Ein Brief aus Görlitz schlägt Wellen in der Schweiz

Görlitz, 26. September 2011. Die Diskussion über den Brief, mit dem die Wirtschaftsförderung Görlitz Investoren aus der Schweiz für den ostsächsischen Standort interessieren möchte, hält an. Auch wer mit dem Alltagsbrot der Wirtschaftsförderer nicht das Geringste zu tun hat, vertritt wie selbstverständlich öffentlich eine Meinung. So auch Kommentator Fritz R. Stänker im Görlitzer Anzeiger.

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Görlitz will Investoren akquirieren - wie, darüber entscheidet der Erfolg

Was soll man dazu sagen? Da rafft sich die Görlitzer Wirtschaftsförderung auf, um auf möglichst direktem Wege Wirtschaftsunternehmen anzuwerben, und schon heulen jene auf, die sich umgangen fühlen.

Dabei weiß doch jeder Unternehmer, dass in der Akquisition der direkte Weg oft der beste ist: Die Zielgruppe möglichst eng umreißen und eine Lösung für ein brennendes Problem anbieten - eine klassische Vorgehensweise aus dem kleinen Einmaleins des Strategie-Werkzeugkastens.

Genau das hat der Görlitzer Wirtschaftsförderer Lutz Thielemann mit seinen Mannen umgesetzt, weshalb nun die Kritik? Weil der Zeitpunkt passt und der starke Franken kombiniert mit dem geringen ostsächsischen Lohnniveau die Betriebswirte aufhorchen lassen?

Ja, denn beide Fakten sind unbestritten. Es geht nicht darum zu bewerten, ob geringe Löhne gut oder schlecht sind, sie sind Realität in Ostsachsen. Und die Löhne werden nicht höher, wenn kein Wettbewerb um Arbeitnehmer einsetzt durch die Ansiedlung von Unternehmen. Dass das bei bestehenden Unternehmen in der Görlitzer Region nicht ungeteilt auf Gegenliebe stößt, versteht sich.

Also bitte einen Schritt nach dem anderen machen: Zuerst die Unternehmen ansiedeln, dann die Löhne entwickeln - andersrum geht es nicht.

Alternativen?

Welche Alternativen gäbe es denn zum Schreiben an die Schweizer Unternehmer? Dazu äußert sich in der Sächsischen Zeitung vom 26. September 2011 im Görlitzer Lokalteil der Schweizer Generalkonsul in Sachsen, Peter S. Kaul. Er verweist auf den Schweizertag in Sachsen, auf dem sich einmal im Jahr ein Kanton präsentiert. Die Schweiz hat 26 Kantone...

Was verspricht mehr den dringend benötigten Erfolg - damit anzufangen, nachzudenken, wie Kontakte in die Schweiz vertieft werden können oder auf die potentiellen Investoren direkt zuzugehen? Politikerreisen oder der Direktkontakt von Wirtschaftsförderern und Unternehmern?

Der in der Zeitung genannte Schweizerisch-Deutsche Wirtschaftsclub e.V. (so heißt er richtig) veröffentlicht unter http://www.sdwc.de seine aktuellen Aktivitäten: Schweizer JazzAbend, Funk & Jazztunes aus dem Alphorn, Vorstandssitzung und Jahresendveranstaltung auf Schloss Wackerbarth. Aha.

Ferner ist im Lokalblatt zu erfahren, dass mit der Wirtschaftsförderung Sachsen gerade Projekte geplant werden. Welche Chancen bringt das für das randsächsische Görlitz? Es scheint besser, selbst zu handeln, während der große Überbau noch plant.

Fazit

Wenn man von jemandem was will, muss man miteinander reden. Allerdings mit den Leuten, die entscheidungsbefugt sind - nicht mit denen, die anhören, bündeln, Kontakte benennen, weitergeben von Gremium zu Gremium und ihren Erfolg am Aufwand messen.

In der Wirtschaft wird Erfolg allein am Ergebnis festgemacht.

Die Görlitzer haben das erkannt und handeln danach,

denkt jedenfalls Ihr Fritz R. Stänker


Mehr:
Einige Jahre später steht auch für Görlitzer Unternehmen die Frage: Sollen wir in der Schweiz investieren?

Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Brief aus Görlitz schlägt Wellen in der Schweiz

Von Jens am 26.09.2011 - 17:37Uhr
Herr Stänker, Die sprechen mir aus dem Herzen!

Da wird endlich mal mit echten Aktivitäten vom Rathaus gehandelt und direkt werden Unternehmer mit Informationen über unseren Wirtschaftsstandort informiert, da schreien die üblichen Verdächtigen Zeter und Mordio!

Anstatt mitzuwerben wird der Standort Görlitz von der IHK und der Kreishandwerkerschaft im Verein mit Herrn Beutler von der Lokalpostille erst einmal richtig mies gemacht. Offensichtlich haben diese Herren Angst, dass die Aktivitäten von OB Paulick und Herrn Thielemann erfolgreich sein könnten. Etwas schlimmeres kann diesen Herren ja wohl nicht passieren, denn dann wird ihre eigene Erfolglosigkeit sichtbar.

Ein Schweizer Unternehmen ist ja inzwischen da, schon daher hat sich der äußerst bescheidene Aufwand dieser Briefe gelohnt. Was hat denn dagegen die Zeltplatzfreundschaft von Herrn Bandmann gebracht? Außer, dass man sich inzwischen auf Kosten der Steuerzahler gegenseitig besucht und feiert? Nichts! Aber unser Lokalredakteur will ja ein mehrfaches von diesem Nichts.

Liebe Leute, macht es mir nach und (...) unterstützt die Leute, die tatsächlich was für Görlitz tun, wie den OB, Herrn Thielemann und die vielen fleißigen Unternehmer, Handwerker und Mitarbeiter in deren Firmen.

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  • Quelle: Fritz Rudolph Stänker
  • Erstellt am 26.09.2011 - 08:52Uhr | Zuletzt geändert am 12.06.2020 - 12:35Uhr
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