Deutsch-polnisches Gesprächsforum widmet sich dem Nationalismus
Görlitz | Ostritz / St. Marienthal, 23. September 2019. Der Rotary Club Görlitz (RC Görlitz) hat sich für sein drittes deutsch-polnisches Gesprächsforum ein Thema ausgeguckt, das jene, die den europäischen Einigungsprozess verinnerlicht haben, mit einigem Erstaunen wahrnehmen: den neu aufkeimenden Nationalismus in Deutschland und Polen.
Abbildung: Auf dem Klostergelände St. Marienthal – Eingang zum Tagungsraum links um die Ecke (Celsa-Pia-Haus)
Hochkarätig besetztes Podium im IBZ St. Marienthal
Wie dem Veranstaltungstitel "Geht ein Virus um? Nationalismus in Deutschland und Polen – Was können wir tun?" zu entnehmen ist, soll nicht nur beschrieben werden, wie der Nationalismus in der Gedankenwelt wieder Raum greift, gar salonfähig werden möchte, sondern wie man ihm entgegentreten kann.
Das Veranstaltungsformat des deutsch-polnischen Gesprächsforums hat nach den bisherigen beiden, gut besuchten und erfolgreich verlaufenen Veranstaltungen seine Feuertaufe bestanden. Nach bereits zwei sehr gut besuchten Diskussionsrunden ist es gelungen, die dritte Veranstaltung hochkarätig mit wichtigen örtlichen Verwaltungsspitzen, nämlich dem Bürgermeister von Zgorzelec, Rafał Gronicz, und dem Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker sowie den Publizisten Helga Hirsch und Paweł Andrzej Lisicki, zu besetzen.
Die Diskutanten vorgestellt:
- Rafał Gronicz wurde am 9. Mai 1973 in Zgorzelec geboren und ist Manager und Politiker. Seit 2006 Bürgermeister von Zgorzelec, war er schon seit 2004 Vorsitzender der Bürgerplattform (PO) in seiner Stadt. Bis 1998 studierte Gronicz an der Fakultät für Marketing und Management der Oskar-Lange-Wirtschaftsakademie in Breslau. Das Studium schloss er 1998 mit einem Masterabschluss ab. Im Jahr 2001 begann er ein Aufbaustudium in der Fachrichtung Finanz- und Bankwirtschaft, das er 2002 abschloss. Gronicz steht für eine Europa zugewandte Politik, was auch der Europastadt Görlitz-Zgorzelec zugute kommt.
- Helga Hirsch erblickte am 23. März 1948 in Estorf/Weser erstmals das Licht der Welt. Sie arbeitet als freie Publizistin u. a. für Die Welt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Außerdem war sie langjährige Polen-Korrespondentin der Wochenzeitung Die Zeit. Sie ergriff offen Partei für das Anliegen der polnischen Gewerkschafts- und Widerstandsbewegung Solidarność, die von den linksliberalen deutschen Meinungsführern eher kritisch gesehen wurde, da sie meinten, dass die Solidarność-Aktivitäten den mit der Entspannungspolitik angestrebten "Wandel durch Annäherung" gefährden könnten. Hirsch schreibt – als Autorin und Co-Autorin – auch Bücher, vor allem zu Flucht und Vertreibung. Außerdem hat sie sich den Frauen in den Fünfzigerjahren gewidmet und gemeinsam mit Joachim Gauck "Toleranz: einfach schwer" herausgegeben. Sie lebt in Berlin.
- Paweł Lisicki kam am 20. September 1966 in Warschau (Warszawa) zur Welt. Er ist Journalist, Publizist, Essayist, Schriftsteller und Literatur-Übersetzer und gilt als einer der Vordenker der polnischen Nationalkonservativen. In den Jahren von 1991 bis 1993 war er Journalist der Tageszeitung „Życie Warszawy”, ab 1993 Journalist und in den Jahren von 2006 bis 2011 Chefredakteur der Tageszeitung "Rzeczpospolita". Darüber hinaus war Lisicki im Jahr 2011 Mitbegründer der Wochenzeitung "Uważam Rze" und von 2011 bis 2012 dort Chefredakteur. Seit 2013 ist er Chefredakteur der Wochenzeitung "Do Rzeczy" (dt. etwa "Zur Sache"), die auf der englischsprachigen Wikipedia als rechtsgerichtet eingeschätzt wird. Lisicki lebt in Warschau.
- Thomas Zenker weilt seit dem 14. Mai 1975, an dem er in Zittau geboren wurde, unter uns. Über seine Heimatstadt Zittau hinaus wurde er als Kommunalpolitiker der Wählergemeinschaft "Zittau kann mehr e.V." (ZKM) und seit 2015 als Oberbürgermeister bekannt. Zenker war Mitarbeiter für PR & Marketing an der Hochschule Zittau/Görlitz und arbeitete als freier Journalist ab August 2010 für die Lokalredaktion Zittau der Sächsischen Zeitung. Zwei Jahre später wechselte er in die Jugendarbeit und war ab 2012 Projektleiter für politisch-historische Bildung an der Hillerschen Villa, einem sozio-kulturellen Zentrum in Zittau.
Schaut man sich den Teilnehmerkreis an, ist eines sicher: Es wird spannend. Da treffen Ansichten, nach denen die nationalen Grenzen am liebsten verschwinden sollten, auf national-konservatives Gedankengut, das an Macht gewonnen hat. Wie sich der Disput – ausgerechnet in der Oberlausitz mit ihren slawischen, sächsischen, böhmischen, preußischen und polnischen Erfahrungen – entspinnt, könnte Hinweise geben, wie sich die nähere Zukunft in der Dreiländerregion gestaltet.
Prädikat. Unbedingt hingehen!
Mittwoch, 16. Oktober 2019, 18.30 Uhr,
Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal, St. Marienthal 10, 02899 Ostritz:
Brücken bauen an der Neiße. 3. Deutsch-polnisches Gesprächsforum des RC Görlitz
Interessierte sind herzlich zur Anmeldung und Teilnahme eingeladen, der Eintritt ist frei. Das Gesprächsforum wird simultan gedolmetscht. Im Anschluss an das Gesprächsforum besteht die Gelegenheit zu Gespräch und Imbiss.
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- Quelle: red/TEB | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
- Erstellt am 23.09.2019 - 09:15Uhr | Zuletzt geändert am 23.09.2019 - 11:11Uhr
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