Gruß aus Breslau

Gruß aus BreslauBreslau (Wrocław), 1. Februar 2022. Von Thomas Beier. Ob das in anderen Städten auch so ist? In Görlitz jedenfalls droht der Görlitz-Koller, wenn man der Neißestadt nicht ab und an entflieht, um woanders ein wenig Lebensgefühl zu inhalieren und neuen Mut zu schöpfen. Gut funktioniert das beispielsweise in Breslau.

Abb.: Noch erstrahlt das abendliche Breslau im Weihnachtsglanz, hier auf dem Markt (Rynek)

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Auf Weltreise durch Breslau

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Schlechtes Wetter – na und?

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Thema: Woanders

Woanders

"Woanders" – das ist das Stichwort, wenn der Görlitzer Anzeiger auf Reisen geht und von Erlebnissen und Begegnungen "im Lande anderswo" berichtet. Vorbildliches, Beispielhaftes und Beeindruckendes erhält so auch im Regional Magazin seine Bühne.

Breslau – hier begegen sich Geschichte und Zukunft auf Schritt und Tritt. Für viele Deutsche steht die deutsche Geschichte der Stadt im Mittelpunkt, obgleich die Anfänge Schlesiens 2.000 Jahre zurück liegen. Kurz gesagt, war die Gegend sowohl bei den polnischen wie auch den böhmischen Herrschern recht beliebt, weshalb man sich hier gern gegenseitig die Schädel einschlug. Erst der Pfingstfrieden von Glatz bereitete im Jahr 1137 dem ein vorläufiges Ende, weil eine Grenzlinie festgelegt wurde. Fünf Jahrhunderte lang, vom 13. bis ins 18. Jahrhundert, gehörte das ehemals slawische Fürstentum zu Böhmen und zum österreichischen Kaiserreich, bis Friedrich der Große 1741 Schlesien und Breslau von den Habsburgern eroberte. Heinrich I., Spross der schlesischen Linie der polnischen Herrschersynastie die Piasten, und sein Sohn Heinrich II. förderten in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts den Zuzug von Deutschen und Holländern.

Zu Preußen kam Schlesien – genauer gesagt, der größte Teil davon – erst im Jahr 1742, nachdem der Alte Fritz den Ersten Schlesischen Krieg gegen Österreich gewonnen hatte. Nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde dieser Teil Schlesiens zur preußischen Provinz Schlesien. Nach Gebietabgaben infolge des Ersten Weltkriegs an Polen kam eine einschneidende Veränderung 1945, als auf der Potsdamer Konferenz ein Großteil Schlesiens im Zuge der Westverschiebung Polens unter vorläufige polnische Verwaltung gestellt wurde. Nach der Vertreibung der deutschen Bevökerung wurde der polnisch verwaltete Teil Schlesiens de facto ein Teil Polens. Spätestens mit der Gründung der Dritten Polnischen Republik und schließlich mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 wurde der polnisch verwaltete Teil Schlesiens völkerrechtlich ein Teil Polens.

Noch bunter illustriert die Breslauer Stadtgeschichte die wechselhafte Geschichte in Schlesien. Heute wird vor allem die Region zwischen Bautzen und Breslau mit beispielsweise Görlitz, Hirschberg (Jelenia Góra) und Zittau historisch als polnisch-böhmisch-deutsche Region begriffen. Der jungen Generation allerdings, die abends die lebendige und bunte Kneipenszene in Breslau beherrscht, ist das nicht so wichtig. Hier trifft sich das östliche Europa, vom Baltikum bis tief in den Süden und versteht sich auf Englisch bestens. Überhaupt wird in Breslau eine abendliche Kneipentour schnell zur Weltreise: Von Frankreich bis nach Kuba und immer weiter, um schließlich über Georgien – Tipp: U Gruzina – in seinem Breslauer Hotelbett zu landen.

Breslau wächst, viele supermoderne Bauwerke sind in den letzten Jahren entstanden, die den Anblick der Wohnblöcke nach und nach überlagern. Knapp 650.000 Einwohner verzeichnet die niederschlesische Metropole, nach Warschau (Warszawa) , Krakau (Kraków) und Losch (Łódź) viertgrößte Stadt Polens, mittlerweile – ein spannender Ort für Wirtschaft, Bildung, Kunst und Kultur. Ein Tipp ist das Breslauer Museum für zeitgenössische Kunst (Muzeum Współczesne Wrocław), das unter anderem in einem ehemaligen Hochbunker ausstellt.

Mit dem Thema Corona geht man in Breslau übrigens recht entspannt um. Die Vorsichtsmaßnahmen ähneln denen in Deutschland, auffälligster Unterschied: Die Polen halten sich dran. So werden Desinfektionsmöglichkeiten genutzt und die Mund-Nase-Nasken werden so getragen, dass sie nicht vom Riechorgan überragt werden. Die in Deutschland angesichts von Vorsichtsmaßnahmen verbreitete Nörgelstimmung war zumindest für den flüchtigen Besucher der Stadt nicht zu erkennen.

Mehr Schlesien:
Schlesisches Museum zu Görlitz

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  • Quelle: Thomas Beier | Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 01.02.2022 - 08:49Uhr | Zuletzt geändert am 01.02.2022 - 10:41Uhr
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