Weniger Existenzgründungen

Berlin. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn ist die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ohne Freie Berufe im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 27.000 auf rund 399.000 gesunken. Gleichzeitig nahm auch die Zahl von Unternehmensschließungen von 2007 auf 2008 um 12.000 bzw. 3 Prozent auf 411.500 ab. Der sich daraus ergebende Gründungssaldo ist mit -12.500 erstmals seit über dreißig Jahren negativ. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Hartmut Schauerte, sagte dazu : "Unternehmensgründungen sind eine wichtige Triebfeder für wirtschaftliches Wachstum und mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Neue Unternehmen tragen wesentlich dazu bei, die Dynamik der Märkte in Gang zu halten, indem sie die Angebotsstruktur verändern oder ergänzen. Um mittel- und langfristig mehr qualifizierte Unternehmensgründungen in Deutschland zu erhalten, müssen die Wirtschaft, Behörden und Organisationen, Bildungseinrichtungen, Verbände und Politik gemeinsam handeln. Wir brauchen eine Kultur der Selbständigkeit in Deutschland."

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Unternehmerisches Handeln gefragt

Ursächlich für die negative Entwicklung des Gründungssaldos ist in erster Linie die Entwicklung beim Kleingewerbe, die im Wesentlichen auch Gründungen aus der Arbeitslosigkeit umfassen. So wurden im Jahr 2008 rund 33.800 Kleingewerbe mehr abgemeldet als angemeldet. Bei den Gründungen mit größerer wirtschaftlicher Substanz, unter anderem Gründungen von Hauptniederlassungen, gab es hingegen 2008 einen deutlichen positiven Saldo von 11.500.

Der deutliche Rückgang der Kleingewerbegründungen sei laut Schauerte unter anderem auf die noch gute konjunkturelle Lage und positive Arbeitsmarktlage im 1. Halbjahr 2008 zurückzuführen. So hätten viele erwerbstätige Personen der Anstellung in einem Betrieb gegenüber der Gründung eines eigenen Unternehmens den Vorzug gegeben. Erfreulich sei aber, dass der Saldo bei den Gründungen mit größerer wirtschaftlicher Substanz nach wie vor deutlich positiv ist. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Zahl der Selbständigen in den Freien Berufen, die in der IfM-Statistik nicht erfasst würden, 2008 erneut signifikant zugenommen habe. Dennoch bestehe Handlungsbedarf, das Klima für die unternehmerische Selbständigkeit in Deutschland weiter zu verbessern.

Staatssekretär Schauerte: "Hier sind auch die Hochschulen und Schulen gefordert. Das Thema unternehmerische Selbständigkeit und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen müssen eine viel größere Rolle in unserem Bildungssystem einnehmen." Unternehmerisches Handeln sollte einfach als selbstverständliche und interessante Alternative zur abhängigen Beschäftigung verstanden und vermittelt werden.


Kommentar:

Wer Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit möchte, muss endlich den Bürokratieaufwand abbauen und den Gründungsinteressenten praktikable Hilfe anbieten. Ein Teil der aktuellen und gutgemeinten Förderinstrumente leistet dies nicht.

So konfrontieren das KfW-Gründercoaching und die sächsische Vorgründungsberatung den Existenzgründer mit einem kaum erträglichen Aufwand an Bürokratie. Handelt es sich eher um Arbeitsbeschaffungsprogramme für die Kammern und andere gutdotierte Institutionen? Wer auf die sogenannten Fördermittel verzichtet, kann duchaus besser fahren.

Auch die Bürokratie der Kammern, die Restriktionen der gesetzlichen Rentenversicherung und die Definition der Scheinselbständigkeit sind nicht gründerfreundlich.

Vor allem aber ist das gesellschaftliche Klima noch immer gegen Gründungen gerichtet - wer sich das antut, wird oft genug belächelt und in Amtsstuben mit einer Mischung aus Neid und Hass behandelt.

Mit Hartz IV lebt es sich schlichtweg stressärmer,

hat man Ihrem Fritz R. Stänker erzählt.

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  • Quelle: /FRS
  • Erstellt am 26.04.2009 - 01:06Uhr | Zuletzt geändert am 26.04.2009 - 01:06Uhr
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