Vitamin D: Zu wenig beachtet?

Vitamin D: Zu wenig beachtet?Görlitz, 8. Juli 2021. Von Tina Beier. Sommer, Sonne, Sonnenschein – natürlich gut geschützt durch Sonnencreme tankt der Körper dann die lang vermisste Sonnenenergie und so ganz nebenbei das für den Vitamin D-Haushalt benötigte Licht. Wobei: Ein gesondertes ausgiebiges Sonnenbad braucht man nicht, um seinen Vitamin D-Pegel aufzufrischen.

Abb.: Augen zu! Dann ist es am Berzdorfer See fast wie am Meer

Symbolfoto: stokpic, Pixabay License

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Wofür benötigt der Körper Vitamin D?

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Das Vitamin D ist mit zahlreichen Funktionen im Stoffwechsel verbunden und insgesamt unverzichtbar für unsere Gesundheit. Wer jahrelang unter einem Vitamin D-Mangel leidet, ohne dass dies von einem Arzt festgestellt und mit einer Behandlung entgegengewirkt wird, hat gesundheitlich unter Umständen unter erheblichen Konsequenzen zu leiden, denn dieses Vitamin sorgt nicht nur für feste Knochen und Zähne.


    • Dank Vitamin D werden Calcium und Phosphat aus dem Dünndarm besser aufgenommen und als Calciumphosphat in Knochen und Zähne eingelagert werden; das macht die Knochen und Zähne fester.

    • Vitamin D unterstützt das Immunsystem und beeinflusst antimikrobielle und antientzündliche Prozesse positiv.

    • Nicht zuletzt ist Vitamin D für die normalen Muskelfunktion wichtig, weil es auf die Bildung und den Stoffwechsel von Muskelzellen wirkt.

Der Hersteller Viabiona etwa bezeichnet das Vitamin D als "Einbauhelfer" für Calcium als "Haupternährer" der Knochensubstanz in die Knochenzellen.

Wie nimmt der Körper Vitamin D auf?

Vitamin D wird zum allergrößten Teil durch die Einwirkung von Sonnenlicht vom Körper selbst hergestellt. Damit das Cholesterol in der Haut in Vitamin D3 umgewandelt, muss man nicht ausgiebig sonnenbaden. Es gelangt damit über das Blut in die Leber und wird so aktiv.

Die Intensität des Sonnenlichts, das Alter und die Gesundheit der Leber und Niere spielen hier eine entscheidende Rolle. Rund 10 bis 20 Prozent des Vitamin D-Haushaltes kommen aus der Ernährung, vor allem aus fettem Fisch, Eigelb, Leber und manchen Pilzen.

Kann Vitamin D Depressionen verhindern?

Das wird diskutiert, jedoch gibt es dazu einen Bericht, der im September 2020 im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist. Demnach hatten zwar mehrere Studien bei Vitamin D-Mangel auf ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken, hingewiesen, doch erwies sich die Behandlung mit dem Vitamin als unwirksam.

Zu beachten ist, dass Depression als Erkrankung nicht mit saisonalen Stimmungsschwankungen in der lichtarmen Tageszeit, etwa dem sogenannten Novemberblues, gleichzusetzen ist. Logisch: Wer etwa von morgens bis zum späten Nachmittag in Innenräumen arbeitet, hat kaum Gelegenheit, Sonnenlicht zu tanken: Man fährt in der Dunkelheit zur Arbeit und kommt nach Hause, wenn es schon wieder dunkel ist.

Tipp:
Neben bestimmten Speisen können möglicherweise spezielle Tageslichtlampen am Arbeitsplatz helfen, um diesen saisonalen depressiven Symptomen vorzubeugen oder diese zu mildern.

Wie gehen die Menschen in den skandinavischen Ländern mit dem Lichtmangel um?

In den skandinavischen Ländern und sogar in der Schweiz werden schon seit langer Zeit von den Krankenkassen Lichttherapien bei saisonaler Depression bezahlt – und das macht Sinn gerade für die Menschen in den nördlichen Breitengraden, denn das Tageslicht ist dort im Gegensatz zu unserem noch sehr viel knapperer bemessen.

