Sachsen will werben und hat Geld dafür

Sachsen, 25. Mai 2012. Wenn der Freistaat Sachsen wenigstens das selbe Problem wie weiland Autokönig Henry Ford hätte, der wusste: "Die Häfte meiner Werbeausgaben ist umsonst, ich weiß nur nicht, welche." Sachsen hingegen läuft Gefahr, satte 32 Millionen Euro zu hundert Prozent in Werbeausgaben zu versenken. Die Wurzeln dieser tatsächlich vorgesehenen Ausgabe im ansonsten knausrig gewordenen Freistaat reichen zurück ins Jahr 2010: Da ging es zunächst um fünf Millionen Euro für 2011/12 - und anschließend um die genannten 32 Milliönchen bis 2016. Damit soll eine Imagekampagne finanziert werden, die alles unter einen Hut bringen soll, was die Sachsen so zu bieten haben: Ein bissel Wirtschaft, ein bissel Wissenschaft, ein bissel Tourismus, ein bissel Kultur und ein bissel Sport. Politiker und Marketingexperten halten das Vorhaben für fragwürdig.

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Gunkel: 32 Millionen für Sachsenwerbung sind eine Fehlinvestition

Bislang war die Sachsen-Werbung zwischen halbherzig ("Sachsen!"), angeschmuddelt ("Ich bin ein Sächsist") und leicht übergeschnappt ("Sachsen. Land von Welt") angesiedelt. Wer weiß, was jetzt noch millionenschwer kommt – und ob es wirkt. Denn Werbekampagnen in Wirtschaft, Wissenschaft, Tourismus, Kultur und Sport zielen durchaus auf unterschiedliche Zielgruppen, die unterschiedlich angesprochen werden wollen. Anstelle ein Bündel an spezifischen Werbesignalen auszusenden, wird – wie so oft wegen falsch verstandener Kräftekonzentration – auf Vereinheitlichung gesetzt.

Werbung erzeugt sogenannte "künstliche Signale" und wer etwas davon versteht, kann diese SIgnale so abgleichen, dass sie von gewünschten Zielgruppen besser wahrgenommen werden. Was aber gar nicht geht: Mit Werbung ein Image aufbauen, das die Realität übertüncht.

An dieser Stelle setzt auch der sächsische SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gunkel an: "Der Lack an 'Sachsens Glanz und Gloria' bröckelt. Massive Einsparungen im Bildungs- und Sozialbereich sowie im Kulturraumetat gefährden die drei wesentlichen Standortfaktoren, die den Freistaat Sachsen für Einheimische, aber auch Interessierte von außerhalb lebens- und liebenswert machen." Sachsens Staatsregierung habe nach Gunkels Meinung trotz Schülerprotesten, Schließungen von Sozialeinrichtungen und drohendem Kulturabbau offenbar nicht begriffen, dass eine Förderung dieser drei Bereiche die beste Werbung für die Attraktivität des Freistaates Sachsen sei.

Gunkel möchte wenigstens einen Teil des Geldes zur Problemlösung und nicht für einen ungewissen Werbeerfolg eingesetzt sehen: "Wenn von den 32 Millionen Werbekosten lediglich 3,1 Millionen in den Kulturraumetat eingestellt würden, dann gäbe es keine Negativschlagzeilen über Stellenkürzungen in Sächsischen Theatern und Orchestern, keine Existenzängste bei den Tierparks, den städtischen Museen und und und."

Sachsen setzt trotz runden 1,3 Milliarden Euro Mehreinnahmen in Kernbereichen die Schraubzwinge weiter an – "da kann auch eine 32 Millionen schwere Werbe-Kampagne den Ruf nicht aufpolieren", findet Gunkel.

Ergebnis: Ist es richtig, wenn Sachsen 32 Mio. Euro für Werbung ausgibt?

ja (8.6%)
 
nein (83.6%)
 
weiß nicht (7.9%)
 
Nichtrepräsentative Umfrage
Umfrage seit dem 25.05.2012
Teilnahme: 140 Stimmen
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  • Quelle: TEB
  • Erstellt am 25.05.2012 - 09:07Uhr | Zuletzt geändert am 18.06.2020 - 10:12Uhr
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