Wird die Corona-Pandemie mehr verwaltet als bekämpft?

Wird die Corona-Pandemie mehr verwaltet als bekämpft?Görlitz, 20. März 2020. Von Thomas Beier. Wer will's dem deutschen Michel und natürlich auch der Michaela verübeln, wenn angesichts der Informationen zur Corona-Pandemie, die unters Volk gelangen, die Verwirrung auf immer neue Rekordwerte steigt. Ihren Teil dazu tragen alle bei: Experten, Politik, Medien und sonstige Meinungsinhaber.

Abb.: Das Corona-Virus lässt sich nicht von einem "Wir haben jetzt genug!" aufhalten. Die Zeit läuft.

Foto: Veri Ivanova, Unsplash License

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Gedanken zum Brief der erzgebirgischen Bürgermeister

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Meinungsvielfalt ist ja gut und schön, aber wenn jeder entfleuchte Pups hochgekocht wird, liegt Übles in der Luft. Vor wenigen Tagen wurde der Brief von acht Erzgebirgs-Bürgermeistern, den diese an Ministerpräsidenten Michael Kretschmer gerichtet hatten, ziemlich undifferenziert an die große Glocke gehängt, wie man so sagt. Was steckt dahinter?

Bürgermeister zu sein, das ist ein schöner, aber auch undankbarer Job: Allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann – wer würde es unmittelbar stärker zu spüren bekommen? Bürgermeister sind in einer Rolle, die bei Führungskräften in der Wirtschaft als Sandwich-Position bezeichnet wird: Es gibt Druck von oben, aber auch von unten. Im konkreten Fall müssen etwa Verordnungen umgesetzt werden, das Bürgervolk macht aber das, was es am liebsten tut – murren. Weil das Volk aber jeden Tag vorm und im Rathaus präsent ist, Dresden aber weit weg, neigt man in der Sandwich-Position dazu, sich mit "denen da unten" zu verbrüdern. Das macht jeder Werkstattmeister so, wenn die Geschäftsleitung vermeintlichen Unsinn verkündet, über den sich die Mitarbeiter – Schluck – innen erregen.

So gesehen ist der Bürgermeister-Brief vor allem eines: Ein ernstzunehmender Indikator für die Stimmung an der Basis, Volk genannt. Manches, was angeführt wird, ist richtig. Warum wird an festen Sieben-Tages-Inzidenzen festgehalten, wenn die erhöhte Zahl an Tests – was schlüssig erscheint – auch mehr positive Testergebnisse liefert? Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Relation zur Anzahl der durchgeführten Tests zu setzen, hatte der Görlitzer Anzeiger bereits am 5. März angemahnt.

Anderes hingegen scheint wenig durchdacht: So wird etwa das "komplette – undifferenzierte – Herunterfahren ganzer Branchen" kritisiert. Doch was würde eintreten, wenn das nicht so gehandhabt würde? Als die Friseure wieder loslegen durften, war der Chor "Warum die und nicht wir?" gewaltig. Die Antwort ist eigentlich einfach: Weil in diesem Bereich erstens das Bedürfnis nach der Dienstleistung besondes groß und zweitens eine Massenansammlung im Salon nicht zu befürchten war. Aber so richtig erklärt hat das wohl niemand. Auch der Hinweis, dass in kleineren Ortschaften bereits ein einziger Infizierter zu hohen Inzidenzzahlen führe, scheint etwas weit hergeholt: Mathematisch machen die Inzidenzzahlen eben nur dann Sinn, wenn sie auf eine ausreichend große Grundgesamtheit bezogen sind.

Ministerpräsident Michael Kretschmer macht, entgegen vielfältiger Meinungsäußerungen, einen guten Job. Natürlich steht auch er von vielen Seiten unter Druck. Erst war ein von den Inzidenzzahlen abhängiger Lockerungsplan gewünscht – der naturgemäß nicht ganz einfach sein kann – und dann wird dieser als zu kompliziert kritisiert. Sein Appell, nicht ständig auf Kompliziertes und nicht Nachvollziehbares zu verweisen, trifft den Kern der Demokratie: Wir wählen Leute, weil wir ihnen die Regierungsfähigkeit zutrauen und – wichtig in der Krise – ihnen vertrauen. Auch die verbreitete Forderung, Bürgermeister oder weitere Experten aus medizinischen Bereichen einzubinden, würde das Vorgehen in der Pandemie nicht effektiver machen, sondern kontraproduktiv wirken. Das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei" hat einen tiefen Sinn.

