Flashmob für Flüchtlinge in Görlitz

Görlitz. Von Danielle Höfler. Unter dem Motto "Solidarität mit den Demonstranten am Brandenburger Tor" hatte die Aktionsgruppe "Ein Zeichen setzen" für den 3. November 2012 um 13 Uhr zum Flashmob auf dem Görlitzer Marienplatz aufgerufen. Ziel der Demonstration war es, auf die menschenunwürdige Behandlung von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, die seit mehr als sieben Tagen vor dem Berliner Brandenburger Tor für eine Verbesserung ihrer Situation eintreten. Unterstützt die Aktion dabei vom Ortsvorsitzenden der Partei DIE LINKE und Kreistagsmitglied Mirko Schultze.

Flüchtlinge sollten besonders in Görlitz Verständnis finden, meint Fritz R. Stänker

Aufmerksam von Passanten beobachtet saßen die Demonstranten zehn Minuten schweigend auf mitgebrachten Decken und Matten. "Wer gleichgültig hinnimmt, dass es Menschen schwer bis unmöglich gemacht wird, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, nimmt es auch hin, dass es für ihn selbst schwieriger wird, auf das seine aufmerksam zu machen. Wer die Beschneidung der Rechte einiger hinnimmt, kann sicher sein, dass irgendwann unter fadenscheinigen Behauptungen die seinen beschnitten werden, weil er durch Regeländerung zufällig nicht mehr in das hübsche bürgerliche Stadtbild passt." sagte eine der Teilnehmerinnen. "Deshalb ist es wichtig, dass wir heute hier sitzen".

Hintergrund: Das war der Aufruf von "Ein Zeichen setzen" zum Flashmob am 3. November 2012


Seit mehr als sieben Tagen befinden sich in Berlin Flüchtlinge in einem Hungerstreik. Trotz niedriger Temperaturen und starken Regens, werden diesen Menschen Isomatten, Decken, angeblich überflüssige Kleidung von der Polizei abgenommen. Passanten ist es zu weiten Teilen untersagt, diesen Menschen zu helfen. Selbst die ärztliche Versorgung ist eingeschränkt, da die Flüchtlinge nicht im Liegen behandelt werden dürfen. Ein Flüchtling musste bereits in ein Krankenhaus gebracht werden.

Neben der Tatsache, dass dieses Ereignis nicht in unseren Massenmedien dargestellt wird, schweigt bisher jegliche politische Instanz zu diesen Vorfällen.Die Würde des Menschen sei unantastbar, so steht es zumindest geschrieben, aber das was in unserer Hauptstadt passiert ist gegen jede Menschenwürde.

Um unsere Solidarität mit den Protestierenden zu zeigen und um zu zeigen, dass wir das Verhalten der Polizei und damit das Verhalten derer, die es angeordnet haben nicht hinnehmen laden wir Euch ein, unserem Flashmob zu folgen! Wir wollen Aufmerksamkeit erzeugen und unser Protest soll wirken! Kommt alle am Samstag um 13 Uhr auf den Marienplatz! Bringt eine Decke oder Isomatte mit. Für zehn Minuten wollen wir die Decken ausbreiten und uns darauf legen.

Auch wenn bereits Zugeständnisse an die Flüchtlinge gemacht wurden, sollten wir unserem Protest gegen das unwürdige Verhalten der Behörden, Verwaltung und Polizei Ausdruck verleihen!

Kommentar

Man sagt, mehr als drei Viertel der Göritzer haben einen persönlichen durch Flucht oder Vertreibung geprägten Hintergrund - sie selbst oder ihre Eltern oder Großeltern haben ihre Wurzeln im Osten des ehemaligen Deutschen Reiches, wo ihnen das Weiterleben unmöglich gemacht wurde.

Mein Eindruck ist jedoch, dass im Querschnitt der Görlitzer Bevölkerung (wie nahezu überall in der Provinz) die Vorbehalte gegenüber Asylbewebern besonders groß sind, obgleich vergleichsweise nur wenige Bürger aus anderen Staaten in der Stadt leben, ein "Ausländerproblem" überhaupt nicht besteht.

Darum ist es gut, wenn die Leute von "Ein Zeichen setzen" sich artikulieren und bemerkbar machen.

Dass die bürgerlichen Parteien in der Stadt ein Thema, das zutiefst in der christlichen Nächstenliebe verankert ist, allein der Linken überlassen, zeigt wenig Sinn für die gesellschaftliche Realität und Gestaltungserfordernisse,

meint Ihr Fritz R. Stänker

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Ergebnis: Sind Flüchtlinge und Vertriebene im Landkreis Görlitz willkommen?

ja (19.8%)
 
nein (76.7%)
 
weiß nicht (0.9%)
 
mir egal (2.6%)
 
Nichtrepräsentative Umfrage
Umfrage seit dem 05.11.2012
Teilnahme: 116 Stimmen
Kommentare Lesermeinungen (3)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Flüchtling ist Flüchtling

Von Ernst am 23.11.2012 - 12:19Uhr
Die meisten, die aus der DDR in den Westen geflohen sind, waren doch auch "nur" Wirtschaftsflüchtinge.

Also akzeptieren wir bitte auch, wenn Leute nach Deutschland kommen, um ihre Lebensumstände zu verbessern.

Gerade das ist europäisch.

Flüchtlinge?

Von ko.bold am 22.11.2012 - 11:21Uhr
@Maxi - Das ist wohl nur eine selbst erdachte These, die Sie hier bringen. Wahrhaftigen Flüchtlingen, die in ihrem Land politisch verfolgt werden, denen wird in Görlitz wohl niemand den Rücken zu kehren.

Es könnte doch sein, dass Ihre These auf nicht arbeitswillige ausländische Bürger zutrifft, die durch ihr "hier zu Hause sein wollen" der Stadt etliche Steuergelder in Form von Zuzahlungen an die Hartz IV-Stellen entlocken würden.

Desweiteren sind auch viele zugezogene Bürger in Görlitz Neugörlitzer geworden, um dem heimischen Ausländerandrang zu entfliehen - eben darum, weil es in Görlitz relativ europäisch zugeht. Hier kann des Nachts noch auf öffentlichen Plätzen und Straßen verweilt werden, ohne vielleicht zweimal am Abend überfallen zu werden. Das ist ein Punkt, den die Görlitzer auch zu schätzen wissen und das hat bestimmt nichts mit "alten Zeiten" zu tun.

Flüchtlinge und Vertriebene willkommen

Von Maxi am 21.11.2012 - 14:47Uhr
Nein sie sind nicht willkommen, man kann die alten Zeiten hier in Görlitz nicht vergessen.

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  • Quelle: Danielle Höfler | Fritz Rudolph Stänker
  • Zuletzt geändert am 05.11.2012 - 08:51 Uhr
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