Görlitzer Motor hat neue Zündkerzen

Görlitzer Motor hat neue ZündkerzenGörlitz, 30. Juni 2020. Wie schnelllebig die Zeiten doch sind: Es ist, als sei das Kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz e.V. erst gestern gegründet worden – und schon verabschiedet sich mit Mike Altmann einer der Hauptakteure aus dem Vorstand. Wer im Kalender bis zur Vereinsgründung und weiter zurückblättert wird entdecken: Nahezu vier Lebensjahre lang hat er einen enormen Teil seiner Kraft in den Aufbau der parteiunabhängigen Plattform investiert – mit Erfolg.

2018 auf der Gründungsversammlung des Kommunalpolitischen Netzwerkes Motor Görlitz: Links Axel Krüger, daneben mit körpersprachlichem Einsatz Mike Altmann

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Vorstand mit Verstand

Vorstand mit Verstand

Wie Mike Altmann Wahlen gewinnt, ist bislang nur wenigen Görlitzern aufgefallen

Foto/Fakebearbeitung: © Görlitzer Anzeiger

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

In Altmanns Fuißstapfen als Vereinsvorsitzender und Sprecher des Kommunalpolitischen Motor-Netzwerks tritt der charismatische Axel Krüger; die Mitgliederversammlung (Fotos von der Mitgliederversammlung: Paul Glaser, glaserfotografie.de) wählte ihn am gestrigen Abend einmütig. Auch neue Vorstände gibt es.

Altmann zieht sich wegen seiner Stadtratstätigkeit ebenso aus dem Vorstand zurückzieht wie die bisheringen Vorstände Andreas Kolley, Dr. Jana Krauß und Danilo Kuscher. Diese Trennung von Amt und Mandat war den vier Stadträten wichtig, eine Rolle spielte auch die zeitliche Belastung.

Der neue Motor-Vorstand

Mit Krüger arbeiten in den kommenden beiden Jahren Juliane Brandt, Anne Raths, Enrico Merker, Raimund Kohli, Stefan Hoffmann und Paul Glaser als Motor-Vorstände.

Fokus Bürgerbeteiligung

Als erstes wollen die Verantwortungsträger die Sommerzeit nutzen, um die nächsten Höhepunkte planen. Seinen Interessen und Neigungen folgend will Krüger diese eminent wichtige Planungsphase mit Grillfesten garnieren.

Doch nicht nur die Beteiligung an Grill- und Sommerfesten, sondern der weitere Ausbau der Bürgerbeteiligung in Görlitz insgesamt soll im Mittelpunkt stehen. Neuvorsitzender Krüger betrachtet das als kontinuierlichen Fortschrittsprozess: "Ich sehe Görlitz als eine lernende Stadt. Auch Beteiligung an Entscheidungen muss geübt werden. Das beginnt bei den Informationen, was alles möglich ist, und reicht bis zur Frage, welche Strukturen es benötigt, damit die Görlitzer regelmäßig und frühzeitig einbezogen werden."

Wählervereinigung? Nein danke.

Das Kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz e.V. versteht sich auch weiterhin nicht als Wählervereinigung, sondern als eine parteienunabhängige Plattform, die die demokratische Beteiligung in der Neißestadt stärken möchte. Dem Verein gehören derzeit rund 40 Mitglieder an.

Glück- und Erfolgswünsche gab es bereits von Südstadt-Bürgerrat und goerlitz21-Vereinsvorstand Daniel Breutmann, der sich besonders freut, mit Juliane Brandt eine Südstädterin im Netzwerkvorstand zu wissen.