Was bei allen Diskussionen nicht vergessen werden darf: Das mächtigste Instrument gegen die Corona-Pandemie haben die Bürger selbst in der Hand: Ihr Verhalten. Wer offenen Auges durch den Alltag geht, der weiß, dass hier noch große Reserven bestehen, etwa was das Einhalten der einfachen und nun weiß Gott kaum belastenden AHA+L-Regeln betrifft.

Corona-Informationen des Landkreises Görlitz

Gestern, am 19. März 2021, wurden im Landkreis Görlitz binnen eines Tages Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bei 53 Erwachsenen und 14 Kindern nachgewiesen. Unter diesen Fällen wurde 33 Mal die besonders gefährlichen Coronavirus-Mutationen der sogenannten britische Variante bestätigt. Was allerdings kaum gemeldet wird: Mittlerweile gibt es mehr als 4.000 unterschiedliche Mutationen von SARS-CoV-19, von schon wieder ausgestorben über harmlos bis eben richtig gefährlich.

Im Landkreis Görlitz sind bislang 153 Fälle der Brit-Mutation nachgewiesen worden, 82 davon sind aktuell noch aktiv, die Betroffenen stehen unter Quarantäne. Die durch den Landkreis ermittelte 7-Tage-Inzidenz beträgt per 19. März 2021 155,5 je 100.000 Einwohner. Unterschiede zu den RKI-Zahlen ergeben sich aus den unterschiedlichen Zeitpunkten der Auswertung. 68 Menschen werden aktuell stationär in den Kliniken des Landkreises Görlitz behandelt, 13 davon intensivmedizinisch. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 haben sich im Landkreis Görlitz nachweislich 15.677 Menschen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert. Derzeit befinden sich 501 Personen mit positivem PCR-Test in häuslicher Quarantäne. Die Gesamtzahl der mit oder an Corona Verstorbenen im Landkreis Görlitz beträgt 985.

Allgemeinverfügung zur Absonderung im Landkreis Görlitz angepasst

Ab Montag, dem 22. März 2021, gilt im Landkreis Görlitz eine geänderte Allgemeinverfügung zur Absonderung von Kontaktpersonen der Kategorie 1, von Verdachtspersonen und von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen. Gleichzeitig tritt die bisherige Allgemeinverfügung vom 12. Februar 2021 außer Kraft. Der Hintergrund: Die Regelungen wurden an die einheitlichen Vorgaben des Freistaates Sachsen angepasst. Wesentliche Änderungen sind, dass die Quarantäne für positiv getestete Personen nach 14 Tagen endet, und es keine Verkürzungen der Quarantäne für Kontaktpersonen gibt. Zudem müssen mittels Selbsttest – dem sogenannten Corona-Laien-Test – positiv getestete Personen diesen durch einen PCR-Test bestätigen lassen und haben sich bis dahin abzusondern.

Die Allgemeinverfügung regelt die Maßnahmen zur Absonderung, Hygieneregeln während der Absonderung sowie Vorschriften zur Beendigung der Absonderung und ist auf der Internetseite des Landkreises unter http://coronaabsonderung.landkreis.gr/ abrufbar.

Für Bürger kostenlose Schnelltest-Angebote im Landkreis Görlitz

Eine Übersicht der derzeit bekannten, kostenlosen Testmöglichkeiten im Landkreis ist auf der Internetseite unter schnelltest.landkreis.gr zu finden und wird dort stetig erweitert. Sachsenweit bestehende Angebote können hier eingesehen werden.

Zur Quarantänepflicht

Positiv getestete Personen, Kontaktpersonen der Kategorie 1 sowie Verdachtspersonen müssen sich unverzüglich absondern. Die Allgemeinverfügung zur Absonderung sowie wichtige Hinweise für betroffene Bürgerinnen und Bürger sind unter coronaabsonderung.landkreis.gr zu finden.

Bürgertelefon im Gesundheitsamt

Das Bürgertelefon im Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz ist weiterhin von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr und am Wochenende von 8 bis 13 Uhr unter Tel. 03581 - 663-5656 oder per E-Mail an anfragen-corona@kreis-gr.de erreichbar.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Veri Ivanova, Unsplash License
  • Erstellt am 20.03.2021 - 12:16Uhr | Zuletzt geändert am 20.03.2021 - 13:40Uhr
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