Poetry Slammer ganz oben angekommen

Poetry Slammer ganz oben angekommenOberstdorf, 30. September 2018. Nein, noch nicht im Norden, in List, dem letzten Auftrittsort der Vier-Zipfelorte-Tournee der vier Zipfelslammer nebst Unterstützungspersonal. Die hatten gestern einen furiosen, von Dramatik gezeichneten Poetry Slam im Südzipfel Oberstdorf und genossen hohe Berge – teils mit dem Blick aus dem Tal, teils mit etwas Luis-Trenker-Feeling für jene, die tatsächlich oben angekommen waren. Heute abend schon ist der Westzipfel in Selfkant mit dem nächsten Slam dran.
Abbildung oben: Grande finale des Poetry Slams in Oberstdorf: Den Preis in den Händen hält der Gewinner des Abends Ivica Mijajlovic

Dramatischer Abend dank Technik

Dramatischer Abend dank Technik

Auf der Bühne Andivalent, der Südi unter den Zipfeltour-Slammern. Moderator Axel Krüger (Mitte hinten) aus Görlitz nutzt das, um sich etwas zu erholen

Thema: Lesebühnen

Lesebühnen

Lesebühnen sind in Görlitz fester Kulturbestandteil - teils musikalisch unterlegt, teils mit Autoren von vor Ort, teils mit weitgereisten Schreib- und Lesenden.

In Oberstdorf wurden die aus Görlitz, der ersten Tournee-Station, angereisten Bühnendichter und -schriftsteller zwar nicht mit Kaiserschmarrn, dafür jedoch mit Kaiserwetter empfangen – jedenfalls in den Bergen. "Unten Nebel, auf dem gleichnamigen Horn eitel Sonnenschein. Während die Jugend lieber unten blieb, lernte und schrieb und Kaffee trank, ließen es sich die Altvorderen des Mehrgenerationenbusses oben gutgehen", berichtet der Görlitzer Vertreter im Zipfelrundreisepoetenteam Mike Altmann exklusiv für den Görlitzer Anzeiger.

In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass im abendlichen Veranstaltungsort LOFT, einem Kino, ein exzellentes Restaurant integriert ist. Kaiserwetter allein macht nämlich nicht satt und "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Kultur", möchte man in Abwandlung eines Dichterworts zugunsten der Poeten dieser Welt für wichtig erachten. Im LOFT jedenfalls agieren "abgefahrene Köche", wie Altmann das nennt, die aus einer mit zwei Michelin-Sternen geadelten Gastronomie kamen und nun in Ihrer Genusswirtschaft "Ondersch" neben Fünf-Gänge-Menüs auch "zauberhafte Streetfood-Küche" (O-Ton eines völlig hingerissenen Herrn Altmann) kreieren.

Nachdem nun die Fragen rund um Verpflegung und Proviant geklärt sind, wendet sich das Interesse dem kulturellen Teil dieses Abends in Oberbayern zu, dem Poetry Slam, wie man den Dichterwettstreit auf offener Bühne, der modernen Form des Gladiatorenkampfes, nennt. Rund 30 Zuschauer wurden von den Worten, der Mimik und den Gesten der Poetry Slammer in den Bann gezogen. Ja, es gab Verlierer, aber auch einen Sieger! Als solcher setzte sich der lokale Poet Ivica Mijajlovic denkbar knapp durch, vor den Vizesiegern Mike Altmann und Helene Bockhorst.

Das dramatische Element des Abends lieferten nicht nur die Worte, sondern diesmal die Technik: Vor dem Finale fielen die Mikrofone aus, wer mit hingehauchten Worten beim Publikum punkten wollte, war nicht mehr vernehmbar. Unplugged war plötzlich angesagt, also rein analoge Tonübertragung zwischen Stimmband und Trommelfell.

"Ein guter Abend, jetzt gehts weiter in den Selfkant, wo noch heute Abend der dritte Slam ausgetragen wird", fasste Altmann nach dem Frühstück zusammen und genießt noch einmal den erstklassigen Ausblick aus dem Haus Dietlinde, wo den Zipfelreisenden ein Nachtlager gewährt wurde.

Mehr:
Zipfeltreffen – die längste Poetry-Slam-Tur-Deutschlands

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