Erste Gottesdienste in Synagoge Görlitz

Erste Gottesdienste in Synagoge GörlitzGörlitz, 3. August 2021. Ein Termin sorgt für Aufsehen: Erstmals nach mehr als 80 Jahren findet in der Neuen Synagoge zu Görlitz wieder ein Gottesdienst statt. Dazu reisen viele Besucher von außerhalb an.

Abb.: In der Wochentagssynagoge, Ort der Gottesdienste, hinter dem Tuch der kleine Thoraschrein, davor das ewige Licht und darüber die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten

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Teilnehmer müssen sich anmelden

Teilnehmer müssen sich anmelden

Blick aus der Wochentagssynagoge: Der Synagogenbau im Spiegelbild der Fenster der benachbarten Pfarrei Heiliger Wenzel mit einer Menora (מְנוֹרָה) – nicht zu verwechseln mit dem acht- oder neunarmigen Chanukkaleuchter (חַנֻכִּיָּה) – als Gruß

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Thema: Jüdisch

Jüdisch

Juden hatten und haben einen großartigen Anteil an der Entwicklung Deutschlands in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft. Leben ist undenkbar ohne die Erinnerung an die Zeit, als es in Deutschland ausreichte, Jude zu sein, um verhaftet, deportiert und umgebracht zu werden, wenn man nicht rechtzeitig geflohen war.

Zwei Gottesdienste sind es, die in der Wochentagssynagoge des als "Kulturforum Görlitzer Synagoge" wiedereröffneten, über viele Jahre hinweg sanierten Gotteshauses stattfinden sollen. Sie stehen jedermann offen. Allerdings muss man sich, auch angesichts der beschränkten Platzverhältnisse im Raum hinter dem Thoraschrein des großen Kuppelsaals, anmelden.

Für Alex Jacobowitz, Vorsitzender und Kantor der Jüdischen Gemeinde Görlitz/Zgorzelec und Umgebung e.V., sind das nach der Wiedereröffnung des Hauses am 12. Juli 2021 zwei weitere Tage der Freude und des Glücks.

Letzter Gottesdienst im September 1940

Der letzte Gottesdienst fand in dieser Synagoge im September 1940 statt. Während 1933 noch 376 Juden in Görlitz lebten, waren es 1938 – kurz vor den als "Reichskristallnacht" beschönigten Novemberpogromen – noch 207, zum Kriegsende 1945 lebten noch zwei in der Neißestadt. Über die Beteiligung der Görlitzer Bevölkerung am Vorgehen gegen ihre jüdischen Mitbürger – was das Wegsehen und Dulden einschließt – und das Schicksal der Görlitzer Juden kann man in einem Abriss über die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Görlitz nachlesen.

Verantwortung bleibt

Während die Judenverfolgung unter der Naziherrschaft gern allein "den Nationalsozialisten" angelastet wird, muss auf deren willfährige Helfer verwiesen werden, die sich zwar nicht unbedingt als Nazis fühlten, aber dennoch welche waren. Vergleiche zur Gegenwart drängen sich geradezu auf. Noch immer gilt: Wer mit den Nazis marschiert, ist einer! Deshalb ist es so wichtig, sich mit dem Judentum zu beschäftigen und ihm seinen selbstverständlichen Platz auch in der Görlitzer Stadtgesellschaft zu geben. Vielleicht führt das wiederauferstandene Synagogengebäude dazu, dass sich wieder mehr Juden in Görlitz ansiedeln. Der Vielfalt in der Stadt und ihrer Weltoffenheit kann das nur zuträglich sein.

Gottesdienste:

    • Freitag, 20. August 2021, 19 Uhr
    • Sonnabend, 21. August 2021, 10 Uhr

Wo?
Wochentagssynagoge des Kulturforums Görlitzer Synagoge,
Otto-Müller Straße 3, 02826 Görlitz

Wichtig: Vorher anmelden!
Per E-Mail unter Juedische.Gemeinde.Goerlitzx@xgmail.com
(Spamschutz: beide "x" entfernen)

Mehr wissen!
Jüdische Schicksale schildert der im Görlitzer Anzeiger vom 2. September 2015 erschienene Bericht über die Einweihung der "Stelen der Erinnerung" auf dem Jüdischen Friedhof zu Görlitz.

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  • Quelle: TEB / Fotos: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 03.08.2021 - 11:02Uhr | Zuletzt geändert am 14.08.2021 - 04:11Uhr
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