Stadt Görlitz zur Corona-Pandemie

Stadt Görlitz zur Corona-PandemieGörlitz, 27. März 2020. Auf der gestigen Görlitzer Stadtratssitzung wurde die nachstehende Erklärung verabschiedet. In ihr wird an Solidarität und Vernunft im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie appelliert. Wie nötig das ist, zeigt der Kommentar.

Das Görlitzer Rathaus im Blick aus der Brüderstraße

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

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Erklärung des Oberbürgermeisters und des Stadtrates der Stadt Görlitz

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Liebe Görlitzerinnen und Görlitzer,

die aktuelle Situation rund um die Covid-19 Pandemie stellt uns derzeit alle vor große Herausforderungen. Durch das Coronavirus wird unser alltägliches und gewohntes Leben stark eingeschränkt – mit Auswirkungen, die niemand von uns noch vor wenigen Wochen so vorausgesehen hätte.

Nur solidarisch und durch vorübergehenden Verzicht jedes Einzelnen besteht die beste Möglichkeit, die Gefahr einzudämmen und abzuwehren. Wir alle sind mit Menschen verbunden, die zu uns gehören und die möglicherweise zu den Risikogruppen gehören. Es ist Gebot der Zeit, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln und viele Gewohnheiten vorübergehend zu verändern. Das kommt allen zugute, auch jedem höchst persönlich. Denn niemand möchte wohl in dieser Zeit, aus welchen gesundheitlichen Gründen auch immer, auf ein überlastetes Gesundheitssystem stoßen.

Vor dem Hintergrund, dass in Medien wie in sozialen Netzwerken teilweise Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Coronavirus immer noch nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und klaren Haltung dargestellt werden, gestatten Sie uns eine Bitte: Verfolgen Sie weiterhin aufmerksam die fortlaufenden Informationen auf den offiziellen Internetseiten, in erster Linie die der Stadt Görlitz, des Landkreises Görlitz und des Freistaates Sachsen.

Wir appellieren an Sie, liebe Görlitzerinnen und Görlitzer: Reduzieren Sie, wo immer es geht die Anzahl, Länge und Intensität Ihrer physischen Kontakte. Achten Sie auf sich selbst und Ihre Mitmenschen. Nehmen Sie nur noch solche Termine wahr, die unbedingt notwendig sind. Bitte sprechen Sie mit Menschen in Ihrem Umfeld über den Ernst der aktuellen Lage und machen Sie mit Nachdruck deutlich, wie wichtig für uns alle Rücksicht und Verhalten, das Ansteckung vermeidet, derzeit ist. Auch die Stadtverwaltung Görlitz und wir als Stadträtinnen und Stadträte handeln so, um im Interesse unserer Stadt möglichst leistungsfähig zu bleiben.

Gemeinsam können wir alle aktiv etwas dazu beitragen, unser Gesundheitssystem zu entlasten. Vor allem ältere Menschen und welche mit Vorerkrankungen sollten dieser Tage nicht vor die Tür gehen, nicht einmal zum Einkaufen. Schauen Sie bitte, wer in Ihrer Nachbarschaft jetzt Unterstützung braucht und helfen Sie einander!

Bitte gehen Sie solidarisch miteinander um, vermeiden Sie Hamsterkäufe, teilen Sie die Güter des täglichen Lebens fair miteinander. Helfen Sie älteren und kranken Menschen und stützen Sie sich gegenseitig in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft. Wir werden diese Ausnahmesituation nur gemeinsam in gegenseitigem Respekt und Vertrauen überwinden können.

Unser besonderer Dank gilt dem medizinischen Personal und den Pflegekräften, den Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen bei der Feuerwehr, den Rettungsdiensten und dem Katastrophenschutz, der Landes- und der Bundespolizei, der Bundeswehr, den Beschäftigten in Bäckereien, Fleischereien, Apotheken, Lebensmittelmärkten und im sonstigen Handel sowie der Ver- und Entsorgungsunternehmen. Aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im öffentlichen Personennahverkehr, im Sozial- und Erziehungsbereich, im Handwerk, in den Behörden sowie den Unternehmerinnen und Unternehmern, die unter den aktuell schwierigen Bedingungen ihrer Arbeit nachgehen.

Unsere Gedanken und unsere Solidarität gelten auch all denen, die aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht arbeiten können. Danke auch an alle Eltern, die zusätzlich zur Arbeit die komplette Kinderbetreuung stemmen und an alle, die älteren Familienmitgliedern und Nachbarn helfen.

