Der Weg aus der Krise führt nach Osten

Dresden. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat am 26. April 2009 zum Abschluss seiner Russland-Reise eine durchweg positive Bilanz gezogen: „Ich habe sehr gute Wirtschaftsgespräche führen können, Kontakte angebahnt und auch eine Menge über die Russischen Märkte gelernt. Ich freue mich sehr, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Sachsen und Russland bereits heute so stabil sind. In den Kontakten zu russischen Unternehmern liegen große Chancen für den sächsischen Mittelstand.“ In den vergangenen vier Jahren hat sich das Exportvolumen von Sachsen nach Russland mehr als verdreifacht. Darin zeige sich, so der Ministerpräsident, das „Sachsen der wachsende Partner Russlands in Deutschland“ sei.

Partner in der Wolgarepublik Tatarstan

Russland, so Tillich weiter, habe gigantische Rohstoffressourcen, Sachsen wiederum die Technologie, diese Ressourcen bestmöglich zu erschließen und zu nutzen. Es gebe ein großes Interesse der russischen Industrie an Forschungskooperationen und an Technologien für den verarbeitenden Sektor. „Aktuell gelingt es der russischen Wirtschaft noch nicht, von ihren Ressourcen aus über die Verarbeitung und Veredlung von Werkstoffen bis zur Produktion eine geschlossene Wertschöpfungskette aufzubauen“, sagte Tillich nach seiner Reise. Für eine volkswirtschaftlich sinnvolle Verkettung von der Rohstoffgewinnung bis zur Konsumgüterproduktion bräuchten viele russische Branchen neue Technologien und Know-How, das beispielsweise aus Sachsen kommen könne, so der sächsische Regierungschef. Tillich weiter: „Es gibt auf russischer Seite das eindeutig erklärte Ziel zu Kooperationen mit sächsischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Darin sehe ich insbesondere für unseren sächsischen Mittelstand große Wachstumschancen.“
Für viele der politisch und wirtschaftlich in Russland anstehenden Aufgaben wurden in Sachsen schon Lösungen gefunden, so Tillich. Diese Ideen könnten wir exportieren. Weiterhin machte Tillich deutlich, dass gerade in der derzeitigen Krise „gute Möglichkeiten für neue Wirtschaftskontakte“ bestünden. Viele Unternehmer, so Tillich weiter, wüssten, dass in der Krise das gegenseitige Vertrauen von Unternehmern besonders wichtig sei. „Wer sich in der Krise zusammenfindet oder gegenseitig hilft, wird in wirtschaftlich besseren Zeiten noch besser und gewinnbringender zusammenarbeiten können“, sagte Tillich.

90 Minuten in guter Atmosphäre


Nach seinem knapp 90-minütigen Gespräch mit dem Russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin in dessen Amtssitz in Moskau sprach Tillich von einer sehr offenen und partnerschaftlichen Atmosphäre: „Wladimir Putin ist sehr an guten Kontakten zu Sachsen interessiert. Ich habe ihn als sehr konstruktiven und engagierten Politiker kennengelernt, der die Chancen der sächsischrussischen Beziehungen klar erkannt und formuliert hat. Ich freue mich sehr über die konkreten und pragmatischen Ansätze unserer möglichen weiteren Zusammenarbeit.“ Tillich war der erste deutsche Ministerpräsident, der vom russischen Regierungschef nach dessen Amtsantritt am 8. Mai 2008 in Moskau empfangen wurde. Darüber hinaus hat Ministerpräsident Tillich in der russischen Hauptstadt auch den stellvertretenden Minister für Energiewirtschaft, Vyacheslav Sinyugin, und den Moskauer Oberbürgermeister, Juri Luschkow, zu Gesprächen getroffen. Auch hierbei ging es vorrangig um den Ausbau der Wirtschaftkooperationen sowie das Moskauer Engagement auf der Leipziger Messe.

Zwei Tage später traf sich Tillich in Kazan auch noch mit dem Minister für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation, Andrej Fursenko. In dem Gespräch vereinbarten die beiden Politiker einen Auf- und Ausbau der Forschungskooperationen etwa mit dem Fraunhofer-Gesellschaft. Während Sachsen über ein dichtes Netz an Fraunhofer-Forschungsreinrichtungen verfügt, gibt es bis heute kein solches Engagement in Russland. Außerdem warb Tillich intensiv für ein Studium russischer Studenten an sächsischen Hochschulen: „Sachsen ist ein Hochtechnologie- und Exportland. Unsere Handelspartner und Kunden im Ausland brauchen natürlich Fachkräfte, um importierte Technologien auch zu nutzen. Deshalb sind ausländische Studenten in Sachsen sehr willkommen. Sie nehmen in Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst auch immer ein Stück Sachsen mit nach Hause!“ sagte der sächsische Regierungschef.

