Corona-Pandemie und Süppchenkocher

Corona-Pandemie und Süppchenkocher Landkreis Görlitz, 14. Mai 2020. Im Landkreis Görlitz sind seit dem 6. Mai keine Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mehr nachgewiesen worden. Statt das als Erfolg zu feiern und weiter vorsichtig zu sein, glauben einige Bürger, für Grundrechte eintreten zu müssen und reimen sich ein sehr beschränktes Bild von demokratischen Strukturen zusammen. Vor allem vergessen sie dabei, dass jedes Grundrecht auch Grenzen kennt, die während einer Pandemie logischerweise enger gezogen werden müssen.

Unruhige Zeiten will so mancher nutzen, um sein ganz eigenes Süppchen zu kochen

Bildquelle: Republica, Pixabay License

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Ursu: Freiheit geht Hand in Hand mit persönlicher Verantwortung

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Mittlerweile kochen unterschiedliche Szenen ihr Süppchen auf dem Feuer, dass sie mit der Ablehnung der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie entfacht haben: Allen voran Impfgegner und weitere Verschwörungstheoretiker, die diese Bezeichnung gar nicht verdienen, weil ihre Ansichten und Behauptungen nicht einmal für eine wissenschaftliche Theorie ausreichen; ganz abgesehen von Hobbyexperten, die hinterher alles besser wissen. Im Boot auch jene, die nur an persönlicher Bekanntheit interessiert sind oder durch Klicks auf Webseiten ihr Geld verdienen – und nicht zuletzt der faschistoid-naziaffine rechte Rand, der immer wieder mit ekelhaft menschenfeindlichen Beiträgen auffällt und dennoch von den anderen Protestierenden toleriert wird.

Wie hatte doch Karl Valentin recht: "Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und trotzdem den Mund halten." Das Niveau der Diskussionen in den sozialen Netzwerken ist erschreckend niedrig, man könnte meinen, wenn der Super-GAU von Tschernobyl heute stattgefunden hätte, würde erst einmal diskutiert, ob es Atome wirklich gibt und dass radioaktive Strahlung ja auch heilen könne.

Warum widersprechen kluge Menschen dem dümmlichen Mob, der sich besorgt gibt, so wenig? Weil diese Leute in einem sehr engen, leicht zusammenreimbaren System aus Fakten, Verdrehungen und Lügen unterwegs sind und Argumente, die darüber hinaus gehen, gar nicht erfassen können. Sie aber in ihrem eigenen Wissensystem zu widerlegen ist anstrengend und zeitaufwendig, nach ein paar Diskussionen hört man auf und ignoriert diese Eiferer mit ihren verschwurbelten Ansichten einfach, wodurch diese sich vielleicht sogar bestätigt fühlen.

Die eifrig Zeternden ("Die Wohlstandsverwahrlosten" nennt sie Henning Hirsch) suchen nicht nach Lösungen, sondern nach Schuldigen, vor allem dort, wo es keine Schuld gibt. Dass die verantwortlich Handelnden stark mit trial & error agieren mussten, daraus haben sie nie einen Hehl gemacht. Und nebenbei: Man kann einen Staat nicht bis ins Detail auf jedes nur denkbare Krisenszenario vorbereiten, wichtig ist vor allem ein handlungsfähiger Staat. Wer angesichts der nach der Ölkrise (in der keiner gegen die Sonntagsfahrverbote als Freiheitsberaubung demonstrierte) ersten Krise, in der die Bundesrepublik in den Alltag eingreifen musste, eine drohende Diktatur herbeireden möchte, ebnet eben dieser den Weg.

Die Allianz der Anständigen

Dem eifernden Gemaule stehen jene gegenüber, die sich für ihre Mitmenschen engagieren und dafür sogar eine erhöhte Ansteckungsgefahr in Kauf nehmen, ob nun am Arbeitsplatz oder bei der Hilfe für Nachbarn. Die übergroße Mehrheit versteht, dass der Erfolg der Antiepidemiemaßnahmen in den meisten Regionen Deutschlands dennoch nur eine schrittweise Lockerung erlaubt, um das Pandemiegeschehen weiterhin steuern zu können. Früher hatte jedes Dorf seinen Dorftrottel. Heute müssen wir feststellen, dass es mehr als nur einer ist und auch die Städte nicht verschont geblieben sind. Das Internet zu kapieren, dazu reicht es und nun glauben sie, viele zu sein. Bedenklich ist das schon.

Videobotschaft des Görlitzer Oberbürgermeisters Octavian Ursu

Ein Sprichwort besagt: "Wenn Du es eilig hast, gehe langsam." Es kommt also der am schnellsten zum Ziel, der seine Schritte bedacht setzt und weder strauchelt noch vom Weg abkommt.

Ganz in diesem Sinne appelliert Oberbürgermeister Ursu in seiner neuesten Videobotschaft an Verantwortungsbewusstsein und Umsicht angesichts der bevorstehenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen. "Es ist gut, dass wir einen großen Teil unserer persönlichen Freiheit zurückbekommen", sagte er, warnte aber zugleich: "Die niedrigen Infektionszahlen machen uns Mut, aber wir dürfen nicht übermütig werden." Außerdem stellte er die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt: "Ob dann am Ende die ergriffenen Maßnahmen funktionieren, dafür ist jeder Einzelne von uns mitverantwortlich. Freiheit geht Hand in Hand mit der persönlichen Verantwortung."

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  • Quelle: red / TEB | Foto: Republica, Pixabay License
  • Erstellt am 14.05.2020 - 11:43Uhr | Zuletzt geändert am 14.05.2020 - 13:44Uhr
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