Unter welchen Umständen genehmigen deutsche Krankenkassen eine Lichttherapie?

Hier wird das eigentliche Problem des zu geringen Vitamin D-Spiegels in seiner Dimension anscheinend noch zu wenig erkannt. Die deutschen Krankenkassen genehmigen vorwiegend die Behandlung durch eine Lichttherapie nur nach der Diagnose von Hautproblemen. Die Behandlung mit einer Lichttherapie bei einer saisonalen Depression ist nach Auskunft einer gesetzlichen Krankenkasse eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), also eine Leistung, deren Kosten der Patient selbst tragen muss.

Wie stellt man fest, ob ein Vitamin D-Mangel vorliegt?

Hier liegt die Krux: Bei dem jährlichen ärztlichen Check-up, der nicht nur bei Krankheitssymptomen erfolgen sollte, wird man darauf hingewiesen, dass es sich beim Überprüfen des Vitamin D-Spiegels für gesetzlich Versicherte normalerweise um eine IGeL-Leistung handelt, die roundabout um die 35 Euro extra kostet. Ausnahme: Der Arzt hält diese Untersuchung für ausgesprochen nötig, wie die Barmer Ersatzkasse der Redaktion auf telefonische Rückfrage hin mitteilte.

Doch woher nimmt der Arzt sein Wissen, um einen Patienten hinsichtlich des Risikos, einen zu geringen Vitamin D-Spiegel zu haben, beurteilen zu können und gegebenenfalls eine nähere Untersuchung einzuleiten? Das ist oftmals wegen der vielen Einflussfaktoren nicht möglich; zudem verfolgt die Schulmedizin selten den ganzheitlichen medizinischen Ansatz, für den der Arzt in diesem Fall die Lebensumstände seines Patienten ausreichend kennen müsste.

So ist es für viele unverständlich, warum die Überprüfung des Vitamin D-Haushaltes nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Kassen zählt. Nicht jedem Verbraucher erschließt sich das Ausmaß und die Komplexität eines dauerhaften Vitamin D-Mangels, denn dazu müsste er sich erst einmal explizit mit diesem Thema befassen.

Für die Krankenkassen scheinen die Folgekosten der fehlenden routinemäßigen Vitamin D-Bestimmung vorprogrammiert: Depressive Verstimmungen können auf Dauer zu einem Burnout führen, Zahnschäden nehmen zu, was die Zahnarztkosten hochschießen lässt, von den Kosten für Orthopäden oder Osteopathen ganz zu schweigen, wenn vielleicht mangelnde Knochendichte festgestellt werden muss. Die sogenannte Osteoporose tritt häufig bei Menschen im Alter ab 50 bis 60 Jahren auf, überwiegend bei Frauen. Ein ausreichender Vitamin D-Spiegel könnte dem entgegenwirken – wenn man nur wüsste, dass er zu gering ist.

Wie kann man einem Mangel entgegenwirken?

Zunächst gilt: In Deutschland haben die meisten Leute keinen Mangel an Vitamin D, dennoch könnte, wie unterschiedlichen Quellen zu entnehmen ist, bei mehr als jedem Zweiten die präventive Wirkung dieses Vitamins besser genutzt werden, würde der Spiegel etwas erhöht. Nur: Ob man selbst zu dieser Gruppe gehört, müsste eben erst einmal medizinisch nachgewiesen werden.

Vitamin D-Präparate sind von unterschiedlichen Herstellern verfügbar und frei verkäuflich, allerdings ist vor der Einnahme ärztliche Beratung anzuraten und für alle, die regelmäßig Medikamente einnehmen, behandlungsbedürftig oder chronisch erkrankt sind, unverzichtbar. Wichtig: Auch bei Vitaminen gilt nicht, dass viel auch viel hilft – die vorgeschriebene Verzehrmenge darf nicht überschritten werden!

Zu überlegen ist außerdem, ob man durch die Änderung der Lebensführung und seiner Ernährung bereits eine Besserung erzielen kann, ohne Präparate einzunehmen.

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  • Quelle: Tina Beier | Foto: stokpiv, Pixabay License
  • Erstellt am 08.07.2021 - 18:40Uhr | Zuletzt geändert am 08.07.2021 - 19:19Uhr
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