Eine Absage als die richtige Ansage

Görlitz-Zgorzelec. Warum die Absage des städtischen Neujahrsempfangs für das Jahr 2010 richtig war, darüber denkt Fritz R. Stänker nach. Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick hatte die diesjährige „Empfangspause“ mit Sparzwängen begründet.

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Allen muss klar sein: Die Situation ist ernst

Das weiß jeder gute Manager: In Krisenzeiten reicht es nicht zu sparen und zu optimieren, sondern es müssen Zeichen gesetzt werden, damit auch der Letzte begreift, dass die Situation ernst ist.

Die Bundesregierung beispielsweise hat das im Umgang mit der Wirtschaftskrise versäumt. Anstelle die Bürger frühzeitig an den Auswirkungen der Krise teilhaben zu lassen (welch phänomenale Gelegenheit, eine Steuer-Nicht-Senkung plausibel zu begründen), erweckt sie bei Otto Normalverbrauer den Eindruck, die Krise sei ein toller Zustand: Abwrackprämie, mehr Kindergeld und andere Wohltaten mehr lassen den deutschen Michel verwundert die Augen reiben.

In Görlitz reicht es vorne und hinten nicht. Dass die ehedem stolz kreisfreie Stadt einem extra kreierten Problemkreis zugeschlagen wurde, hat die finanzielle Situation weiter zugespitzt. Doch überall in der Stadt und bei ihren Honoratioren scheint das nicht anzukommen. So mancher erliegt der Versuchung, ausgeben zu wollen, was nicht vorhanden ist.

In dieser Situation ist es richtig, der Abfolge der Neujahrsempfänge eine Pause zu gönnen. Eine Entscheidung, die auch in Wirtschaftskreisen auf Zustimmung trifft. Hier ist die Zeit eh knapp und man hat gewöhnlich besseres zu tun, als sich beim small talk die Beine in den Bauch zu stehen.

Wer glaubt, ohne Neujahrsbier und -sekt - ganz gleich, wer zahlt - und ohne offiziellen Anlass nicht miteinander reden zu können, hat womöglich ein ganz anderes Problem.

Prosit Neujahr!

Ihr Fritz R. Stänker



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Kommentare Lesermeinungen (2)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Volkskammer?

Von Weber am 11.01.2010 - 14:11Uhr
Werte Damen und Herren,

und wieder schlägt er zu, der unbelehrbare Herr S.:
"Warum müssen wir in der Stadt noch miteinander reden, wenn Beschlüsse im Stadtrat sowieso schon auf Grund der bestehenden Meinungsvielfalt (???) vorher volkskammermäßig feststehen?" fragt er da mit schlichtem Gemüt.

Ob er denn seine Aussage bezüglich der "volkskammermäßig(keit)" genauer ausführen mag?
Ist der Stadtrat seiner Meinung nach NICHT ordentlich gewählt?
Oder fehlt diesem Gremium schlicht der Segen des Herrn S., weil es für seine "Ideale" und seinen Wahlverein "Zur Sache" nicht für eine Mehrheit reichte?

Erneut ein interessanter Einblick in das Innenleben von Herrn S. und seines Vereins.

Weber

Wichtige Neujahrsempfänge

Von Kurt Serafinowicz am 11.01.2010 - 11:24Uhr
... und wenn ich im Lokalteil der Sächsischen Zeitung lese, dass es unbedingt notwendig wäre, auch bei leeren Kassen miteinander zu reden, dann denke ich, dass dabei doch nicht unbedingt getrunken und gegessen werden muss.

Der Ruf nach Sponsoren (CDU - Stadtrat) zeigt doch wieder einmal die Sucht auf Kosten seiner Mitmenschen zu essen, zu trinken und sich in der Zeitung ablichten zu lassen.
Da wundert sich keiner, wenn der Gratis- PIN zum Altstadtfest dankend angenommen wird.

Dieses meist ergebnislose Gequatsche sollte sich doch grundsätzlich jeder Profilierungssüchtige aus der eigenen Tasche finanzieren, statt sich auf Kosten der Steuerzahler in der Zeitung als die großen Macher zu präsentieren.
Zumal das Ergebnis - NULL- schon vorher feststeht.

Übrigens sollte man doch das ganze Jahr über miteinander reden und nicht, wie in Görlitz schon jahrelang praktiziert, streiten, streiten, streiten.

Es sollten doch gerade die Unternehmer sein, die trotz Krise ihre Unternehmen am Laufen halten, die fragen, ob man sich solche Empfänge auf Kosten der Steuerzahler überhaupt noch leisten kann und wie so eine Verschwendung bei der Bevölkerung ankommt.

Wenn ich mir die Montagausgabe anschaue, wie der Landkreis wieder punktet, dann merkt man an der freudigen Begrüßung, die Leute haben sich schon lange nicht gesehen und kommen und zeigen sich und allen Lesern, wie gut es ihnen doch eigentlich geht !
Nach dem Empfang wird es wohl steil nach oben gehen, zumal solch gravierenden Fragen wie: Solidarität, Perspektiven und Strategien, (nicht) beantwortet wurden.

Alle Unternehmer mahnen seit mehr als einem Jahr bei Neujahrsempfängen das Miteinander ein, aber, wie im Kindergarten, umsonst. Dafür wird im nächsten Jahr wieder Geld (natürlich nicht das Eigene) ausgegeben und alle werden sich wieder freundlich die Hände schütteln und den Schuldigen suchen, warum es wieder etwas bergab ging.

Warum müssen wir in der Stadt noch miteinander reden, wenn Beschlüsse im Stadtrat sowieso schon auf Grund der bestehenden Meinungsvielfalt (???) vorher volkskammermäßig feststehen?
Wenn schon kein Politiker und Unternehmer Geld hat, um den eigenen Neujahrsempfang zu finanzieren, dann vergessen wir doch bitte nicht den Rest der Bevölkerung, der seine Empfänge selbst bezahlen muss, aufzurufen, wenigstens für alle ehrgeizigen Projekte reichlich Geld zu spenden!!!

Na dann bis nächstes Jahr !

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  • Erstellt am 09.01.2010 - 22:00Uhr | Zuletzt geändert am 09.01.2010 - 22:08Uhr
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