihr

Thomas Beier

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  • Erstellt am 16.11.2021 - 15:02Uhr | Zuletzt geändert am 16.11.2021 - 16:13Uhr
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