Wüstenfuchs in der Oberlausitz

Wüstenfuchs in der OberlausitzSachsen, 28. Januar 2022. Ein Wüstenfuchs? Viele Wüstenfüchse! Jedenfalls sind die Spähfahrzeuge mit niederländischem Kennzeichnen, die vom 1. bis zum 8. Februar 2022 in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Meißen unterwegs sind, nach dem auch Fennek genannten Wüstenfuchs (Vulpes zerda) benannt und nicht – das würde den Hollies niemand unterstellen – nach einem verkrachten deutschen Nordafrika-Krieger gleichen Spitznamens.

Abb.: Jeder dieser Wagen wiegt um die zehn Tonnen und kann die Umwelt nicht nur mit Kohlendioxid, sondern auch mit Maschinengewehren oder Granatwerfern belästigen

Foto: Bundeswehr/Anne Weinrich

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Trojanisches Pferd oder Schmetterling?

Trojanisches Pferd oder Schmetterling?

730 Kilometer mit der Bahn aus Havelte in die Oberlausitz, wo die Wüstenfüchse den Hasen gute Nacht sagen können

Foto: Bundeswehr/Anne Weinrich

Die mit dem Spähwagen Fennek ausgestatteten Einheiten – 30 Stück davon haben die Soldaten mitgebracht – gehören zum Panzergrenadierbataillon 44 (44 Pantserinfanteriebataljon) und zur Brigade Aufklärungskompanie 43 (43 Brigade Verkenningseskadron), welche seit wenigen Tagen für knapp drei Wochen mit insgesamt 500 Soldatinnen und Soldaten auf dem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz üben. Die Übung trägt den bedeutungsschweren Namen "Trojanisches Pferd", der angesichts der Spannungen mit Russland nicht sonderlich glücklich gewählt scheint.

Schmetterling wäre ein schöner Name für das Militärmanöver gewesen, ein Name der vom kommenden Tauwetter und Frühling erzählt und dennoch viel Militärisches enthält, von schmetternder Marschmusik bis zum Zerschmettern, wovor ukrainische Soldatenschädel neuerdings jedoch durch deutsche Stahlhelme bewahrt werden sollen.

Vorbereitung auf den Einsatz im Baltikum

Es sind rund 100 niederländische Soldaten, die sich an der ersten acht Februartagen befehlsgemäß unterschiedlichen Übungen und Schießvorhaben mit Schützenpanzer und mit Infanteriesoldaten auf dem Bundeswehr-Übungsgelände in der Oberlausitz hingeben. Soldat, Soldat, was ist der Sinn? Die Aktivitäten sind Teil der Vorbereitungen und Zertifizierung für einen künftigen NATO-Einsatz in Litauen, denn: "Die niederländische Truppe soll ab 2023 in den baltischen Staaten zum Einsatz kommen", teilt die Pressestelle des Landeskommandos Sachsen der Bundeswehr mit. Früher hätte man vielleicht zurückhaltender formuliert, dass sie stationiert werden sollen.

Die Späher sind unterwegs

Neben der Möglichkeit Gefechtssituationen im scharfen Schuss ausschließlich auf dem Übungsplatz zu trainieren, bietet das hügelige Terrain von der Oberlausitz über Bautzen bis nach Zeithain ideale Voraussetzungen für die Spähkompanie des Kampfverbandes. Ob sie sich wohl ein wenig wie die Späher von Ritter Kato in Astrid Lindgrens "Mio, mein Mio" fühlen? Jedenfalls sollen außerhalb des Militärgeländes Grundlagen und Verfahren der Aufklärung und ausdrücklich keine Gefechtshandlungen beziehungsweise das Schießen geübt werden. Wie heißt es doch bei Wolf Biermann: "Frieden, das ist manchmal, wenn Armeekarawanen nachts dich tote Straßen tranen" und "Frieden, das ist manchmal nur die Angst vorm Krieg".

Gelungene Integration

Das Panzergrenadierbataillon aus Havelte gehört zur Mechanisierten Brigade 43, die seit 2016 in die deutsche 1.Panzerdivision der Bundeswehr integriert ist.

Noch Fragen zur Übung?
Bürger können sich an das zuständige Landeskommando Sachsen unter Tel. 0351 - 8 23 42 35 wenden.

Kulturzuschlag:
Hundert Mann und ein Befehl

Tipp:
Auf dem Weg nach Litauen geht es durch Polen und die Polen reagieren verdammt sensibel auf Einmärsche, ob nun aus Richtung Osten oder Westen. Vor diesem Hintergrund, so wird kolportiert, hat das Ordnungsamt in Sagan (Żagań) im Lebuser Land (Woiwodschaft Lebus) Panzer der US-Army ausgebremst und zum Rückzug gezwungen.

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  • Quelle: red | Fotos: Bundeswehr/Anne Weinrich
  • Erstellt am 28.01.2022 - 17:28Uhr | Zuletzt geändert am 28.01.2022 - 18:30Uhr
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