Zur Schulsituation und zum Lehrermangel

Zur Schulsituation und zum LehrermangelGörlitz, 4. März 2019. Aus der Flut der täglich eingehenden Meldungen auszuwählen, was im Görlitzer Anzeiger als Bühne für die Region präsentiert werden soll, ist – auch angesichts beschränkter Kapazitäten – nicht immer einfach. Heute haben sich zwei Landtagsabgeordnete, die sich zugleich um den Görlitzer Oberbürgermeisterposten bewerben, zur Bildungssituation für Schüler geäußert.

Zwei Landtagspolitiker, die in Görlitz Oberbürgermeister werden wollen, äußern sich

Thema: Parteien, politische Akteure und Wähler

Parteien, politische Akteure und Wähler

Demokratie lebt von Akteuren, die substantiell zu Meinungsvielfalt beitragen, konsensfähig sind und so handeln, dass möglichst viele einbezogen werden und ein allgemein anerkannter Nutzen für die Gesellschaft entsteht, der über das oft genannte "Zeichen setzen" hinausgeht.

Der Görlitzer Anzeiger gibt, um sich jeder Wertung zu enthalten, beide Meldungen im Wortlaut wieder.

Wippel: Lehrermangel in Ostsachsen besonders dramatisch

Laut der Sächsischen Zeitung ("Schulen können Unterricht nicht absichern", 3. März 2019) sind die Landkreise Görlitz und Bautzen vom Lehrermangel besonders betroffen. Dazu erklärt der Görlitzer AfD-Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel:


"Die Zahl der benötigten Lehrer kann sich eine Regierung Jahre vorher ganz genau ausrechnen und perspektivisch entsprechende Maßnahmen einleiten. Die CDU-geführte Landesregierung hat dies eine halbe Ewigkeit nicht gemacht. Ihr kann daher nur Totalversagen in der Bildungspolitik vorgeworfen werden.
Dieses Versagen geht zulasten unserer Kinder und zulasten der vorhandenen Lehrer, die überansprucht werden und deshalb häufiger krank sind. Dieses Problem allein mit Quereinsteigern lösen zu wollen, wird die Qualität weiter absenken. In Görlitz und Bautzen sind acht von zehn der neuen Lehrer Quereinsteiger. Das kann nicht gutgehen, selbst wenn viele von ihnen sehr engagiert sind.

Eines der Resultate dieser desaströsen Politik ist es, dass in Görlitz noch immer jeder zehnte Schulabgänger keinen Abschluss hat. Diese jungen Leute sind unseren Unternehmen kaum zu vermitteln, weil es ihnen an den elementaren Qualifikationen fehlt. Gerade bei einem knapper werdenden Arbeitskräfteangebot können wir uns so etwas nicht leisten. Zudem dürfen wir kein einziges Kind und keinen Jugendlichen zurücklassen, nur weil die Landesregierung den Lehrerbedarf nicht korrekt errechnen konnte.

Normalerweise müsste diese Misere nicht nur im Freistaat Sachsen, sondern bundesweit zur Chefsache erklärt werden. Doch was macht Merkel? Sie fordert unseren Nachwuchs regelrecht dazu auf, die Schule zu schwänzen, um der Klimareligion zu huldigen. Irrer geht's nicht mehr!"

Schubert: Zur Situation der Schulen in Görlitz

Zur Situation der Schulen in Görlitz erklärt Franziska Schubert, Oberbürgermeisterkandidatin der Bürger für Görlitz, Bündnis90/Die Grünen, Motor Görlitz:

"Es gibt in Görlitz Grund zur Freude: die Schülerzahlen steigen. Damit einher geht der Bedarf an Infrastruktur. Es gibt aktuell zu wenige Plätze. Die Prognosen sehen auch zukünftig einen Anstieg der Schülerzahlen für Görlitz.

Gute Infrastruktur in der Bildung ist für die Entwicklung der Stadt maßgeblich. Die Schulen im Stadtgebiet haben Bedarf im Bereich Sanierung und Kapazitäten. Sollte der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss für den Bau einer neuen Oberschule fassen, dann würde damit ein wichtiger Schritt getan. Mit dem neuen Schuljahr wird in sieben Containern auf Schulhöfen unterrichtet werden, weil es an Kapazität fehlt. Hier gilt es, zu handeln. Die Finanzierung der Schule ist von Seiten des Freistaats gesichert, soviel kann ich mit Blick auf den Landeshaushalt sagen.

Der Ort für den Neubau ist bekannt - das ehemalige Schlachthofgelände*). Ich hatte das bereits zu Jahresanfang angesprochen. Die Entwicklung des Areals vom ehemaligen Schlachthof ist eine Aufgabe, die ich sehe. Mit einer neuen Oberschule in der westlichen Innenstadt wird eine gute Versorgung dort geleistet. Gute Schulen sind für Eltern wichtig - davon hängen Entscheidungen für oder gegen eine Stadt ab. Ein gutes pädagogisches Konzept in der neuen Schule ist wichtig.

Eltern schauen heute genau darauf, was angeboten wird und was sie sich für ihr Kind wünschen. Auch das kann Görlitz als Standortvorteil entwickeln. Ich empfehle, die bisherigen Schulen und Elternräte, die Interesse haben, einzubeziehen, wenn es um das pädagogische Konzept für die neue Schule geht. Erfahrung und Miteinander führen zu besseren Ergebnissen.

Eine Herausforderung gibt es noch neben der Schaffung von Raum. Das betrifft die Lehrerversorgung. Gute Lehrerinnen und Lehrer für unsere Schulen zu gewinnen, ist keine leichte Aufgabe. Hier kommt es maßgeblich auf das an, was die Stadt attraktiv macht. Dazu gehört neben preiswertem Wohnraum ein vielfältiges kulturelles Angebot, gute Mobilität, Freizeitangebote und ein freundliches Stadtklima. Der Freistaat muss Görlitz deutlich mehr finanziellen Spielraum geben, um das leisten zu können. Stadtentwicklung ist immer im Zusammenhang zu sehen."

Schubert ist Wirtschaftsgeografin. Ihre fachlichen Schwerpunkte sind Stadt- und Regionalentwicklung sowie Demografie. Derzeit ist sie Finanzpolitikerin im Sächsischen Landtag.

*) Anmerkung der Redaktion: Es geht um das KommWohnen-Areal auf der Ecke Rauschwalder Straße / Hilgerstraße, das gemeinhin dem Schlachthofgelände zugerechnet wird.

Teilen Teilen
Kommentare Lesermeinungen (0)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Name:
Email:
Betreff:
Kommentar:
 
Informieren Sie mich über andere Lesermeinungen per E-Mail
 
 
 
Weitere Artikel aus dem Ressort
Weitere Artikel
 
  • Quelle: red | Foto: ExplorerBob / Bob, Pixabay, Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 04.03.2019 - 13:53 Uhr
  • drucken Seite drucken