Görlitzer machen Kunst kaputt

Görlitzer machen Kunst kaputtGörlitz, 7. September 2021. Von Thomas Beier. Zeiten, in denen Kunst geschützt werden musste, sprachen noch nie für gute Verhältnisse. Ist das für das kleine Görlitz große Experiment einer Kunstausstellung im öffentlichen Raum, Görlitzer ART genannt, gescheitert? Immerhin wurde bewiesen, dass Kunst geschützt werden muss, vor verkniffenen Verwaltungsangestellten wie auch vor abgestumpften Leuten.

Ausdruck größtmöglicher menschlicher Abstumpfung: Zustand der "Löwen" am heutigen Tage

Foto: Bettina Thiemig / Stadtverwaltung Görlitz

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Die "Löwen" schwer beschädigt

Die "Löwen" schwer beschädigt

Die "Löwen" am 25. August 2021: Der erste ist schon kaputtgemacht und entfernt

Foto: © BeierMedia.de

Thema: Ausstellungen in Görlitz und Umgebung

Ausstellungen in Görlitz und Umgebung

Görlitz verfügt nicht nur über fast 4.000 Baudenkmale, sondern ist eine Stadt der Museen und Ausstellungen. Hier befinden sich beispielsweise das Kulturhistorische Museum, das Schlesische Museum zu Görlitz, das Museum der Fotografie und das Senckenberg Museum für Naturkunde, im polnischen Teil der Europastadt das Lausitz-Museum. Darüber hinaus gibt es häufig Sonderausstellungen an anderen Orten, auch im Umland der Stadt sowie in der Dreiländerregion von Sachsen, Tschechien und Polen.

Erst die vom Kulturbürgermeister ausgelöste Provinzposse um die "Kulisse", nun vandalistische Zerstörung an einem weiteren Ausstellungsobjekt, den "Löwen" auf dem Lutherplatz. Welch Schande für eine Stadt, die für Toleranz und Kunstsinn stehen könnte!

Doch Gewalt gegen Kunst hat in der östlichsten Stadt Deutschlands Tradition, wie die vorangegangene Görlitzer ART bereits 2016 zeigte: Sieben von zehn Kunstwerken wurden damals beschädigt.

Als die Görlitzer ART am 16. Juli 2021 auf dem Lutherplatz eröffnet wurde, waren die "Löwen" noch heil. Doch schon zum Monatsende war einer der Löwen aus dem Ensemble herausgetreten. Willy Schulz, der die Löwen geschaffen hat, wollte noch reparieren, doch der Schaden war zu groß.

Am vergangenen Wochenende ereilte den nächsten Löwen dieses Schicksal. Mitarbeiter des Städtischen Betriebshof konnten die Figur immerhin sicherstellen. Bei einer Kontrolle am heutigen Morgen wurde festgestellt, dass zwei weitere Figuren gewaltsam aus der Installation entfernt wurden – auffindbar in der Umgebung waren sie nicht mehr.

Damit sind jetzt vier Löwen aus dem Ensemble zerstört worden. Willy Schulz wurde darüber informiert, die Stadtverwaltung will sich mit ihm über das weitere Vorgehen abstimmen.

Update:
"Wirtschaft nicht ohne Kultur" titelte der Zittauer Anzeiger am 19. Oktober 2021.Über das Verhältnis von Unternehmen, Kultur und Kunst.

Kommentare Lesermeinungen (2)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Die "Löwen" schwer beschädigt

Von Liewei am 14.10.2021 - 22:55Uhr
Ich gehe jeden Tag über den Lutherplatz und bin immer wieder überrascht, was es für Idioten gibt, für die es ein Tick ist oder was auch immer diese Leute dazu bewegt, keinen Respekt vor Kunst, geschaffender Arbeit oder fremdem Eigentum zu besitzen.

Was anderen Menschen Freude bereitet, wird von diesen Menschen mit Füßen getreten. Es ist ja nicht nur das, sondern solche Leute gehen über Leichen, ob nun Zerstörungswut, Einbrüche oder Diebstähle. Es gibt bei diesen Leuten keine Grenzen mehr, von Kindereinrichtungen bis zur Feuerwehr. Das ist nur noch beschämend und abartig und es gibt keine Ausreden für solches Handeln.

Für so etwas müssten endlich einmal die Gesetze verschärft werden und nicht, dass solche Leute noch mit einem blauen Auge bei einer Gerichtsverhandlung, wenn überhaupt, davonkommen.

Kunstwerkzerstörung

Von Thomas John am 08.09.2021 - 14:15Uhr
Während ich den Artikel lese und auch dem Verweis auf die Reportage von 2016 folge, dann fühle ich Ärger und Wut in mir aufsteigen. Sogar Hass gegen jene Zerstörer will sich Bahn brechen. Ich empfinde maßlose Wut gegen den Umstand, dass sie folgenlos mit ihrer Tat davonkommen können.

Die Kunstwerke müssen nicht gefallen, sie sind interpretierbar. Manche finden es inspirierend, andere können damit gar nichts anfangen. Gut. Aber wieso kommt jemand auf die Idee, es zu zerstören? Will mir nicht in den Kopf.

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  • Quelle: red | Foto ganz oben: Bettina Thiemig / Stadtverwaltung Görlitz; Foto Löwen hinter Bauzäunen: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 07.09.2021 - 17:41Uhr | Zuletzt geändert am 19.10.2021 - 15:43Uhr
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