Wolf Biermann im Zuchthaus Cottbus

Wolf Biermann im Zuchthaus CottbusCottbus / Chóśebuz, 14. Juli 2017. Selbst ausgesperrt, als andere eingesperrt waren: Der Dichter und Liedermacher Wolf Biermann steht wie kaum ein anderer für die Schizophrenie der deutschen Teilung: In der "DDR" nicht leben dürfen, im "Westen" (dem "kaltgekachelten Puff", siehe "Deutsches Miserere) nicht leben wollen. Auch im Wandel ist er sich treu geblieben, zu erleben auf seinem ersten Besuch und Konzert im Zuchthaus Cottbus, das politische Gefangene der "DDR" gekauft und zur zukunftszugewandten Gedenkstätte gemacht haben.

Abb. oben: Sylvia Wähling, geschäftsführende Vorsitzende des heutigen Menschenrechtszentrums Cottbus, konnte im Jahr 2016 im Dom zu Brandenburg den erstmals vergebenen Brandenburger Freiheitspreis für den Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. entgegennehmen. Aus diesem Anlass übereichte sie dem Schirmherrn des Freiheitspreises, dem damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Dokumentation "Wir wollten doch nur anders leben". Im Hintergrund Lutz Dombowski, MdL, Vorsitzender des Vereins und selbst in Cottbus eingesperrt gewesen.

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Wolf Biermann & Pamela Biermann und ZentralQuartett kommen zu Benefizkonzert ins Menschenrechtszentrum Cottbus

Wolf Biermann & Pamela Biermann und ZentralQuartett kommen zu Benefizkonzert ins Menschenrechtszentrum Cottbus

Wolf Biermann diskutiert im Jahr 2012 vor seinem Konzert, das in der PENTACON-Halle, wo Zwangsarbeit verrichtet werden musste, stattfand, mit früheren Gefangenen. Links: Roland Jahn, Stasiunterlagenbeauftragter, war in der "DDR" ebenfalls eingesperrt.

Foto: © Görlitzer Anzeiger

Thema: Menschenrechte

Menschenrechte

Menschenrechte sind weltweit Thema. Die Erinnerung an die "sozialistische Rechtsprechung" und das SED-Unrecht sowie die vorangegangene Nazi-Diktatur mahnen, auch in Deutschland Menschenrechte und Demokratie nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern immer wieder dafür einzutreten.

Wolf Biermann wie auch das das heutige ZentralQuartett haben die Verachtung demokratischer Grundwerte und den Verlust von Menschlichkeit unter dem SED-Regime, den Gesinnungsterror und das Gift der Indoktrination jahrzehntelang erlebt. Mit diesen Erfahrungen wenden sie sich auch an die junge Generation, die im vereinten Europa aufgewachsen ist.

Kampagne zur Bundestagswahl

Unter dem Motto "DEMOKRATIE FEIERN - DEMOKRATISCH WÄHLEN!" starten die Künstler mit mehreren Konzerten vor der Bundestagswahl eine Kampagne. Die soll eine hohe Wahlbeteiligung fördern und ruft auf, nur wahrhaft demokratische Politiker zu wählen, um den totalitären und fremdenfeindlichen Tendenzen zu widerstehen. Es gilt ihnen die mutige Vielvölker-Vision des konservativen Demokraten Winston Churchill aus dem Jahre 1948 zu verteidigen: Die Vereinigten Staaten von Europa.

Biermann hat mehr als eine Generation geprägt

Wolf Biermann hat in seinen Liedern und Gedichten die SED-Diktatur radikal und mit intelligentem Spott kritisiert. Mit dem totalen Auftritts- und Publikationsverbot sollte er ab 1965 mundtot gemacht werden. Doch Biermann konnte nicht ruhighalten und zusehen, wie sozialistischeund kommunistische Ideale von der SED verhöhnt wurden.

Diese beißende Kritik führte schließlich zu Biermanns Ausbürgerung im November 1976 – ihm wurde nach einem Konzert die Wiedereinreise verweigert und die Staatsbürgerschaft entzogen. Die Proteste gegen dieses Unrecht, die sich vor allem in Künstlerkreisen entwickelten, gelten inzwischen als der Anfang vom Ende des Gebildes "DDR".

"Wolf Biermann ist für viele ehemalige politische Häftlinge eine Symbolfigur", weiß die geschäftsführende Vorsitzende des Vereins Menschenrechtszentrum Cottbus, Sylvia Wähling. Auch wegen seiner Texte und Lieder mussten viele junge Leute einen Teil ihrer besten Jahre im Zuchthaus Cottbus hinter Gittern verbringen. "Für viele einstige Häftlinge wird deshalb der Besuch des Konzertes tiefe Emotionen hervorrufen", so Wähling.

Wolf Biermann hatte schon 2012 ein Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Gedenkstätte gegeben und mit ehemaligen Gefangenen gesprochen. Das Menschenrechtszentrum freut sich, dass er erneut ein Benefizkonzert, diesmal mit Pamela Biermann und dem ZentralQuartett, gibt.

Ehrengast des Abends ist der chinesische Schriftsteller, Dissident, ehemaliger politischer Häftling sowie Träger des Geschwister-Scholl-Preises und des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Liao Yiwu, der seit 2011 in Deutschland lebt.

Prädikat: Unbedingt hingehen!
Montag, 28. August 2017, 19.30 Uhr
Menschenrechtszentrum Cottbus (Pentacon-Halle), Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus.

Eintrittskarten kosten 25 Euro, ermäßigt für Schüler, Studenten, Rentner, Bezieher von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe, Menschen mit Behinderung 20 Euro. Vorverkauf direkt im Menschenrechtszentrum Cottbus, Bestellung per Telefon unter 0355 - 29 01 33-11 oder per E-Mail an info@menschenrechtszentrum-cottbus.de.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 14.07.2017 - 08:20Uhr | Zuletzt geändert am 11.08.2021 - 08:45Uhr
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