Unterstützen Sie bitte unsere lokale und regionale Wirtschaft. Viele unserer Gastronomiebetriebe und Geschäfte bieten Lieferservices an, und es können Gutscheine erworben werden. Nicht zuletzt: Es wird hoffentlich bald wieder eine Zeit der Normalität und des Alltags in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec geben. Viele Einkäufe und Anschaffungen lassen sich bis dahin aufschieben, um den Görlitzer Handel und die Görlitzer Gastronomie zu unterstützen.

Liebe Görlitzerinnen und Görlitzer, wir wollen alle gemeinsam weiterhin diszipliniert sein und zusammenhalten: In den Familien, mit den Arbeitskolleginnen und -kollegen, in der Nachbarschaft und mit unseren polnischen Freunden in Zgorzelec.

Bleiben Sie ruhig und besonnen, gesund und zuversichtlich!

Der Oberbürgermeister und der Stadtrat der Stadt Görlitz

Görlitz, 26. März 2020
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Informationen zur Pandeme mit dem Coronavirus



Kommentar

Klar kann man sagen: Diese Ratschläge zum Verhalten während der Corona-Pandemie habe ich begriffen, wozu immer wieder wiederholen? Offenbar jedoch trifft dies nur auf einen Teil der Bürger zu, denn bei nicht wenigen scheint kaum etwas angekommen. Etwa bei dem Mann, der vor wenigen Tagen dabei zu beobachten war, wie er bei einem Discounter die Tomaten auf zwei Stiegen Stück für Stück anfasste, um dann drei auszuwählen. Oder die Einladung zur Dienstbesprechung aus weder wichtigem noch dringendem Anlass. Oder die Begrüßung per Handschlag.

Am erschreckendsten erscheinen mir jedoch jene Mitbürger, die nun die Corona-Pandemie mit einer normalen Grippewelle vergleichen, die damit argumentieren, dass das Durchschnittsalter der Coronatoten der durchschnittlichen Lebenserwartung entspräche oder sie das alles nichts angehe, weil sie doch noch jung seien. Soll man etwa Leute sterben lassen, weil sie ein bestimmtes Alter erreicht haben? Das ist Nazi-Ideologie in Reinkultur. Geht's noch?

Wer glaubt, die Corona-Pandemie beträfe ihn nicht, weil er oder sie noch jung sei, sollte zur Kenntnis nehmen: Wenn Du Dich infizierst, wirst Du das wahrscheinlich schadlos überstehen. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wirst Du andere infizieren und so zum Ausgangspunkt neuer Infektionsketten werden, die es wiederum wahrscheinlicher machen, dass Alte und Risikogruppen infiziert werden, schwer erkranken und vielleicht daran sterben In meiner Verwandtschaft jedenfalls sind viele älter als 65 oder gehören zur Risikogruppe der Vorerkrankten. Aber die haben alle noch ein ganzes Stück Leben vor sich, wenn wir die Pandemie im Griff behalten. Außerdem geht es generell darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Wer nichts kapiert, neigt zu Verschwörungstheorien und dazu, aus jedem Unsinn ein Körnchen Wahrheit picken zu wollen. Deshalb ist es wichtig, sich aus seriösen Quellen zu informieren – und die können durchaus unabhängig sein, wie etwa dieser Beitrag von Tomas Pueyo "Coronavirus: Der Hammer und der Tanz" in der deutschen Übersetzung, der sehr gut erklärt, wie die aktuellen Pandemiemaßnahmen helfen, die Folgen in den Griff zu bekommen. Kernaussage: Nur wenige Wochen mit starken Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus lassen den Höhepunkt der Infektionswelle deutlich abflachen, zu angemessenen Kosten und zur Rettung von Millionen Menschenleben.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein kritischer Beobachter von Prozessen in Politik und Gesellschaft bin, aber ich möchte ganz deutlich sagen: Es gibt keinen Grund, in der Corona-Krise der Wissenschaft sowie dem Regierungs- und Verwaltungshandeln zu misstrauen. Misstrauen gehört dahin, wo Misstrauen geboten ist,

meint Ihr Thomas Beier


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  • Erstellt am 27.03.2020 - 06:58Uhr | Zuletzt geändert am 27.03.2020 - 07:57Uhr
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