Komm, Helene: Was meinen Stadträte und Bürger?

Komm, Helene: Was meinen Stadträte und Bürger?Görlitz, 10. Juni 2020. Eigentlich sollten die Görlitzer heilfroh sein, dass sich mit der KommWohnen Service GmbH ab dem kommenden Jahr ein Betreiber für das trockengelegte Helenenbad gefunden hat (der Görlitzer Anzeiger berichtete gestern). Allerdings steht jetzt die Befürchtung im Raum, das Entwicklungspotential des ehemaligen Freibades könnte nun genauso brachliegen, wie es das Schicksal des Schwimmbeckens war.

Symbolfoto: Daniel Perrig, Pixabay License

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Zur Zukunft des Helenenbades

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Die junge Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne, die sich auch als Impulsgeber versteht, hat am 9. Juni 2020 – also noch gestern – einen Beschlussantrag zur Zukunft des Helenenbades eingereicht. Dessen Ziel ist es, dass die Verwaltung ein Konzept für die künftige Nutzung und Betreibung des Helenenbades vorlegt.

Dabei sollen drei Varianten inhaltlich und finanziell untersucht werden:

  1. Weiterbetrieb des Helenenbades als Erholungsfläche mit Kinderbadelandschaft, was dem Status Quo entspricht
  2. Revitalisierung des Helenenbades als Freibad mit Schwimmbecken und Nichtschwimmerbereich
  3. Alternative Nutzungskonzepte für Teile des Helenenbades
Gute Gründe

Wie die beiden Fraktionsvorsitzenden Mike Altmann und Dr. Jana Krauß mitteilten, begründete die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne das in ihrem Antrag so: "Das Helenenbad ist eine wichtige Einrichtung für die Erholung der Görlitzer Familien. Aufgrund des Rückzugs der beiden bislang tragenden Organisationen AUR e.V. und Helenenbadverein steht das Areal erneut vor einer Zäsur." Sie verweisen darauf, dass das Helenenbad in den vergangenen fast 15 Jahren nur durch privates und größtenteils ehrenamtliches Engagement als grüne Oase für Familien erhalten werden konnte und meinen: "Damit diese wertvolle Leistung nicht umsonst war, sollen die künftigen Nutzungsvarianten für das Helenenbad untersucht werden."

Dabei gehe es auch darum zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, das Helenenbad wieder seiner einstigen Rolle zuzuführen, nämlich als innerstädtisches Freibad, das die Angebote der Schwimmhalle ergänzt und in den warmen Monaten speziell für Kinder, Familien und Senioren eine sichere und nahe Alternative zum Berzdorfer See bietet.

Als Argument wird angeführt, dass die Untersuchungen zur technischen und finanziellen Machbarkeit viele Jahre zurückliegen und nun aktualisiert werden sollten. Anhand der Varianten könne der Stadtrat eine fundierte Entscheidung zur langfristigen Entwicklung und Nutzung des Helenenbades treffen, in die auch die Bürgerschaft einbezogen werden sollte.

Das wäre dann ein ganz anderer Stil als das, was aktuell zu erleben war: Sehr überrascht zeigte sich die Fraktion ob der gestrigen Pressemitteilung aus dem Rathaus, in der es heißt, dass die KommWohnen Service GmbH ab 2021 den Betrieb des Helenenbades übernehmen werde. Dies erfolgt, wie Oberbürgermeister Octavian Ursu zitiert wird, "in Abstimmung mit der Stadtverwaltung Görlitz". Dazu erklärt die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne: "Das Helenenbad ist ein Herzblut-Ort der Görlitzer Bevölkerung. Es ist befremdlich, dass weder der Stadtrat noch die Görlitzer Bürgerinnen und Bürger in diese Entscheidung und Pläne zur zukünftigen Entwicklung des Geländes einbezogen wurden."


Kommentar:

Es ist schon verständlich, wenn die Stadtverwaltung den Deckel auf das Helenenbad halten will und einen Betreiber ausgewählt hat, der kein Risiko für explodierende Kosten durch üppige Pläne und Visionen mit sich bringt. Die andere Seite: Am Helenenbad besteht hohes öffentliches Interesse und eine Stadt, die zu Recht stolz auf ihre Bürgerbeteiligung ist, kann bei einem Objekt, nur weil es jedes Bürgerbudget sprengen würde, weder die Einwohner noch die Stadträte als deren gewählte Vertreter heraushalten. Auch steht die Frage, wie weit die Zuständigkeit einer kommunaleigenen Wohnungsgesellschaft in das Wohnumfeld der Bürger und die von ihnen genutzten Freizeiteinrichtungen hineinreicht.

Die Zeiten, die sind in Veränderung. Vor mehr als einem Jahrzehnt gesetzte Prioritäten ändern sich. Quer durch die ganze Stadt an den Berzdorfer See zu fahren ist für jene, für die das Helenenbad in der Nähe ist, weder zeitlich noch aus Sicht des Verkehrsaufkommens eine tolle Option. Das Helenenbad in seiner Konzeption ergebnisoffen erneut auf den Prüfstand zu stellen, ist da nur opportun, ganz egal, wie es ausgeht.

Es geht ein Gespenst um in Görlitz, es ist das Gespenst der Betriebskosten, anzutreffen nicht nur im Helenenbad und an der Stadthalle. Aber wer glaubt schon an Gespenster?

Thomas Beier

Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Lieber zur Helene als zum Berzi

Von Thomas John am 12.06.2020 - 09:24Uhr
Sehr sehr gerne würde ich Geld zum Helenenbad tragen, um dort zu baden, anstatt zum Berzdorfer See zu radeln. Das HINradeln ist ja noch okay. Dann entspannt man sich und freut sich. Wenn ich aber wieder nach Königshufen zurückgeradelt bin, kann ich gleich wieder duschen gehen und jegliche Entspannung ist dahin. Deshalb bin ich schon sehr lange nicht mehr dort gewesen.

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Foto: Survivor/ Daniel Perrig, Pixabay License
  • Erstellt am 10.06.2020 - 11:48Uhr | Zuletzt geändert am 10.06.2020 - 13:04Uhr
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