Stadtführung "Zwangsarbeit in Görlitz"

Stadtführung "Zwangsarbeit in Görlitz"Görlitz, 8. Mai 2018. Heute vor 73 Jahren trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft, eine Tatsache, die bis heute in einschlägigen Kreisen für Irrungen und Wirrungen sorgt. Zu den Ergebnissen der Befreiung des Deutschen Reiches durch die Siegermächte (nur in einem winzigen Teil hatten sich die Deutschen selbst befreit und führende Nazis verhaftet) gehörte auch das Ende der Zwangsarbeit in Deutschland. Diesem Thema als lokalem Ereignis widmet sich nun eine Stadtführung in Görlitz.
Abbildung: Ausstellung am Landratsamt Görlitz, Ecke Berliner Straße / Bahnhofstraße

Das Ende der sogenannten Nachkriegszeit ist kein Ende der Erinnerung

Thema: Ausstellungen in Görlitz

Ausstellungen in Görlitz

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten, auch im Umland der Stadt.

Während dieser Stadtführung steht die Zwangsarbeit in Görlitz während der Nazizeit im Mittelpunkt: Woher kamen die Leute, die in Görlitz Zwangsarbeit leisten mussten? In welchen Betrieben wurden sie eingesetzt? Während des Stadtrundgangs werden Orte besucht, die mit der Zwangsarbeit verbunden sind, wo gearbeitet wurde, wo geschlafen wurde, wo die Zwangsarbeit organisiert und verwaltet wurde.

"Der Rundgang und der dazugehörige Stadtplan zeigen eine andere Seite von Görlitz, sowohl für Einheimische als auch Gäste", teilte der MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN e.V. mit. Durchgeführt wird diese besondere Stadtführung von Alex Winkelmann.

Mitgehen!
Sonntag, 13. Mai 2018, von 16 bis 18 Uhr,
Treffpunkt Altstadtbrücke, westlicher Brückenkopf.

Vorher anmelden!
Anmeldungen für die 30 Teilnehmerplätze sind in der Volkshochschule Görlitz und beim Meetingpoint Music Messiaen möglich, die Führung kostet fünfeinhalb Euro pro Person. Auch wenn der Anmeldeschluss für den 4. Mai 2018 verkündet wurde, dürften noch Plätze verfügbar sein.


Irrungen und Wirrungen über die Nachkriegszeit

Vor allem der Propaganda in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) ist es zu verdanken, dass sich der 8. Mai 1945 als der Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus im kollektiven Gedächtnis festgesetzt hat. Das ist zwar richtig, zur Wahrheit gehört aber auch: Die Unterschriften unter die eigentliche Kapitulationserklärung gelangten in der Nacht vom 6. zum 7. Mai 1945 im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims aufs Papier, diese bedingungslose Kapitulation deutschen Wehrmacht trat am 8. Mai um 23.01 Uhr in Kraft. Allein aus protokollarischen Gründen wurde die Kapitulationserklärung im Hauptquartier der sowjetischen 5. Armee in Berlin-Karlshorst am 8./9. Mai 1945 noch einmal formal wiederholt, rechtlich allerdings bedeutungslos. Die Sowjets machten daraus jedoch eine "abschließende Ratifikation".

Die militärische Kapitulation der deutschen Hauptstreitkräfte (in Deutschland wurde die Niederlage damals gern geschichtsverzerrend als "der Zusammenbruch" bezeichnet) ist bis heute eine der Quellen, aus denen sich die Reichsbürgerbewegung speist: Ihrer Meinung nach existiert das Deutsche Reich fort. Dieser Diskussion hatte sich die "DDR"-Regierung stets mit der Floskel vom "in den Feuern des Zweiten Weltkriegs untergegangenen Deutschen Reichs" entzogen, nichtsdestotrotz anfangs, wie auch die zuvor gegründete Bundesrepublik, einen Alleinvertretungsanspruch geltend gemacht. Fakt ist: Die vier Hauptsiegermächte beschlossen bereits am 5. Juni 1945 die sogenannte Berliner Erklärung, mit der sie sie die oberste Regierungsgewalt auf dem Gebiet des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 – also auch den später polnisch und sowjetisch verwalteten Gebieten – übernahmen. Damit entstand der Viermächte-Status, wonach Frankreich, Groß Britannien, die Sowjetunion und die USA bis zur deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 für Deutschland als Ganzes verantwortlich blieben.

In paradoxer Weise berufen sich die Reichsbürger und Reichsbürgerinnen auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1973 (Ausführliche Quelle: Wikipedia), dessen Legitimität als Organ der Bundesrepublik Deutschland sie zugleich ablehnen: "Das Grundgesetz – nicht nur eine These der Völkerrechtslehre und der Staatsrechtslehre! – geht davon aus, dass das Deutsche Reich den Zusammenbruch 1945 überdauert hat und weder mit der Kapitulation noch durch Ausübung fremder Staatsgewalt in Deutschland durch die alliierten Okkupationsmächte noch später untergegangen ist (...) Das Deutsche Reich existiert fort (...), besitzt nach wie vor Rechtsfähigkeit, ist allerdings als Gesamtstaat mangels Organisation, insbesondere mangels institutionalisierter Organe selbst nicht handlungsfähig. (…) Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert (...). Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht 'Rechtsnachfolger' des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat 'Deutsches Reich', – in bezug auf seine räumliche Ausdehnung allerdings 'teilidentisch', so daß insoweit die Identität keine Ausschließlichkeit beansprucht."

Dass sich die Rechtsprechung zu einem eventuellen Fortbestand des Deutschen Reichs ebenso entwickelte wie die Bewertung durch Historiker und Philosophen, wird von den Reichsbürgern, die sich nur der ihnen genehmen Aussagen bedienen, ausgeblendet. Insgesamt besetzt die als verfassungsfeindlich eingeschätzte und inzwischen teils militante Reichsbürgerbewegung ein Spektrum, dessen Extreme sich zwischen fantasiereichem Humor und extremer Dumm- und Dreistigkeit bewegen.

Der Umgang mit Deutschland nach der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg wurde 1990 abschließend im "Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland", dem sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag, geregelt. Diese notwendige Friedenregelung, in Kraft getreten am 15. März 1991, markiert das Ende der Nachkriegszeit und öffnete die Tür zur "Deutsche Wiedervereinigung" genannten Ausweitung der Bundesrepublik auf das Gebiet der "DDR". Zugleich verlor Deutschland erst mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag seine territoriale Souveränität über die Gebiete östlich von Oder und Neiße.

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  • Quelle: red / TEB | Foto: Agnieszka Jędrzejewska
  • Zuletzt geändert am 08.05.2018 - 07:19 Uhr
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