Geld fürs Schlesische Museum zu Görlitz

Geld fürs Schlesische Museum zu GörlitzDresden | Görlitz, 24. Juni 2020. Manchmal trifft's ja auch die Richtigen: Die Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz bekommt 10.500 Euro aus dem sächsischen Haushalt. Das hat der Haushalts- und Finanzausschuss des Sächsischen Landtages bewilligt, wie die Bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Franziska Schubert mitteilt.

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

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Franziska Schubert, MdL, zur Entscheidung des Landtags

Hintergrund: Der Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz fehlen Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Vermietungen und aus Verkäufen des Museumsladens der letzten Monate. Der Museumsbetrieb läuft erst langsam wieder an, die geringen Besucherzahlen führen zu Einnahmeverlusten. Allerdings dürfte das eine Situation sein, in der sich alle Museen befinden, ganz egal, in welcher Trägerschaft, dürfen sie nicht vergessen werden.

Franziska Schubert, Görlitzer Abgeordnete und haushalts- und finanzpolitische Sprecherin im Sächsischen Landtag, kommentierte die Entscheidung zugunsten des Schlesischen Museums so: "Die Situation ist nicht einfach: Für Mai und Juni als besucherstärksten Monaten fehlen zirka 14.000 Euro allein an Einnahmen, hinzu kommen die Ausfälle beim Museumsladen. Insgesamt reden wir von geschätzten 21.000 Euro, die fehlen."

Bund in der Pflicht

Schubert weiter: "Wir haben auf den Hilferuf aus Görlitz reagiert und umgehend Hilfe bewilligt. Ich freue mich sehr, dass wir die Corona-Hilfen in Höhe von 10.500 Euro für das Schlesische Museum heute im Haushalts- und Finanzausschuss bewilligt haben. Weitere Hilfe erwarte ich von Seiten des Bundes, da sich Bund und Land in die Finanzierung des Museums teilen."

Für sie ist das Museum eine bedeutsame Einrichtung: "Das Schlesische Museum gehört zu Görlitz wie die Altstadtbrücke zur Europastadt. Das Museum hat einen festen Platz im Herzen vieler Görlitzerinnen und Görlitzer und ist ein Besuchermagnet für viele Touristen. Es zeigt und vermittelt seit vielen Jahren unsere regionale und vor allem europäische Geschichte zwischen Polen, Deutschland und Tschechien. Durch seine Ausstellungen und Veranstaltungen ist es seit langem weit über die Landesgrenzen bekannt und angesehen sowie eine wichtige Anlaufstelle für Interessierte und Forschende zur schlesischen Geschichte."


Kommentar:

Die Aufgabe, der sich das Schlesische Museum zu Görlitz stellt, ist durchaus diffizil: Es gehört zu jenen Einrichtungen, die die schlesische Kulturgeschichte bewahren, die Geschichte eines Landes, das die Deutschen mit ihrem Krieg, mit dem sie letztlich die halbe Welt überzogen, verloren haben. Müßig ist die Diskussion über die berechtigten oder unberechtigten Interessen der Sowjetunion bei der Ostverschiebung Polens – es ist, wie es ist, ertragenes Leid lässt sich nicht mehr rückgängig machen, sondern nur für die Zukunft vermeiden.

Gerade in der Dreiländerregion mit ihrer wechselhaften Geschichte sollte es in einem einigen Europa – Wer erinnert sich an das beschworene Europa der Regionen? – ziemlich egal sein, welcher Nation ein Landstrich zugeschlagen wurde, welcher Staat den Bewohnern seine Verwaltung aufdrückt, so lange es nur demokratisch und freiheitlich zugeht.

Doch so einfach ist es in praxi nicht: Obgleich die Kinder und Enkel der einst geflüchteten oder vertriebenen Schlesier im Gros schlau genug sind, nicht mehr dorthin zurückzuwollen, wird die nationale Karte auf beiden Seiten immer wieder gern ausgespielt. Und so bewegt sich auch das Schlesische Museum zu Görlitz in Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Dokumentation, polnischer Entdeckung auch deutscher Vorgeschichte und neu aufkeimendem Nationalismus.

Unter diesem Aspekt ist das Schlesische Museum zu Görlitz eine wichtige Instanz, die lehrt, mit den historisch aufgebauten Widersprüchen dieser Welt umzugehen – es vermittelt eine Heimat ohne Heimattümelei,

meint Ihr Thomas Beier


Mehr:
Im Projekt "Stefan-Heym-Heymat" berichtet Ingo Andratschke über das Leben in und die Vertreibung aus Jägerndorf (Krnov) in Österreichisch-Schlesien.

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  • Quelle: red / Kommentar: Thomas Beier | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 24.06.2020 - 15:15Uhr | Zuletzt geändert am 24.06.2020 - 15:53Uhr
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