Kultur statt Image finanzieren

Zittau. Jan Roscher ist Leiter des Projekttheater Zittau e.V. und Initiator der Aktion "Kulturabbau stoppen". In seinem Gastkommentar nimmt er Bezug auf den Artikel "Landrat will mehr Geld für Kultur einklagen", der in der Sächsischen Zeitung vom 26. Juni 2012 erschienen ist.

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Gastkommentar

Thema: Theater Görlitz-Zittau

Theater Görlitz-Zittau

Die Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH (GHT) verfügt über feste Häuser in Görlitz und Zittau und bespielt die Waldbühne Jonsdorf. Als Vierspartenhaus vereint das GHT Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Tanz, Schauspiel und die Konzerte der Neuen Lausitzer Philharmonie. Es ist ein wichtiger Teil Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien. Beliebt sind auch die Aufführungen an besonderen Spielstätten. Das Theater engagiert sich in der Theaterpädagogik für Kinder und Jugendliche sowie im interkulturellen Austausch mit Polen und Tschechien.

Ich begrüße es sehr, dass die Landräte der Landkreise Görlitz und Bautzen sowie der Vorsitzende der Stiftung für das sorbische Volk in Ihrer Verantwortung als Kulturkonvent gegen weitere Kürzungen der sächsischen Staatsregierung im Kulturraumetat Widerspruch anmelden. Dass mit dem Einklagen von 386.000 Euro auch die Möglichkeit in Betracht gezogen wird "mit dem Freistaat ernsthaft über die Kulturraumfinanzierung zu diskutieren" - so die Aussage des Görlitzer Landrates Bernd Lange laut der Sächsischen Zeitung - ist ein Anfang in die richtige Richtung.

Die Erfahrungen der letzten Monate bestärken mich allerdings in der Meinung, dass eine Einzelklage wie diese nur wenig Aussicht auf Erfolg hat. Das Minus im Kulturraum von ca. 3,1 Millionen Euro als Folge der Eingliederung der Landesbühnen ohne Ausgleichzahlung hinterlässt drastische Spuren in allen fünf Kulturräumen des Freistaates Sachsen. Ähnlich wie in den Landkreisen Görlitz und Bautzen leiden auch in anderen Landkreisen die Theater, Museen und Kultureinrichtungen unter den Sparzwängen, müssen Künstlerinnen und Künstler Gehaltskürzungen hinnehmen, werden Personalstellen gestrichen.

Aus meiner Sicht wäre es empfehlenswert, in die geplante Debatte zur Kulturraumfinanzierung alle verantwortlichen Gremien der sächsischen Kulturräume mit ins Boot zu holen, um nachhaltig die Kulturpolitik neu auszurichten. Als Anregung empfehle ich den Mitgliedern des Kulturkonvents Oberlausitz-Niederschlesien und allen Kulturinteressierten, sich unter www. kulturabbau-stoppen. de > Meinungen einzuklicken. Seit kurzem werden für diese Rubrik Künstler und Kulturverantwortliche zur Bedeutung von Kunst und Kultur angefragt. Die ersten veröffentlichten Meinungen der prominenten Kunst- und Kulturexperten sind bereits ein hervorragendes Fundament, um mit der sächsischen Staatsregierung über die Notwendigkeit einer ausreichenden Kunst- und Kulturförderung in Dialog zu treten.

Darüber hinaus ist mutmachend, dass deutschlandweit die kulturpolitische Diskussion längst in Gang gekommen ist. Ich wünsche den Herren Landräten Bernd Lange und Michael Harig (Landkreis Bautzen) sowie dem Vorsitzenden der Stiftung für das sorbische Volk, Marko Suchy, bei Ihrem Vorhaben viel Erfolg.

Fakt ist: Seitens des Freistaates Sachsen ist ausreichend Geld für die Förderung der Kulturräume vorhanden. Das von den drei Konvent-Mitgliedern beschriebene "Rasenmäher-Prinzip" steht aus meiner Sicht für eine falsche Prioritätensetzung unserer Staatsregierung. Das vorhandene Geld muss nach anderen Prioritäten verteilt werden. Zum Beispiel wäre es für das Gemeinwohl wesentlich sinnvoller, einen Teil der 32 Millionen, gedacht von der Staatsregierung für eine Imagekampagne Sachsens, in den Kulturräumen "anzulegen". Es muss Schluss damit sein, die Kulturräume um jeden Euro betteln müssen und gleichzeitig u.a. 32.000 Euro Steuergelder für ein Medientraining für den Regierungssprecher unseres Ministerpräsidenten zur Verfügung gestellt werden (das entspricht zirka dem Durchschnitts-Jahresgehalt von zweieinhalb Tänzern am Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theater).

Kulturabbau stoppen!

Mit freundlichen Grüßen

Jan Roscher


Mehr:

http://www.kulturabbau-stoppen.de

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  • Quelle: red | Jan Roscher
  • Erstellt am 28.06.2012 - 08:26Uhr | Zuletzt geändert am 28.06.2012 - 08:43Uhr
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