Gefährlichkeit von Tollwut für Menschen

Gefährlichkeit von Tollwut für MenschenGörlitz, 13. März 2022. Tollwut gehört zu den sogenannten Zoonosen. Dabei handelt es sich um Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Verursacht werden sie von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen sowie Viren. Tollwut ist eine der gefährlichsten, ansteckenden Krankheiten, sie verläuft fast immer tödlich, sowohl bei Zwei- als auch Vierbeinern. Geschätzte 50.000 Tollwut-Tote gibt es jährlich laut WHO weltweit. Vor allem Entwicklungsländer sind betroffen, allen voran Indien.

Abb.: Die Fledermaustollwut wurde erstmals 1954 in Hamburg nachgewiesen. In wessen Nähe Fledermäuse leben, braucht keine Panik zu haben, aber grundsätzlich sollte man näheren Kontakt vermeiden und offensichtlich erkrankte Tiere nur mit dicken Schutzhandschuhen anfassen. Eine vorbeugende Impfung ist möglich.

Symbolfoto: Julia Schwab, Pixabay License

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Tollwut in Deutschland erfolgreich bekämpft

Die Allermeisten Ansteckungen erfolgen über Hunde. Durch den Speichel – vor allem bei einem Biss – von ihnen gelangen die Tollwut-Viren in den Körper, dort wandern sie über das Rückenmark bis zum Gehirn. Da vor allem Waldtiere wie Füchse und Rehe als Träger galten, gab es eine flächendeckende Impfaktion in Deutschland. Dabei wurde auf Fuchsköder gesetzt, die eine Impfstoffkapsel beinhalten. Die Aktion brachte Erfolg: Im Februar 2006 gab es in den Landesgrenzen der Bundesrepublik den letzten tollwütigen Fuchs.

Tollwutimpfflicht für die Einreise von Tieren nach Deutschland

In vielen Ländern besteht bei der Einreise mit Hund, Katze und Co. eine Tollwutimpfpflicht. Wer einen Vierbeiner beispielsweise aus Frankreich, Griechenland oder Spanien adoptieren möchte, muss für das entsprechende Tier neben der Kennzeichnung mit Mikrochip auch die erfolgte Impfung gegen Tollwut durch Eintragung im Heimtierausweis nachweisen. Sie muss mindestens 21 Tage alt sein. Welpen in einem Alter unter 15 Wochen ist die Ein- und Durchreise generell verboten, da diese erst mit 12 Lebenswochen erstmalig tollwutgeimpft werden dürfen.

In einigen südlichen Ländern spielt der Tierschutz noch immer eine geringe Rolle. Sterilisation ist häufig kein Thema, lebende Hunde- und Katzenwelpen werden einfach in Müllcontainern entsorgt. Das Aussetzen von Tieren ist eine gebräuchliche Lösung, möchte der Besitzer sie loswerden. Dass tierliebende Menschen aus Deutschland helfen möchten, indem sie sich für die Anschaffung eines Haustieres aus dem Ausland entscheiden, ist lobenswert. Nur sollte man nicht unüberlegt handeln und Straßenhund oder -katze einfach mit dem Auto ungeimpft über die Grenze schmuggeln. Werden sie entdeckt, geht der Leidensweg für sie weiter, denn die Tiere werden – für den Transporteur kostenpflichtig – vom Amtstierarzt


    • entweder ins Herkunftsland zurückgeschickt,
    • über einen Zeitraum von mehreren Monaten mit Quarantäne beauflagt oder
    • es erfolgt die Anordnung der Einschläferung.

Wie verläuft Tollwut beim Menschen?

Als Vorstadium (Prodromalstadium) wird die erste Phase des Krankheitsverlaufes bezeichnet.

Zu den Symptomen zählen dabei:


    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Fieber
    • Kopfschmerzen

Im Anschluss kommt das Erregungsstadium (Exzitationsstadium). Dies ist in der Regel mit der sogenannten Hydrophobie verbunden, das heißt, Infizierte reagieren auf Wasser in jeglicher Form mit Erregungszuständen und Krämpfen. Oftmals reicht bereits der Anblick oder das Geräusch von fließendem Wasser als Auslöser für derartige Reaktionen aus. Möglich sind zum Beispiel Toben, Schreien und ähnliche Wutanfälle. In dieser Phase tritt häufig bereits der Tod ein, verursacht durch Ersticken oder schiere Erschöpfung. Im dritten Stadium werden Menschen, die mit Tollwut infiziert sind, teilnahmslos. Im weiteren Verlauf kommt es zu Lähmungen, die schlussendlich auch die Atemfunktion außer Kraft setzen.

