Europastadt gedenkt des Kriegsendes

Europastadt gedenkt des KriegsendesGörlitz-Zgorzelec, 9. Mai 2021. Der Tag der Befreiung, der in Deutschland am 8. Mai und in Russland als Tag des Sieges am 9. Mai begangen wird, ist auch im Verhältnis zu Polen, auf dessen Vernichtung als Staat sich beide Seiten zunächst geeinigt hatten, wichtig. Zu erinnern ist zudem daran, dass noch im April 1945 tausende polnische und deutsche Soldaten in der Schlacht um Bautzen ihr Leben verloren.

Abb.: Kranzniederlegung an der Kriegsopfergedenkstätte auf dem Städtischen Friedhof, von links Marta Wyspiańska, Frank Seibel, Vorsitzender des Meetingpoint Music Messiaen e.V., Oberbürgermeister Octavian Ursu und Evelin Mühle, Leiterin des Städtischen Friedhofs

Foto: Stadtverwaltung Görlitz

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Freundschaft in historisch kurzer Zeit

Freundschaft in historisch kurzer Zeit

Oberbürgermeister Octavian Ursu und sein Zgorzelecer Amtskollege Rafał Gronicz lassen als Symbol der Freundschaft weiße Tauben steigen – es sind Friedenstauben, wie sie der Kommunist und Künstler Pablo Picasso (1881-1973) gemalt hatte und seit dem ersten Weltfriedenskongress 1949 zu jedem der folgenden lieferte; die Geschichte der Picasso-Friedenstaube kann man auf artinwords.de nachlesen

Foto: Stadtverwaltung Görlitz

Oberbürgermeister Octavian Ursu, Bürgermeister Rafał Gronicz sowie Ola Grochowski vom Meetingpoint Music Messiaen kamen gestern auf der Altstadtbrücke, die Görlitz und Zgorzelec verbindet, zusammen und haben an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa erinnert.

In seiner Ansprache auf der Altstadtbrücke betonte Oberbürgermeister Ursu: "In den vergangenen Jahren haben beide Städte, Görlitz und Zgorzelec, viel dafür getan, Brücken zu bauen. Was könnte mehr verdeutlichen, welcher Wandel sich in den vergangenen 76 Jahren vollzogen hat, als dass wir heute stellvertretend für unsere Städte gemeinsam auf dem Wahrzeichen unserer Europastadt – der Altstadtbrücke – stehen. Wir sind längst Partner, ja Freunde, auch weil wir unsere Verantwortung für die Geschichte ernst genommen haben."

Als Zeichen der Freundschaft und des Friedens ließen die Stadtoberhäupter Friedenstauben fliegen. Wegen der Corona-Pandemie fanden die Veranstaltungen im kleinen Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Görlitz als Schauplatz der Geschichte

Im Bezug auf das Nachkriegsverhältnis von Deutschen und Polen war Görlitz immer ein wichtiger Schauplatz, zunächst als geteilte Stadt infolge der auf der Potdamer Konferenz beschlossenen deutsch-polnischen Grenzziehung entlang der Oder-Neiße-Linie im Zuge der Westverschiebung Polens, die im sowjetsichen Interesse lag, und dann durch den 1950 geschlossenen Görlitzer Vertrag, in dem die "DDR" unter Druck aus der Sowjetunion dieser Grenzziehung zustimmte.

Die alte Bundesrepublik erkannte die Oder-Neiße-Linie erst zwanzig Jahre später unter der SPD-geführten Regierung von Willy Brandt im Warschauer Vertrag an – vorbehaltlich einer neuen Friedensregelung. Endgültig bestätigt wurde die Grenzziehung, mit der die deutschen Ostgebiete abgesehen von Königsberg (Kaliningrad), dem polnischen Staat zugeschlagen wurden, erst mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990.

P.S.: Herzlichen Glückwunsch an Bürgermeister Rafał Gronicz, der heute Geburtstag feiert!

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  • Quelle: red | Fotos: Stadtverwaltung Görlitz
  • Erstellt am 09.05.2021 - 11:38Uhr | Zuletzt geändert am 09.05.2021 - 12:50Uhr
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