Schatz in Marschendorf gefunden

Schatz in Marschendorf gefundenMarschendorf (Horní Maršov), 23. Mai 2021. Von Stanislav Beran. Anlässlich des Internationalen Museumstages, am Dienstag, dem 18. Mai 2021, stellte das Riesengebirgsmuseum in Trautenau (Trutnov) eine interessante Sammlung von Objekten aus, die kürzlich bei der Erneuerung der hölzernen Deckenkonstruktion eines der Häuser in Freiheit an der Aupa (Svoboda nad Úpou) gefunden wurden. Außerdem waren an diesem Tag alle öffentliche Führungen durch alle Ausstellungen des Museums kostenlos.

Abb.: 76 Jahre lang versteckt war der Zufallsfund von Marschendorf

Foto: Riesengebirgsmuseum in Trautenau

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Zurückgelassen bei der Vertreibung

Zurückgelassen bei der Vertreibung

Zurückgelassen im Versteck – vielen wurde als Flüchtlingen und Vertriebenen unterwegs noch ihr letztes Hab und Gut genommen

Foto: Riesengebirgsmuseum in Trautenau

Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" – das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Während der Rekonstruktion des Wohnhauses einer Familie in der Gemeinde Marschendorf (Maršov – heute ein Teil der Stadt Freiheit an der Aupa) fanden seine Besitzer in der Decke ein Versteck, in dem sich Kisten befanden, die die ehemaligen deutschen Einwohner kurz nach dem Zweiten Weltkrieg dort versteckt hatten. Es handelt sich um vier Kisten, in sich Stoffe, Zwirn, Vorhänge, Tischdecken, Kleidungsstücke und Schuhe fanden.

Dazu muss man wissen: Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre war alles rationiert. Die Kleiderkarte war der gewöhnliche Bezugsschein für den Einkauf von Textilien, die ein kostbares und knappes Gut geworden waren. Die gefundene Sachen, die sich in einem relativ gut erhaltenen Zustand befinden, wurden von den Findern dem Museum in Trautenau geschenkt. Das Riesengebirgsmuseum in Trautenau hat sich bei den ehrlichen Findern für diesen besonderen Schatz, der 76 Jahre verborgen geblieben war, bedankt.

Von Trautenau bis Freiheit an der Aupa sind es elf Kilometer mit der Bahn. Die Museumsbesucher können den gefundenen Schatz jedoch nur bis Sonntag, den 23. Mai 2021, bewundern. Schade, dass die Sachen, die uns an die traurige Zeit erinnern, nur eine Woche ausgestellt werden.

1939 lebten in der Stadt Freiheit an der Aupa im Kreis Trautenau 1.271 Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Jahren 1945 und 1946, wurde ein großer Teil der überrwiegend deutschen Bevölkerung aus der Region Trautenau enteignet und vertrieben. Da sie nur eine begrenzte Anzahl von Sachen mitnehmen konnten, versuchten sie, ihre Schätze zu verstecken. Jeder wollte vor der Vertreibung seine Wertsachen noch in Sicherheit bringen. Porzellan, Glas, Geschirr, Tafelsilber, Goldstücke und Silbergeld wurde von den Vertriebenen meist vergraben. Weitere ihrer Schätze versteckten in ihren Häusern auf den Dachböden oder in Kellern. Was sie bei der Vertreibung an Habseligkeiten mitführen durften, wurde meistens auf Karren oder Kinderwagen verladen.

Anscheinend hofften die Vertriebenen, bald in ihre Häuser zurückzukehren – vergebens: Die deutschen Bewohner aus Freiheit an der Aupa und Umgebung wurden in das Sammellager nach Jungbuch (Mladé Buky) gebracht und anschließend ging es mit dem Vertreibungstransport vom Güterbahnhof in Trübenwasser (Kalná Voda) nach Deutschland. In völlig überfüllten Viehwaggons war es eine Reise ins Ungewisse. Als die Vertriebenen ihre geliebte Heimat verlassen mussten ahnte keiner, dass es für immer sein würde.

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  • Quelle: Stanislav Beran | Fotos: Riesengebirgsmuseum in Trautenau
  • Erstellt am 23.05.2021 - 10:48Uhr | Zuletzt geändert am 23.05.2021 - 11:23Uhr
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