Die Spur der Motoristen

Wer im frei zugänglichen Online Archiv des Görlitzer Anzeigers – wer suchet, wird es finden – etwas nachgräbt, der findet um die 60 Beiträge im Zusammenhang mit Motor Görlitz, vom dazugegebenen Senf über Stellungnahmen und Unterstützungen bis zur erfolgreichen Initiative. Stichworte sind ohne jeden Anspruch auf Wichtung und Reihenfolge der Fußballplatz in Hagenwerder, die ewige Stadthalle, der Stadtrat samst seiner Fraktionierung, die Görlitzer Oberbürgermeisterwahl, die Landtagswahl, die Kulturentwicklungsplanung für Görlitz, das Helenenbad, die Säuberung der Neiße an der Uferstraße, der Denkmalschutz in der Gründerzeitstadt, das Lausitz-Festival, der Segelsport am Berzdorfer See, die unglückliche Namensgebung für die Sporthalle an der Jägerkaserne – offenbar gibt es kein Görlitzer Thema, das die Kommunalmotoristen nicht berührt. Ergänzt wird das Engagement durch die thematischen Motor-Montage, die hoffentlich bald wieder aufleben.


Kommentar: Was das Kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz so interessant macht

Als Erstes natürlich die Tatsache, weder Partei noch Wählerplattform zu sein. Während Parteien sich schon den Vorwurf gefallen lassen müssen, für ihr Politmarketing einesteils immer größere Scheuklappen zu tragen und andererseits zu versuchen, sich gegenseitig Themen zu stibitzen – wenn sie nicht krampfhaft versuchen, welche zu finden
*) – haben Netzwerker derlei Verhalten nicht nötig: Hier steht Sacharbeit im Vordergrund.

Als Zweites fällt die Altersstruktur auf: Vertreten ist vor allem gesundes Mittelalter, also Leute, die im Leben noch etwas vorhaben, sich aber die Hörner schon ein wenig abgestoßen haben, positiv gesagt: Erfahrungsträger sind. Da bei Motor Görlitz eine Parteikarriere unmöglich ist, entfällt das ständige Schaulaufen der Aufstiegswilligen und auch das Peter-Prinzip will nicht funktionieren.

Hin und wieder erinnert mich das Görlitzer Kommunalpolitische Netzwerk an den heute satirisch Regierung genannten Aktionsausschuss der Freien Republik Schwarzenberg: Da haben ein paar Leute die Situation und die Notwendigkeit zum Handeln erfasst und sich entsprechend engagiert. Allerdings wie in Schwarzenberg den Bürgermeister zu verhaften, so weit wird es in Görlitz – soweit absehbar – nicht kommen, weil's ja keiner will,

hofft Ihr Thomas Beier



*) Nun will der Görlitzer Anzeiger diesen Ausschnitt einer am 4. Juni 2020 eingegangenen Pressemitteilung zu vermutlich das Gemeinwohl gefährdenden Ereignissen unter augenscheinlich britischer Beteiligung auf dem Görlitzer Wochenmarkt doch nicht vorenthalten, Zitat:

Bereits im Herbst 2019 sind der AfD-Fraktion Ungereimtheiten aufgefallen: Auf den für die Marktleitung reservierten Stellplätzen waren Schilder "Nur für Hotelgäste" angebracht, offenkundig für Gäste eines benachbarten Hotels. Es konnte festgestellt werden, dass ein Gesellschafter der Wochenmarkt GbR auch in den Betrieb des Hotels involviert ist. Erst auf Druck der AfD-Fraktion kam die Stadt ihren Aufgaben nach und prüfte den Sachverhalt. Die Schilder sind zwar seit Anfang März dieses Jahres verschwunden, trotzdem parkten auf den Parkplätzen unterschiedliche Fahrzeuge mit Kennzeichen aus allen Ecken Deutschlands und sogar eines mit britischen Kennzeichen. Da die Wochenmarkt GbR aus drei Personen besteht, kann ausgeschlossen werden, dass sie derart viele Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen im Fuhrpark hat. Es liegt der Verdacht nahe, dass die der Marktleitung von der Stadt zur Verfügung gestellten Parkplätze zweckentfremdet den Hotelgästen zur Nutzung überlassen werden. Hinzu kommen die Unzulänglichkeiten, über welche die Presse bereits berichtet hat. Das Maß ist voll – die Stadt muss endlich handeln!
– Zitat Ende –

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 30.06.2020 - 12:35Uhr | Zuletzt geändert am 30.06.2020 - 21:53Uhr
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