Was wird aus unserer Mobilität?

Was wird aus unserer Mobilität?Görlitz, 9. Mai 2022. Von Thomas Beier. Wie hoch der Wohlstand in Deutschland – selbst im Landkreis Görlitz – ist, fällt manchem erst auf, wenn ein klein wenig Verzicht angesagt ist. Aktuell im Fokus steht die Frage, wie man als Haushalt mit weniger Energieeinkauf auskommen und benötigte Energie – meist aus Solarstrom – selbst erzeugen kann.

Abb.: Die Preistreppe mitgehen oder herunterfahren? Wenn es nur so einfach wäre

Foto: raten-Kauf, Pixabay License

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Ohne Pkw geht für viele nichts mehr

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Neben dem elektrischen Strom für die Wohnung oder das Haus und gegebenfalls Gas werden viele Haushalte von den steigenden Spritkosten für die Mobilität getroffen – besonders stark jene, die auf ihren Pkw alternativlos angewiesen sind. Dabei ist es aus Sicht des Verbrauchers fast schon egal, ob es um die Pendelstrecke zum Arbeitsort geht oder beispielsweise die regelmäßige Fahrt zu den gebrechlichen Eltern – das Sparpotential für Kraftfahrer ist längst zusammengeschrumpft.

Tatsächlich hat es, wenn wir beim Blick auf Ostdeutschland bleiben, seit 1990 Entwicklungen gegeben, bei denen die Notwendigkeit zu Pkw-Nutzung hingenommen oder sogar erzwungen wurde.

Dazu nur einige Beispiele:


    • Nahversorger im Einzelhandel, etwa der typische Dorfkonsum, wie die Läden im ländlichen Raum hießen, wurden durch oft deutlich entferntere Discounter und Supermärkte ersetzt.

    • Im Ortsbild verankerte und als Arbeitsweg oft fußläufig erreichbare Gewerbe- und Industriebetriebe wanderten, wenn sich nicht ganz geschlossen wurden, in oftmals nur noch motorisiert erreichbare Gewerbe- und Industriegebiete ab.

    • In Görlitz wurde das innerstädtisch gelegene Helenenbad als Bademöglichkeit geschlossen, und durch den an der Peripherie gelegenen Berzdorfer See ersetzt.

    • Während Fliegen einst eine Luxusvariante des Reisens war, wird es heute als Selbstverständlichkeit zu günstigen Preisen angeboten; Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte werden dabei völlig ausgeblendet.

Engpass Energie

Was den Normalverbraucher beunruhigt ist die Tatsache, dass niemand seine Zweifel an der Energieverfügbarkeit für Mobilität, Heizung und Geräte vom Computer bis zur Waschmaschine ausräumen kann. Dass es dabei um preislich erschwingliche Energie geht, sollte selbstverständlich sein.

Geht es um Anschaffungen, dürften für viele die Folgekosten für Energie, wie sie nun einmal ein Auto, ein Kühlschrank, eine Heizung oder ein TV-Gerät benötigt, inzwischen im Mittelpunkt der Auswahlkriterien stehen.

E-Auto oder Verbrenner?

An dieser Frage erhitzen sich die Gemüter. Geht es um die Akkus, so ist deren Produktion längst nicht mehr mit einem so hohen Ausstoß an Kohlendioxid verbunden, wie es die sogenannte Schweden-Studie aus dem Jahr 2017 anführte. Inzwischen haben die Forscher ihre eigene Studie revidiert. Auf SWR3 findet sich ein Faktencheck zum Thema, ob E-Autos doch Klimakiller sind.

Dennoch gibt es unter den Kraftfahrern viel Pro und Contra zur E-Mobilität. Die vielleicht wichtigsten Punkte:


    • Angesichts der raschen Technologie-Weiterentwicklung ist heftiger Wertverlust für E-Autos zu erwarten.

    • Für die Produktion von E-Autos müssen viele hochwertige und seltene Materialien verwendet werden, Verbrennerantriebe dagegen bestehen im Wesentlichen aus Stahl und Grauguss, beides ist auf einfache Weise recyclebar.

    • Die rein elektrisch erzielbare Reichweite erweist sich als Engpass für jene, die oft auf der Langstrecke unterwegs sind. Der ADAC verweist auf höhere Stromverbräuche als angegeben und zusätzliche enorme Reichweitenverluste an sehr warmen und sehr kalten Tagen.

    • Der Aufschwung der Elektromobilität ist vor allem ein politisches Projekt, das technische Alternativen wie etwa synthetische Kraftstoffe außer Acht lässt.

Als Vorteil der E-Autos erscheint deren einfacherer Aufbau. Dennoch können Reparaturen hier besonders teuer werden – und die preiswerte Schrauberwerkstatt oder sogenannte Freie Werkstatt, in der man bislang vor allem ältere Fahrzeuge inspizieren und reparieren ließ, kann so gut wie nichts mehr machen.

Technologie und Wirtschaftlichkeit

Wer heute ein Auto kaufen möchte, muss nicht nur den Markt gründlich sondieren, sondern steht vor der Technologiefrage: Verbrenner oder elektrisch? Natürlich hat die Inflation auch vor dem Automarkt nicht haltgemacht: Über Rabatte oder andere Konditionen zu verhandeln, dürfte weitaus schwieriger geworden sein und selbst bei bestimmten Gebrauchtwagen sind die Preise bis zu einem Viertel oder gar einem Drittel in die Höhe geschossen.

Zwei Überlegungen sind bedenkenswert:


    • Neuwagenkäufer setzen auf E-Autos. Sie erhalten damit den derzeit modernsten Stand, müssen aber zusehen, dass sie ihren Wagen binnen drei Jahren wieder verkaufen. Nicht nur, weil das Auto aus technischer Sicht dann vermutlich noch verkäuflich ist, sondern weil wegen der hohen Kaufprämien womöglich der Eigenanteil des Anschaffungspreises als Verkaufspreis wieder erlöst werden kann. Allerdings wird ein Käufer, sofern die Kaufprämien noch bestehen, unter diesen Umständen lieber auf einen Neuwagen setzen, was dann doch zu einem stärkeren Wertverlust des Gebrauchtwagens führt.

    • Wer finanziell klamm ist und einen nicht mehr ganz jungen Gebrauchtwagen kaufen möchte, ist vermutlich mit einem Verbrenner besser bedient. Nicht nur, dass ältere E-Autos kleinere Akkus haben, diese mussten entsprechend auch öfter geladen werden, was die Lebensdauer verkürzt.

Und nun?

Wer nicht grundsätzlich auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen kann oder will, dem hilft letztendlich nur, die Entwicklung des Marktes im Auge zu behalten. Viele Anbieter setzen darauf, dass immer mehr Kraftfahrer online ein Auto kaufen wie einen alltäglichen Bedarfsgegenstand. Genau das aber hilft, die Preisentwicklungen im Blick zu behalten.

Ein letzter Gedanke noch: Wer die Möglichkeit hat, Solarstrom in ausreichender Menge selbst zu produzieren, kann den natürlich auch zum Laden des E-Autos verwenden. Interessant wird es auch, wenn immer mehr Akkus, die als Energiespeicher für den Autobetrieb ausgedient haben, ein zweites Leben als Stromspeicher im Haus erhalten. Die Zukunft bleibt nicht nur spannend, sondern spannungsvoll.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Deutsch / Raten-Kauf, Pixabay License
  • Erstellt am 09.05.2022 - 10:19Uhr | Zuletzt geändert am 09.05.2022 - 11:05Uhr
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