Kunst und Kultur

Tillich besuchte in Moskau auch das weltberühmte Puschkin-Museum. „Sachsen ist reich an Kunst- und Kulturschätzen. Sie sind gerade im Ausland einer unserer wichtigsten Botschafter. Deshalb freue ich mich besonders über den ständigen Austausch von Gemälden zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Moskauer Puschkin-Museum“, sagte Tillich. Dieser Tausch geht zurück auf eine Vereinbarung zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem renommierten Puschkin-Museum für bildende Künste in Moskau aus dem Jahre 2005. Unter dem Motto „Director’s Choice“ wählen die Direktorin des Puschkin-Museums und der Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister bei Besuchen jeweils ein Werk des jeweils anderen Hauses für eine Präsentation im eigenen Hause aus. Am 21. April überreichten Tillich und Generaldirektor Prof. Dr. Martin Roth „Die Heilige Familie“ von Andrea Mantegna an die Direktorin des Puschkin-Museums, Dr. Irina Antonowa. Im Herbst reist die „Madonna Stroganoff“ von Angelo Bronzino von Moskau nach Dresden.

Partner Tatarstan

Nach den politischen Gesprächen in Moskau reiste die Wirtschaftsdelegation um Ministerpräsident Tillich und Wirtschaftsminister Jurk weiter in die Wolgarepublik Tatarstan, wo die rund 50 Wirtschaftsvertreter aus den Bereichen Maschinen- und Werkzeugbau, Kfz-Zulieferung, Chemieanlagenbau und Luftfahrtindustrie eine Reihe von Gesprächen und Verhandlungen führten. Auf dem Programm standen unter anderem Besuche beim größten russischen LKW-Produzenten KAMAZ, wo eine sächsische Produktionsanlage der Firma StarragHeckert aus Chemnitz im Wert von rund 70 Mio Euro in Betrieb genommen wurde, sowie in der Sonderwirtschaftszone „Alabuga“ (ca. 25 km entfernt von Nabereshnye Chelny), die derzeit zu einem bedeutenden Zentrum für Ansiedlungen der Automobilindustrie bzw. der -zulieferer entwickelt wird.

Darüber hinaus eröffnete Ministerpräsident Stanislaw Tillich gemeinsam mit dem tatarischen Premierminister Rustam Minnikhanov ein Wirtschaftsforum, das sächsische und tatarische Unternehmer zusammenbringen soll. Auf dem Tatarstan-Reiseprogramm des Ministerpräsidenten standen außerdem Besuche im Deutschen Haus in Kazan, auf einer Innovationsmesse für kleine und mittelständische tatarische Unternehmen und in der Staatlichen Universität von Kazan, wo der Ministerpräsident mit Studenten zusammentraf.

Am letzten Tag ihres Wirtschaftsstaatsbesuch trafen Tillich und Wirtschafts- und Arbeitsminister Thomas Jurk den tatarischen Präsidenten Mintimer Schaimijew zu einem Gespräch im Kreml in Kazan. Während des Treffens dankte Schaimijew für die herzliche Einladung nach Sachsen und kündigte seinen Besuch für 2010 in Leipzig an. Die Beziehungen zu Tatarstan würdigte Tillich als schon traditionell: „Es zeigt sich, dass der sächsische Weg einer Konzentration auf wenige dafür aber intensive Partnerschaften richtig ist. Zwischen Sachsen und Tatarstan sind in den vergangenen Jahren enge Kontakte entstanden, und großes Vertrauen ist gewachsen. Ich habe in meinem Kollegen Minnikhanov einen pragmatischen und tatkräftigen Menschen getroffen, mit dem belastbare Verbindungen zwischen unseren Ländern möglich sind.“

Für Sachsens Regierungschef war es die erste große Delegationsreise seit seinem Amtsantritt vor etwa einem Jahr, die ihn vom 20. bis 25. April 2009 nach Moskau und in die Wolgarepublik Tatarstan führte. Der sächsische Ministerpräsident absolvierte während der Reise mehr als 30 Termine mit Staats- und Regierungschefs, Ministern, stellvertretenden Ministern, Oberbürgermeistern und Unternehmern der Russischen Föderation und der Wolgarepublik Tatarstan. Die Reise wurde auch von den russischen Medien interessiert begleitet.

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  • Quelle: /red
  • Zuletzt geändert am 27.04.2009 - 20:51 Uhr
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