Die guten Seiten der Politik

Die guten Seiten der PolitikGörlitz, 27. Mai 2021. Wahljahre sind gute Jahre, denn Politiker und Parteien setzen auf Wohltaten. Nun sind das, wie regelmäßig betont wird, Herzenssachen, aber als Nebeneffekt ist die eine oder andere Wählerstimme sicherlich willkommen. So hat der Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel (AfD) ins Portemonnaie gefasst: "Auch in diesem Jahr spende ich gerne wieder einen Beitrag für unseren traditionsreichen Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn-Verein. Es ist wichtig, dass wir die Identifikation mit unserer Stadt pflegen und für unsere Kinder bewahren." Die Mitglieder des CDU-Kreisvorstandes haben sich in ihrer jüngsten digitalen Kreisvorstandssitzung hingegen für den Erhalt des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau mit all seinen Standorten und Sparten ausgesprochen.

Abb. oben: Das Zittauer Haus des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau

Foto: © Zittauer Anzeiger

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CDU-Kreisverband Görlitz für Erhalt aller Theaterstandorte

CDU-Kreisverband Görlitz für Erhalt aller Theaterstandorte

Das Theater auf dem Görlitzer Demianiplatz wir auch "die kleine Semperoper" genannt

Foto: © Görlitzer Anzeiger

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Für den Erhalt des bedeutenden Theaters muss man aktiv eintreten, wie das Vorgeplänkel verdeutlicht: Eine Lenkungsgruppe aus Vertretern der jeweils von Landräten mit CDU-Parteibuch geführten Landkreisverwaltungen Görlitz und Bautzen sowie aus Vertretern der Stiftung für das sorbische Volk / Załožby za serbski lud hatte eine Studie zur "Identifizierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit sowie Realisierung von Synergieeffekten der Theater des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesiens" beauftragt, deren Ergebnis der Vorschlag für ein in seinen kulturstrukturellen Auswirkungen katastrophales Sparkonzept, stellenweise besser Streichkonzert zu nennen, war.

Der unsensible Umgang mit der Oberlausitzer Theaterlandschaft stieß umgehend auf Gegenwehr, es gab "Theater ums Theater", wie der Görlitzer Anzeiger am 22. April 2021 titelte. Das muss auch dem Görlitzer CDU-Kreisverband aufgefallen sein, der sich umgehend positionierte und forderte, man müsse die Theaterstandorte erhalten und ausbauen.

Das haben nun Mitglieder des CDU-Kreisvorstandes Görlitz auf ihrer jüngsten digitalen Kreisvorstandssitzung einmütig bekräftigt: Neben dem Erhalt des Gerhart-Hauptmann-Theaters mit allen seinen Standorten und Sparten soll das Angebot besonders im nördlichen Teil des Landkreises ausgebaut werden. Natürlich darf der Hinweis auf den Strukturwandel nicht fehlen, in dessen Kerngebiet Kultureinrichtungen und Veranstaltungsorte, so der Kreisverband, besser genutzt werden sollen. Der Strukturwandel ist eine große Sache und schon der kleinste Beitrag, etwa neue Schiedrichter-Trikots, um nur ein Beispiel zu nennen, hilft beim Ausstieg aus der Kohlewirtschaft.

Der CDU-Kreisvorsitzende Florian Oest begründete seine Unterstützung für die Oberlausitzer Theaterlandschaft so: "Das Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau hat eine 200-jährige Tradition und ist mit seinen verschiedenen Aufführungsorten und Programmangeboten ein ganz wichtiger Standortfaktor für unseren Landkreis. Es ist Unterhaltungs- und Bildungseinrichtung zugleich. Deshalb müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, um das Gerhart-Hauptmann-Theater mit seinen Standorten und Sparten zu erhalten und das Angebot sogar auszubauen. Besonders im nördlichen Teil des Landkreises wünsche ich mir verstärkt Angebote. Aus eigener Kraft können wir die Finanzierung in den nächsten Jahren nicht sicherstellen. Wir brauchen die Unterstützung des Freistaates Sachsen."

Da ist sich Oest einig mit dem Zittauer CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Meyer, der sich für die Entlastung der ländlichen Kulturräume und die Erhöhung des sächsischen Kulturetats auf insgesamt 541,9 Millionen Euro sowie die Aufstockung von Investitionsmitteln einsetzt: "Eine Streichung dieser Landesmittel, wie zuletzt von der AfD beantragt, halte ich für völlig falsch. Wir brauchen eine ausreichende finanziell Grundlage, um das Theater zukunftsfest zu machen und müssen nun gemeinsam um Lösungsansätze für Strukturveränderungen ringen." Tatsächlich hatte Mario Kumpf (AfD) am 19. Mai 2021 im Sächsischen Landtag beantragt, die Landesmittel für Theater zu streichen. Politik hat eben mehrere Seiten.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger, © Ziitauer Anzeiger
  • Erstellt am 27.05.2021 - 10:12Uhr | Zuletzt geändert am 27.05.2021 - 11:25Uhr
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