Bürgeranliegen auf den Punkt bringen

Bürgeranliegen auf den Punkt bringenGörlitz, 29. Juli 2020. Wie wohltuend ist es doch, wenn eine politische Interessengruppe nicht nur Forderungen aufmacht, sondern nach Ergebnissen strebt – ganz gleich, wie es ausgeht. Das hilft, schwelende Diskussionen auf den Punkt zu bringen und damit auch den Frieden in der Gesellschaft zu bewahren. Zwei Beispiele liefert das Kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz, das parteiunabhängig für demokratische und enkeltaugliche Entscheidungen eintritt.

Wer hat einen Plan? An der Diskussion rund um das Helenenbad beteiligten sich wichtige Wegbegleiter der "Helene". Dazu gehört Heiderose Starke (rechts im Bild): Die Gartenarchitektin war Anfang der Neunzigerjahre an der Modernisierung des Helenenbades beteiligt

Foto: Paul Glaser, glaserfotografie.de

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Helenenbad und Haltepunkt Weinhübel entscheidungsreif machen

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Ein bislang schier ewiger Ansatz für Diskussionen unter den Görlitzern ist das Helenenbad, oft nach dem Schema "Die da oben..." Jetzt hat sich das Kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz e.V. der Sache angenommen und das früher beliebte frühere Freibad zu einem Diskussionspunkt auf dem jüngsten Motor-Montag gemacht.

Eine der dabei hochgeblubberten Ideen für die Zukunft des Bades ist – womöglich zum Schrecken investitionsscheuer Kreise – ein Aquapark. Motor-Sprecher Axel Krüger erläutert für alle, die so etwas noch nicht im Urlaub erlebt haben: "Speziell für jüngere Einwohner und Gäste fehlt bisweilen der Spaßfaktor in Görlitz. Ein Aqua-Park könnte die Lücke füllen. Diese Anlagen bestehen aus hochwertigen PVC-Elementen, wie man sie von Hüpfburgen kennt, stehen aber komplett im Wasser. Spielen, rennen, rutschen, klettern – es wäre ein Spaß für jung und alt."

Folgt man dem reizvollen Gedanken für mehr Spaß in Görlitz, dann fehlt halt nur noch ein Investor, der das Helenenbad-Areal zum Aqua-Park entwickelt. Know-how dafür existiert in der Region Görlitz: Die Künstlerische Holzgestaltung Bergmann GmbH aus der "Geheimen Welt von Turisede" bei Görlitz liefert Elemente wie Rutschentürme für Aquaparks in Größenordnungen beispielsweise nach Frankreich.

Doch der Aqua-Park war nur eine von vielen Ideen, die von den rund 30 Teilnehmern des Motor-Montag-Abends diskutiert wurden. Wie soll die Zukunft der "Helene" generell aussehen? Geht es nach dem Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu, übernimmt die stadteigene Wohnungsgesellschaft KommWohnen das Gelände in seiner jetzigen Form und lässt ihm lediglich Pflege angedeihen. Diesem Plan, der sich wohl an den geringstmöglichen Kosten orientiert, konnten die Teilnehmer des Abends durchaus Positives abgewinnen, wünschen sich aber unverhohlen, dass die eine oder andere Sportanlage zusätzlich errichtet wird, etwa für Freizeitkicker. Gemunkelt wurde, dass es bereits Planungen für einen Ballspielplatz im ehemaligen Schwimmbecken geben soll. Die gewöhnlich gut informierten Kreise von Motor Görlitz halten es für möglich, Fördermittel ins Spiel zu bringen.

Eine andere Option als ein Aquapark oder die endgültige Trockenlegung des Schwimmbeckens ist der Ausbau zu einem Naturbad. Die Voraussetzungen in Bezug auf in Görlitz lebende Naturschönheiten, Geländegröße, Topografie und Wasservorkommen sind vor Ort günstig. Wie hoch die Kosten für die nötigen Investitionen und den späteren Betrieb wären, muss nun eine Prüfung der Görlitzer Stadtverwaltung zeigen. Diese wurde vom Stadtrat auf Antrag der Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne beschlossen. Die Verwaltung soll unter Einbeziehung der Bürgerschaft drei Varianten prüfen: Betrieb wie bisher, Reaktivierung als Freibad und alternative Nutzung.

"Natürlich gibt es bei vielen Görlitzern den Wunsch, dass das Helenenbad wieder ein richtiges Freibad wird. Wenn nach der Prüfung herauskommt, dass das aufgrund von Aufwand und Kosten nicht zu stemmen ist, dann ist das auch ein wertvolles Ergebnis", unterstrich in diesem Zusammenhang Mike Altmann, der Fraktionsvorsitzende von Motor/Bündnisgrüne. Anders gesagt: Jedes Ergebnis ist besser als immer wieder neu aufflackernde Diskussionen.

Fakten sammeln für den Bahnhaltepunkt Weinhübel

Zweites wichtiges Thema der öffentlichen Motor-Runde war die Bahnstation Görlitz-Weinhübel. Ihr droht das fantasieloseste aller Schicksale: der Abriss. Begründet wird das damit, dass der Zug künftig runde dreieinhalb bis vier Kilometer weiter am Berzdorfer See auf Höhe Deutsch Ossig halten halten soll, was aber nach Meinung vieler keinen Ersatz für den Weinhübler Haltepunkt darstellen kann.

Der in seiner Gesamtheit weise Görlitzer Stadtrat hat Oberbürgermeister Ursu entsprechend beauftragt, sich der Angelegenheit noch einmal anzunehmen und zu prüfen, ob der Erhalt des Bahnhofs Weinhübel beziehungsweise der dortigen Haltstation nicht doch sinnvoll wäre. Dabei spielen aktuelle und wachsende Trends wie weg vom Individualverkehr zweifelsohne eine Rolle. Um die Verwaltung bei der Prüfung zu unterstützen, will Motor Görlitz mit weiteren Mitstreitern nun Fakten und Argumente sammeln.

Zu viele Fragen sind aus Motor-Sicht bislang nur ungenügend geklärt: Wie viele Bahnfahrer betätigen sich in Weinhübel tatsächlich als Aus- oder Einsteiger? Wie wurden die bisherigen Zahlen erfasst? Können die für den Halt nötigen zwei Minuten wirklich nicht herausgefahren werden, obwohl sich die Fahrzeit seit 2016 zwischen Horka und Hagenwerder um vier Minuten reduziert hat, der polnische Streckenteil nunmehr modernisiert ist und mehr als Tempo 60 ermöglicht? Wurde die Entwicklung rund um den Bahnhof Weinhübel – Unternehmen haben sich angesiedelt, ein Multiplex-Kulturzentrum ist entstanden – bei der Bedarfsplanung berücksichtigt?

Motor Görlitz wünscht sich auf solche und andere Fragen belastbare Antworten geben. Damit der Prozess um das für und wider zum Bahnhof Görlitz vorangetrieben wird, will sich der in Bahnhofsnähe gelegene Kultur-Hotspot Kühlhaus Görlitz mit den anderen Anliegern wie den Görlitzer Werkstätten und den DPFA-Schulen zusammenschließen und die Bürgerschaft einbeziehen. So könnte etwa nach der Sommerpause im Görlitzer Stadtrat ein Antrag auf eine öffentlichen Anhörung gestellt werden.

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  • Quelle: red | Foto: Paul Glaser, glaserfotografie.de
  • Erstellt am 29.07.2020 - 10:44Uhr | Zuletzt geändert am 29.07.2020 - 12:09Uhr
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