Landratsamt Görlitz geht aufs Land

Landratsamt Görlitz geht aufs LandLandkreis Görlitz. Es brauchte Zeit, bis es durchgesickert war, aber am 1. April 2011 herrschte jene Klarheit, die alle seit Wochen wabernden Gerüchte bestätigt: Das Landratsamt Görlitz wird auf der Bahnhofstraße zu Görlitz nicht einziehen.

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Görlitz 21

Görlitz 21

Ein von einem Schutzwall umgebenes Landratsamt wäre den Bürgern nicht zu vermitteln gewesen. Von einem Schießbefehl auf flüchtende Mitarbeiter ist allerdings nichts bekannt.

„Wir haben hier unser Görlitz 21“, flüstert ein Landkreissekretär, der seinen Namen nicht genannt wissen will. Seiner Meinung nach stehen die Kosten des Baus im Görlitzer Bahnhofsviertel in keinem Verhältnis zu den erwarteten Effekten: „Einesteils spricht man von Substanznutzung, Bürgerfreundlichkeit und Effekten für den oberen Teil der Berliner Straße, andererseits wissen wir: Die Landratsamtsmitarbeiter löffeln zu Mittag ihren Joghurt und eilen nach Feierabend - warum auch immer - schnellstens nach Hause. Auch von den verwalteten Bürgern seien keine nachhaltigen Effekte für die Görlitzer Innenstadt zu erwarten. „Schließlich hat jeder vernunftbegabte Bürger eine natürliche Scheu vor dem Amte“, weiß der Bedienstete.

Deshalb trifft der neue Ansiedlungsplan des Görlitzer Landratsamtes allenthalben auf Gegenliebe. „Wir brauchen als Dienstleister, der die Bürger zur Annahme seiner Leistungen nötigt, keine 1-A-Lage. Wer was will, muss soundso zu uns kommen“, erklärt der 1. Vorsitzende des Landkreises.

Konsequentes Handeln bringt ideale Lösung

Und das Amt handelt konsequent: Gegen den Büro-Mief setzt es auf eine stillgelegte Tierzucht-Anlage. „Dieser ehemalige Stall ist für uns wie geschaffen“, so Amtsorganisationsleiter Hugo Druntendrüber. Die Vorteile überwiegen: Leichte Anreise über gut ausgebaute LPG-Straßen, perfekter Büro-Zuschnitt der ehemaligen Boxen und frische Landluft. Auch die Biogas-Heizung sei kostensparend. „Ganz nebenbei bringen wir wieder etwas Verwaltung aufs Land“, ergänzt der Landkreissekretär.

Auch andere Mitarbeiter sind richtig froh. „Der Strohboden ist mit der Zeit zu einem dichten schwarzen Filz geworden und damit eine hervorragende Grundlage für unsere Tätigkeit“, freut sich eine Sekretärin auf die am 1. April 2012 beginnende Arbeit am neuen Ort.

Der einzig Traurige ist der Landkreisvorsitzende, er hätte so gern eine Ansprache vom Balkon des angedachten Standortes an der Berliner Straße gehalten.


Kleines Bild:
Die Bautafel zeigt es: Auch die ausführenden Unternehmen sind auf Abstand zum Bahnhofstraßenlandratsamtsprojekt gegangen.

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Kommentare Lesermeinungen (2)
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Balkonien

Von Scherzkeks am 01.04.2011 - 21:28Uhr
Wie aus indiskreten Kriesen verlautete, war geplant den Balkon vom ehemaligen Berliner Stadtschloss (Ihr wisst schon Liebknecht und so) für die ersten Monate an das Görlitzer neue Landratsamt auszuleihen, um diesem zeitweise einen gewisse Bedeutung zu verleihen. Gescheitert ist das ganze am fehlenden Geld, welches zwischenzeitlich für kulturelle Projekte im Landkreis ausgegeben werden sollte. Da es sich hierbei aber um einen Zahlendreher handelte, stehen auch diese Projekte vor dem Ab- und Umbau.

Görlitz 21

Von Jens am 01.04.2011 - 13:53Uhr
Dass isses!
Zum totlachen, aber es stimmt so viel, dass einem dieses fast im Halse steckenbleibt.

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  • Quelle: red
  • Erstellt am 01.04.2011 - 08:38Uhr | Zuletzt geändert am 01.04.2011 - 17:42Uhr
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