Viele Menschen unterschätzen die Ansteckungsgefahr

Es ist noch gar nicht lange her, da musste man auch in Deutschland bei der Begegnung mit ungewöhnlich zutraulichen Wildtieren noch aufpassen und den Kontakt vermeiden. Heute wird allein vor dem Beerenpflücken im Wald gewarnt – nicht wegen der Gefahr einer Tollwutansteckung, sondern der Infektion mit Fuchsbandwürmern. Laut neuesten medizinischen Erkenntnissen ist das Risiko zwar gering, jedoch kann ein Befall, der unbehandelt bleibt, gleichfalls zum Tod führen. Füchse gibt es nicht nur in waldreichen Gegenden, vielmehr erobern sie nach und nach auch Wohngebiete. In Außenbereichen, die möglicherweise von "Reineke" aufgesucht werden, sollten die Besitzer deshalb Vorsicht bei der geliebten und ansonsten sehr gesunden Gartenarbeit walten lassen.

Forscher warnen mittlerweile auch vor der Ansteckungsgefahr mit Tollwut durch den Kontakt mit toten oder lebendigen Fledermäusen. Untersuchungen zeigen, dass die Fledermaustollwut in ganz Europa endemisch ist. Als Krankheitsüberträger wird insbesondere die Vampirfledermaus hervorgehoben. Zahlreiche reisefreudige Menschen unterschätzen die Infektionsgefahr. Ihnen ist meist nicht bewusst, dass das Ansteckungsrisiko besonders in Indien, aber auch in afrikanischen Ländern, in Osteuropa sowie in der Türkei verhältnismäßig hoch ist. Jedem sollte bewusst sein, dass nicht nur ein Biss die Tollwutinfektion auslösen kann, sondern auch allein der Speichel eines infizierten Tieres, der beispielsweise in die Augen oder den Mund gelangt. Gleiches gilt für Kratzer auf der Haut und andere Wunden.

Gemäß Hamburger Tropeninstitut kann die Inkubationszeit zwischen 20 und 70 Tagen betragen. Es kommt jedoch vor, dass die Tollwut bereits nach vier Tagen ausbricht oder auch erst nach einem Jahr. Ärzten bleibt allein, die Symptome zu lindern, denn gegen Tollwut an sich gibt es keine Behandlungsmöglichkeit. Zwingend erforderlich ist die Verwahrung von Patienten auf einer Isolierstation, denn sowohl deren Speichel als auch Urin und sogar die Tränen sind ansteckend.

Impfung gegen Tollwut bietet Sicherheit

Nicht nur bei Tieren, sondern auch bei Menschen ist die Impfung die einzige Möglichkeit, um sich vor einer Tollwuterkrankung zu schützen. Sie bietet auch bei einer unmittelbaren oder nachträglichen Immunisierung die einzige Chance auf die Verhinderung eines Ausbruchs der Krankheit. Hier zählt jedoch Schnelligkeit, denn die Immunisierung muss innerhalb weniger Stunden nach dem Virenkontakt erfolgen.

Die Tollwutimpfung kann auch bei Zweibeinern als vorbeugende Maßnahme eingesetzt werden. Bei der Vorsorgeimpfung erhalten Erwachsene und Kinder drei Injektionen in den Oberarmmuskel an den Tagen 0, 7 und 21 oder 28. Eine Auffrischungsimpfung erfolgt nach einem Jahr, danach in Abständen von zwei bis drei Jahren.

Mehr:
Für diese Reiseländer wird eine Tollwutimpfung empfohlen, allerdings sollte man sich bei beabsichtigten Auslandsreisen stets aktuell erkundigen:


    • Belize
    • Costa Rica
    • El Salvador
    • Guatemala
    • Honduras
    • Kanada
    • Karibik
    • Mexiko
    • Nicaragua
    • Nord- und Südafrika
    • Panama
    • Südamerika
    • Südostasien

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  • Quelle: red | Foto: Sweetaholic / Julia Schwab, Pixabay License
  • Erstellt am 13.03.2022 - 15:35Uhr | Zuletzt geändert am 13.03.2022 - 16:31Uhr
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