Schubert sieht Chancen für Görlitzer Wirtschaft

Schubert sieht Chancen für Görlitzer WirtschaftGörlitz, 28. Mai 2019. Görlitz ist – bei aller zaghafter Dynamik – auch eine Stadt der Traditionsunternehmen. Dazu zählen große wie das heutige Bombardier-Waggonbauwerk, das am 25. Mai die 170 Jahre seines Bestehens feierte, und die unauffälligen wie die Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei Helmut Goltz, die seit 1836 – seit 183 Jahren! – als Familienunternehmen in nunmehr siebenter Generation besteht, wohlgemerkt als Einzelunternehmen, also mit unbeschränkter persönlicher Haftung des Inhabers.
Abbildung: Das Haupttor des Bombardier-Werkes in Görlitz

Neues Wachstumsfeld: Batterie-Recycling in der Region Görlitz

Franziska Schubert, Oberbürgermeisterkandidatin für Görlitz in dem nach dem ersten Wahlgang vom 26. Mai verbliebenen, höchst ungleichen Kandidatentrio, hat sich bereits am 22. Mai 2019 in Görlitz mit Jan Otto, dem 1. Bevollmächtigten und Geschäftsführer der IG Metall Ostsachsen, getroffen. Thema des Gesprächs war der Industriestandort Görlitz, insbesondere seine Zukunftsfähigkeit.

Schubert verbindet mit Görlitz klare wirtschaftliche Ziele: "Mein Ziel ist es, in Görlitz gut bezahlte, gut tarifierte Arbeitsplätze im Industriebereich zu halten und zu helfen, diese auszubauen. Der Strukturwandel und die wirtschaftlichen Trends, die sich im Zuge der Energiewende entwickeln, sind ein ideales Zeitfenster. Innovation und Nachhaltigkeit sind ausschlaggebend für den Industriestandort Görlitz. Wir knüpfen an dem an, was wir haben und führen es in Richtung moderne Zukunft." Schubert hat erkannt, dass in Bezug auf das Zukunftsthema Mobilität in Görlitz und Ostsachsen mittlerweile die gesamte Produktionskette abgebildet werden kann und erwähnt in diesem Zusammenhang die Hochschule Zittau-Görlitz, das Batteriewerk in Kamenz bis hin zu Bombardier und Siemens.

Den Beschäftigten bei Bombardier macht sie Mut, indem sie das Görlitzer Werk mit dem Waggonbau in Niesky vergleicht: "Bei Bombardier gilt es, die lokale Fertigungstiefe zu stärken. Die schweren letzten Jahre und aktuellen Herausforderungen sind nicht ohne. Es ist zu wenig investiert worden am Standort Görlitz von Seiten der Konzernleitung, die nicht vor Ort sitzt. Gerade der Waggonbau ist jedoch ein Wirtschaftszweig, der im Zuge der Energiewende neue Fahrt gewinnt und Potenziale birgt. Beim Waggonbau in Niesky haben wir gesehen, dass das möglich ist. Hier wird mittlerweile die Beschäftigtenzahl wieder erhöht. Die Schienenbranche muss, auch durch Bund und Länder, gestärkt werden. Mobilität ist ein Hauptfaktor in der Energiewende! Das gilt es, umzumünzen in innovative Produktion und gute Arbeit."

Bei Siemens Görlitz sei zum Beispiel im Interessenausgleich vereinbart, dass "grüner Wasserstoff" mit Komponentenfertigung (der sogenannte Hydrolizer) am Standort Görlitz ein Schwerpunkt sein wird. Schubert: "Es kommt darauf an, die Chancen am Schopfe zu packen und einzusteigen in diese Wirtschaftsfelder. Dann haben beide Unternehmen am Standort Görlitz gute Chancen. Unsere Industriebetriebe sind in der Summe Profiteure der Energiewende – es gilt aber, dies aktiv anzupacken und zu gestalten." Schubert steht zudem klar für eine Neuregelung des Vergaberechts zugunsten heimisch produzierender Unternehmen. Es könne nicht sein, dass die Verkehrsverbünde und auch die Deutsche Bahn ihre Züge im Zweifel in China produzieren lassen, obwohl sie hier mit unseren Steuergeldern bezahlt werden. Eine hohe Akzeptanz der Energiewende sei nur möglich, wenn diese Widersprüche aufgelöst werden und sie zugunsten der Beschäftigten die Zukunft baut. Eine Änderung des Vergaberechts – wenn auch schwierig zu erreichen – dürfte auch an den kleineren Unternehmen und den Handwerksbetriebe Musik in den Ohren sein. Schneller spürbar wäre jedoch, wenn eine Oberbürgermeisterin Schubert Ausschreibungen so gestalten lässt, dass die lokalen Unternehmen bessere Chancen haben, zum Zuge zu kommen.

"Ein weiterer spannender Punkt war die Information, dass die IG Metall sich auf allen Ebenen darum bemüht, die Themen Batterie-Recycling und Aufbereitung in die Region zu bringen. Hierbei handelt es sich um einen hoch relevanten Punkt, der frühzeitige Vorbereitung erfordert und auf Dauer viele neue Arbeitsplätze schafft. Wir haben heute weitere Austauschtermine vereinbart", verweist Schubert abschließend auf eine Neuigkeit, die neue Perspektiven eröffnet.

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